In Wandlitz entstehen 120 schlüsselfertig errichtete Sozialwohnungen. Foto: Wolfgang Fink
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Wohnen im Berliner Umland Wandlitz setzt auf kommunalen Wohnungsbau

Die Gemeinde Wandlitz kümmert sich in Basdorf nach Bauherrenart um Mietwohnungen. Der Markt alleine schaffe nämlich keinen bezahlbaren Wohnraum.

Einfamilienhäuser im Speckgürtel sieht man allerorten wachsen. Aber nicht jeder kann sich das leisten – obgleich die Baupreise weitaus niedriger sind als in der Hauptstadt. Ein großes Problem in den Umlandgemeinden ist deshalb der Mietwohnungsbau, der sich für private Investoren kaum rechnet. Es sei denn, sie lassen sich auf einen Verteilungsschlüssel verpflichten, der Neubauwohnungen auch für sozial Schwächere bezahlbar macht.

Genau das ist der Gemeinde Wandlitz mit den Basdorfer Gärten gelungen. Hier entsteht auf dem landeseigenen Areal der ehemaligen Polizeischule ein Modellprojekt, das nicht nur in Brandenburg einmalig sein dürfte.

„Wir haben hier eine Mischung aus maximal fünfzig Prozent Eigentumswohnungen, 25 Prozent Sozialwohnungen und 25 Prozent Mietwohnungen“, sagt Wandlitz Stadtkämmerer Christian Braungard. „Bei den Einfamilienhaussiedlungen haben wir einen hohen Flächenverbrauch – beim Geschosswohnungsbau haben wir Nachholbedarf.“ Braungard fand mit dem Unternehmen Stonehedge einen Investor und Immobilienentwickler, der sich auf die Wünsche Wandlitz’ einließ.

120 neue Sozialwohnungen

Das Ausschreibungsverfahren wurde vor kurzen abgeschlossen. Auf zwei Baufeldern ist die Errichtung von insgesamt 400 Wohnungen in Reihen- und Mehrfamilienhäusern – aber auch Doppelhaushälften – geplant. Bei diesem Projekt erwirbt die Gemeinde Wandlitz von den rund 160 Wohneinheiten auf dem ersten Baufeld 6 circa vierzig Wohnungen in zwei Gebäuden. Die Mietpreise: zwischen 5,50 und 8,85 Euro pro Quadratmeter.

Die Investitionskosten liegen nach Angaben der Pressereferentin Elisabeth Schulte-Kuhnt auf dem zunächst anstehenden Baufeld 6, dem ersten Teilprojekt, bei rund 7,5 Millionen Euro. Der kommunale Eigenanteil liegt hier bei 2,2 Millionen Euro, ein Förderdarlehen bei 4,2 Millionen Euro und der Förderzuschuss bei einer Million Euro. Ein weiteres Baufeld – das Baufeld 8 – soll in circa drei Jahren begonnen werden. Das geplante Projekt steht am 21. Februar zur Beschlussfassung der Gemeindevertreter an.

Der Plan ist, insgesamt 120 schlüsselfertig errichtete Sozialwohnungen zu erwerben. „Wir sind bei diesem Projekt nicht selbst der Bauherr, sondern wollen die Wohnungen bezugsfertig vom Investor kaufen“, sagt Braungard: „Der Aufwand ist so besser zu überschauen, der Preis steht fest und trotzdem können wir auch für diese Art von Projekt ein Förderdarlehen vom Land in Anspruch nehmen.“

Auf dem Gelände der ehemaligen Polizeischule werden Mietwohnungen gebaut. Foto: Reinhart Bünger Vergrößern
Auf dem Gelände der ehemaligen Polizeischule werden Mietwohnungen gebaut. ©  Reinhart Bünger

Die alte Kaserne muss weichen

Bereits im Bau ist ein Projekt, das die Gemeinde mehr oder weniger im Alleingang vorantreibt. Im Juni 2018 wurde Richtfest gefeiert. Der Umbau zweier alter Kasernengebäude der Polizeischule startete 2012 mit einem Grundsatzbeschluss der Gemeindevertreter zur Gründung der Basdorfer Entwicklungsgesellschaft BEG. Genossenschaften fanden sich zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht zum Mitmachen bereit.

So fand man – in Ermangelung eigener Planungskapazitäten – eine andere Konstruktion. Neben der Gemeinde Wandlitz mit ihrem Stadtkämmerer ist die BSM Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH (Berlin) als privates Dienstleistungsunternehmen mit einem weiteren Geschäftsführer in der BEG vertreten. Im Aufsichtsrat sitzen die Gemeinde, das Land Brandenburg und die BSM.

Das Stadtplanungsbüro begleitet zum Beispiel die Bebauungspläne, kümmert sich um die Erschließung der „Medien“ wie Wasser und Strom für das neue Wohngebiet, um Vermarktung und Straßenbaumaßnahmen. „Als Verwaltung haben wir nicht die Expertise, eine so große Fläche zu entwickeln“, sagt Braungard.

Bei den Basdorfer Gärten geht es um 42 Hektar. Ein Drittel davon soll renaturiert werden, auf einem weiteren Drittel sollen Wohnungen entstehen, ein Drittel ist für Gewerbe vorgesehen. Es soll ein lebendiges Quartier werden. Auch Polizisten werden ihren Platz haben. Allerdings in Zivil. Der ortsansässige Polizeisportverein wird weiterhin in der Turnhalle auf dem Gelände aktiv sein. Er hat rund 800 Mitglieder – viele wohnen noch in Wandlitz.

Zustimmung von allen Seiten

Insgesamt 52 Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen zwischen 47 und 118 Quadratmetern entstehen in dem ersten der beiden ehemaligen Kasernenblöcke, die zunächst entkernt wurden: Nicht tragende Wände, abgehängte Decken, Wandverkleidungen und andere Einbauten wurden wie Bodenbeläge und Wandputz herausgerissen, aus ehemaligen Sanitärräumen alles entfernt. Zudem wurden die Fundamente verstärkt, um ein zusätzliches Stockwerk aufzusetzen. Die Fertigstellung des ersten Hauses soll im Spätsommer dieses Jahres sein. Für 3,5 Millionen Euro mussten zunächst alte Gebäude – darunter Garagen – weggerissen werden.

So soll es einmal aussehen. Zur Vergrößerung anklicken. Grafik: TCHOBAN VOSS Architekten GmbH Vergrößern
So soll es einmal aussehen. Zur Vergrößerung anklicken. © Grafik: TCHOBAN VOSS Architekten GmbH

Die Zustimmung zu diesem Bauvorhaben fiel in Wandlitz über alle Parteigrenzen hinweg. Es ist dies das größte soziale Wohnungsbauprojekt der Gemeinde. „Viele sagen, der Markt regelt das Wohnungsangebot“, sagte dazu Bürgermeisterin Jana Radant. Das sei vielleicht im hochpreisigen Segment der Fall, aber nicht bei bezahlbarem Wohnungsbau.

„Man muss zugeben, dass es auch hier nicht von heute auf morgen geht und die Früchte unserer Arbeit erst jetzt sichtbar werden“, sagt Braungard. 2006 seit die Polizeischule leergezogen worden, 2012 wurde die Entwicklungsgesellschaft gegründet. „Die Berliner Dimensionen sind natürlich schwieriger“, sagt der Kämmerer, der als Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft kein zusätzliches Gehalt bekommt.

Eine Gemeinde sei überschaubarer, die Entscheidungswege kürzer. „Um das Modell in eine Millionenstadt wie Berlin zu übertragen, hinkt der Vergleich etwas.“ Gleichwohl: Auch Wandlitz verzeichne Bevölkerungswachstum. Schließlich ist der Ort mit der „Heidekrautbahn“ auch für Pendler gut zu erreichen: „Ich kann es nur jedem empfehlen, sich mit einem solchen Modell auseinanderzusetzen.“

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