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Hostel Pfefferbett in Berlin, auf dem Pfefferberg, Dort schliefen im vergangenen Winter jede Nacht rund 90 Obdachlose statt Touristen im Corona-Lockdown. Für die Betreiber ist diese Art der Vermietung eine Möglichkeit, ohne Touristen Geld mit den Zimmern zu verdienen. Foto: Sven Darmer
© Sven Darmer

Gewerbeimmobilien Hotels setzen nun verstärkt auf Langzeitgäste

Für den Übergang quartiert sich mancher Wohnungssuche in Touristenunterkünften ein. Für die Branche ist das ein Ausweg aus der Krise

Inhabergeführte Hotels und Beherbergungsketten haben und hatten es schwer in der Pandemie. Sie waren gezwungen – wie andere Betriebe auch – neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Da „Außer–Haus–Schlafen“ als Pendant zum Lieferservice von Restaurants und Gaststätten nicht zu machen ist, boten einige Betreiber ihre Zimmer als Homeoffice-Plätze für ruhesuchende Familienväter und -mütter an (Der Tagesspiegel berichtete). Mit Blick auf Udo Lindenberg, der als Dauergast im Hamburger Hotel Atlantic logiert, mag nun verstärkt der Idee nachgegangen werden, Hotels als Wohnungsersatz anzubieten.

Zumindest beobachtet das Andreas Klein, Geschäftsführer der Einkaufsgesellschaft für das Hotel- und Gastgewerbe mbH. „Nahezu alle heute in der Hogast organisierten Betriebe mit urbanem Standort haben bei Um- oder Neubau bereits die technisch-bauliche Voraussetzung einer Long-stay-Option umgesetzt“, sagt Klein auf Anfrage. Im Vorausblick und mit der Erfahrung aus der Pandemie gibt es einen zukünftigen Zweitnutzen im Bereich betreutes Wohnen im Alter, glaubt Klein: „Da in Hotels in der Regel ähnliche Voraussetzungen an Hygiene, Barrierefreiheit und Infrastruktur (Küche, Gemeinschaftsräume) vorgefunden werden, stellt dies ein Backup für viele Hoteliers in der Zukunft dar, die heute in den Städten mehr den Bereich Tagung und Konferenz bedienen.“

Rolf M. Scheibe, Head of Sales Achat Hotels, bestätigt dem Tagesspiegel den Trend: „Die Nachfrage nach Langzeitvermietung war in der Pandemie verstärkt, da viele Privatpersonen aufgrund der allgemeinen Situation verunsichert waren, ob sie sich mit langfristigen Mietverträgen an Wohnungen binden sollen. Mit der Langzeitmiete eines Hotelzimmers konnte hier zunächst etwas mehr Zeit und Sicherheit gewonnen werden.“

Berufspendler kommen auch als Hotelgäste infrage

Für junge Menschen oder Pendler sei es ideal, ein Hotelzimmer zu buchen, um die volle Flexibilität zu haben. Das finden jedenfalls die Startup-Unternehmer Tristan Thom und Daniel Aseko. Sie sind die Geschäftsführer der myroom24 GmbH (Berlin). Sie haben ein Portal im Internet aufgebaut, „machen den Hotels die Zimmer voll“ (Chief Marketing Officer Martin Troppa). „Unsere Zimmer befinden sich zudem in zentralen Lagen, verfügen über weitere Angebote, wie kostenloses WLAN, wenn bald auch wieder möglich zudem meist über Fitness-, Spa- sowie Coworking-Möglichkeiten“, erläutern Thom und Aseko. Die von ihnen vermittelten Unterkünfte werden für mindestens einen Monat vermietet.  

„Nicht wenige Hotels haben während der schweren Krise Hotelzimmer auch für längere Zeiträume, quasi als Wohnung, vermietet“, bestätigt auch Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin e.V. (Dehoga). „Dass Hotels dies dauerhaft tun, kann ich mir allerdings nicht vorstellen“, sagt Lengfelder: „Sobald der Tourismus wieder anspringt, werden die Hotels diesen Umsatzanteil sicher wieder runter fahren.“ Was abzuwarten bliebe. Die Kosten eines Hotels seien viel zu hoch, eine dauerhafte Vermietung der Räumlichkeit als Wohnung werde sich bei der Mehrzahl der Hotels wirtschaftlich nicht darstellen lassen, gibt der Dehoga-Geschäftsführer zu bedenken.

„Unser Angebot für Langzeitvermietungen besteht weiterhin und wir werden es auch mindestens mittelfristig beibehalten, da sich die Pandemie-Situation sicher in vielen Bereichen erst langsam normalisieren wird“, versichert Scheibe für die Achat Hotels.

Die im Februar gegründete Buchungsplattform myroom24 nimmt nach eigenen Angaben jedenfalls eine zunehmende Nachfrage wahr.

Das Unternehmen kooperiert dazu beispielsweise mit Hotelbrands wie Hilton, Holiday Inn, Rilano, Ibis, InterContinental und Accor. Nach einer Projektentwicklerstudie von Bulwiengesa aus dem laufenden Jahr entstehen neben klassischen Hotels in Berlin zunehmend auch Longstay-Angebote, wie z. B. ein von „Share in the City" geplantes Projektvorhaben oder auch preisgünstige Community-Hotels, wie das von Triton 2019 fertiggestellte „The StudentHotel“ am Alexanderplatz.

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