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Sicherer Rückzugsort. Der corona-bedingte Lockdown führt bei vielen Menschen nicht nur zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema „Wohnen und Arbeiten“, sondern verstärkt auch den Wunsch nach einem eigenen Zuhause. Foto: dpa-tmn/Florian Schuh
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Immobilien Eigenes Arbeitszimmer wird wichtiger

Interhyp-Studie:  Soziale Ungleichheit bei Eigenheimkauf mit ausschlaggebend – Darlehenshöhen steigen.

Wie soll das alles nur weitergehen? Das ist nicht nur bei der Bewältigung der Corona-Pandemie und ihrer Folgen die Frage. Auch der Markt für Wohnimmobilien präsentiert sich mehr oder minder unbeherrscht, unbeeindruckt und krisenfest. Mehr noch: Corona und die allgemeine Marktlage hätten sogar zu einem verstärkten Nachfrageschub geführt, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung des Portals Immoscout24 hervorgeht. Was mögen die Gründe dafür sein?

Immoscout zufolge gingen auf diesem Portal im Februar 33 Prozent mehr Kontaktanfragen zum Häuserkauf ein als im Vorjahreszeitraum. Bei Eigentumswohnungen stieg die Nachfrage um 34 Prozent – und zwar vor allem nach denen, die ausreichend Platz für Homeoffice und Homeschooling bieten. So wurden im Februar 129 Prozent mehr Kontaktanfragen für Eigentumswohnungen über 150 Quadratmetern registriert.

Zwar will das Unternehmen keinen Trend zum Wegzug aus der Stadt zugunsten des Landes erkennen. Doch die Nachfrage zog nicht nur in den Großstädten Berlin, München, Hamburg, Köln, Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart an, sondern auch in den jeweiligen Speckgürteln. „Deutschlandweit boomt die Nachfrage nach Wohnimmobilien zum Kauf“, sagte der Geschäftsführer von Immoscout24, Ralf Weitz. „Anders als erwartet, liegt das aber nicht an einer Verschiebung von der Stadt ins Umland, also einer Stadtflucht.“ Die erhöhte Nachfrage in den Speckgürteln sei nicht zulasten der Stadtkerne gegangen. Das niedrige Zinsniveau und das neue Provisionsrecht, das Käufer entlaste, begünstigten das Interesse am Immobilienkauf. Angesichts steigender Mieten scheinen sich immer mehr für den Kauf eines Eigenheims zu interessieren. Der Google-Trend-Score für das Suchbegriffspaar „Wohnung kaufen“ notierte nach Angaben der Nachrichten- und Informationsplattform Kryptoszene im Februar auf dem höchstmöglichen Wert von einhundert, und damit höher als je zuvor. 

Es zeigten sich starke regionale Unterschiede zwischen den einzelnen Städten und ihren Umlandgemeinden. Während die Nachfrage nach Eigentumswohnungen in Frankfurt am Main im Februar mit einem Plus von einem Prozent nur leicht über dem Vorjahresniveau lag, verzeichneten Berlin mit 38 Prozent und Hamburg mit 36 Prozent deutlich mehr Kontaktanfragen. In den Speckgürteln lag die Spanne zwischen plus 14 Prozent in Frankfurt und plus 70 Prozent in Köln. Nach einer in dieser Woche vorgelegten Corona-Studie des Baufinanzierungsvermittlers Interhyp halten 42 Prozent der Befragten das Land für den idealen Wohnort während der Pandemie. Das Arbeitszimmer werde zudem ein wichtiges Thema bei der Wohnungssuche, sagte Stefan Hillbrand, Vorstandsmitglied des Baukreditvermittlers Interhyp am Mittwoch. Die Menschen sehnen sich nach mehr Platz und nach einem Zugang zur Natur, sagt auch Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender von Interhyp.

Finanzielle Unterstützung von Freunden oder Familie für viele Erwerber wichtig

Beim Kauf der eigenen vier Wände spielt soziale Ungleichheit nach Einschätzung von Interhyp sowohl in Deutschland als auch in Österreich eine erhebliche Rolle. Ohne finanzielle Hilfe von Eltern und Familie könnten sich viele Immobilienbesitzer den Erwerb nicht leisten, sagte Vorstandschef Jörg Utecht. Das Unternehmen hat dazu 3300 Besitzer in Deutschland und Österreich befragt. Demnach sagte mehr als ein Drittel der Erben beziehungsweise ein Viertel der von der Familie Beschenkten, dass sie sich Haus- oder Wohnungskauf ohne diese Unterstützung nicht hätten leisten können. Wie auch? Die durchschnittliche Darlehenshöhe hat sich laut Interhyp von 194000 Euro im Jahr 2010 über 241000 Euro im Jahr 2015 auf einen Stand von nunmehr 330000 Euro entwickelt. Innerhalb von zehn Jahren sei die Darlehensrate aber moderat gestiegen, so Utecht: Nämlich von 925 Euro in 2010 auf jetzt 1070 Euro in 2020: „Wahrscheinlich ist die Darlehensrate noch darstellbar“, so der Interhyp-Mann. Die Frage sei aber, wie lange noch. Der Eigenkapitaleinsatz entwickelte sich ebenfalls nach oben:  Im Schnitt wurden 2010 rund 83 000 Euro eingesetzt, 2015 waren es rund 100 000 Euro und 2020 um die 115 000 Euro.

Staatliche Fördergelder sind beim Kauf von Eigentum nicht entscheidend

„Wenn der Kontostand der Eltern maßgeblich entscheidet, wer sich Wohneigentum leisten kann, zementieren wir soziale Ungleichheit“, sagte Utecht. Staatliche Förderung wie das Baukindergeld oder KfW-Kredite spielen demnach eine kleinere Rolle – nur elf Prozent sagten, dass sie ohne Unterstützung des Staats keine eigene Immobilie gekauft hätten. Wohneigentum zu erwerben sei „schwerer geworden“, sagen 55 Prozent der von Interhyp Befragten. Im vergangenen Jahr betrug der Preis für einen Quadratmeter Wohnraum (bundesdeutscher Mittelwert bei einer Immobilie mit 30 Quadratmeter-Fläche) 4021 Euro, so die Nachrichten- und Informationsplattform Kryptoszene.  Im Jahr 2011 waren es lediglich 1411 Euro. Der Anstieg schlägt mit 185 Prozent zu Buche.

Angespannt bleibt den Angaben von Immobilienscout zufolge die Lage bei Mietwohnungen. Demnach kommen deutschlandweit auf eine neu angebotene Wohnung 33 Bewerber. Immerhin: Nach Jahren stark steigender Mieten sehen Immobilienexperten zumindest eine Abschwächung des Aufwärtstrends. Bei den Bestandsmieten sei der Anstieg 2020 etwas geringer ausgefallen.

Dies zeigt eine Auswertung der örtlichen Mietspiegel, berichtete der Hamburger Immobilienspezialist F+B am Donnerstag. Die so genannten ortsüblichen Vergleichsmieten seien 2020 im Durchschnitt um 1,7 Prozent gestiegen, 0,1 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Die ausgewerteten amtlichen Daten spiegelten die Entwicklung der Mietkosten für Millionen von Haushalten in Deutschland wider, betonte F+B.

Mieter mit alten Verträgen sind im Vorteil

Die teuerste Großstadt für Mieter ist demnach Stuttgart. Dort müssten mit bestehenden Mietverträgen durchschnittlich 10,38 Euro pro Quadratmeter Nettokaltmiete gezahlt werden. „Vergleichsweise günstig ist das Wohnen in Berlin, wenn man die Bestandsmieten in anderen Metropolregionen als Vergleichsmaßstab heranzieht“, sagte F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner laut Mitteilung. In den westlichen Stadtteilen Berlins kosteten Bestandswohnungen momentan im Schnitt 7,40 Euro, in den östlichen 6,65 Euro pro Quadratmeter. An den Zahlen zeige sich, welche finanziellen Vorteile Mieter mit alten Mietverträgen „immer noch haben“. Allerdings seien die Bestandsmieten sowohl im Berliner Altbau- als auch im Neubausegment überdurchschnittlich angestiegen, während langjährige Mieter in den Großsiedlungen noch relativ preiswert lebten. mit Reuters und dpa

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