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Das Demenzdorf am Wernersee. So stellte sich der private Projektentwickler Koop das und der Öffentlichkeit vor. Doch Berlin hat andere Pläne. Grafik: Die Wohnkompanie/K.O.O.P.
© Grafik: Die Wohnkompanie/K.O.O.P.

Stadtplanung „Dafür gibt es noch keinen Zeithorizont“

Am Wernersee in Kaulsdorf soll ein Demenzdorf entstehen - vielleicht

Von Dornröschenschlaf lässt sich mit Blick auf diese Immobilienentwicklung am Wasser schon nicht mehr sprechen – der Begriff Wachkoma wäre angemessen. Es ist eine typische Posse kommunaler Liegenschaftspolitik, was sich in den letzten beiden Jahrzehnten am Wernersee abspielt. Das Wernerbad in Kaulsdorf wurde 1905 als eines der ältesten Freibäder Berlins eröffnet – eine Mischform aus natürlichem See und Bad. 2003 schlossen die Berliner Bäderbetriebe den öffentlichen Betrieb: nicht mehr zeitgemäß. Anstelle in dieses Kleinod zu investieren, ließ man alles ins Wasser fallen.

Die Koop Projekt GmbH wollte hier als Projektentwicklerin mit der „Wohnkompanie“ (ein Tochterunternehmen des Bremer Bauunternehmers Zech) ein ambitioniertes Demenzdorf nach dem niederländischem Vorbild „Hogeweyk“ realisieren. Doch Rot-Rot-Grün legte den Hebel um: Kein Seenland in Investorenhand. Öffentlicher Grund sollte nicht mehr verkauft, allenfalls verpachtet werden, beackert am besten von landeseigenen Firmen. Am 23. August 2018 wurde des Vergabeverfahren beendet; das Grundstück landete dann bei der landeseigenen Berlinovo, die unter anderem Gästewohnungen und Studentenapartments vermietet. Seitdem passiert am Wernersee weiterhin baulich nichts. Das Gelände ist umzäunt und völlig verwildert; die Gebäude durch Vandalismus schwer gezeichnet.

„Der weitere Bauablauf erfolgt nach finaler Abstimmung mit einem externen Pflegedienstleister (Mieter) und kann derzeit noch nicht konkret benannt werden“, teilt die Berlinovo auf eine aktuelle Anfrage mit. Läuft gar nichts, um die ungenutzten 24000 Quadratmeter ins Ziel zu bringen?  Und was wäre das Ziel? Die Berlinovo Immobilien Gesellschaft mbH plane über ihre Tochtergesellschaft Berlinovo Grundstücksentwicklungs GmbH (BGG) den Neubau eines Demenzdorfes zur Nutzung durch einen externen Pflegedienstleister, textet die Berlinovo ins Ungefähre.

Das Vorhaben könnte das erste Pilotprojekt dieser Art in Deutschland sein

René Herrmann, Geschäftsführer der Vivantes Forum für Senioren GmbH, weiß mehr. Das Vorhaben könnte zum in Deutschland einmaligen Pilotprojekt werden. Das Demenzdorf werde 128 Plätze haben. Die Vivantes GmbH, Berlins kommunales Krankenhausunternehmen, werde die Betreiberin sein. Vier Häuser mit zwei Geschossen, ein Haus mit einem Geschoss sind geplant – darin untergebracht: 78 Einzelapartments und 25 Doppelapartments. Soweit die Planung.

Koop-Geschäftsführer Torsten Birlem beobachtet alles ganz genau. „Es ist immer gut, wenn etwas für und mit dementiell erkrankten Menschen passiert“, sagt er. Aber: Der Park werde nicht mit einbezogen, von einem Demenzdorf können folglich keine Rede sein. Skizziert sei eine stationäre Versorgung, wie es sie in Berlin auch anderenorts gibt. „Außerdem sind zu viele Doppelzimmer vorgesehen, das sehen wir kritisch.“

Nach Herrmanns Angaben „sind wir derzeit in den Planungsrunden, darunter auch mit der Heimaufsicht und den Senatsverwaltungen für Gesundheit und für Finanzen. Erst wenn diese Abstimmungen abgeschlossen sind, kommen wir zu einem Bauantrag. Dafür gibt es noch keinen Zeithorizont“.

Der See wird für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sein, in das Konzept des Demenzdorfes im Rahmen der Betreuung aber mit einbezogen - sagt René Herrmann: „Betreute Spaziergänge mit Demenzkranken und Sinneserfahrungen werden dort möglich sein - Schwimmen natürlich nicht. Das wäre zu gefährlich."

Die Neubebauung soll im Entwurf der Idee eines Angerdorfes folgen, bei dem die Wohngebäude um einen zentralen Platz angeordnet sind. Den dörflichen Mittelpunkt bilde der Marktplatz der großzügigen Freifläche und den speziell gestalteten Außenanlagenangebot, heißt es in einer Projektbeschreibung: „Die umgebenden ein- und zweigeschossigen Gebäude beherbergen die Wohngruppen in familiären Strukturen mit jeweils 16 Bewohnern."


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