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Das Plangebiet im Schönefelder Norden wird das neue Herz der Gemeinde Schönefeld, gelegen am Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Foto: Ralf Hirschberger/dpa
© Ralf Hirschberger/dpa

Bauboom am Rande Berlins Schönefeld befürchtet den Verkehrskollaps

In Schönefeld soll ein Wohngebiet für 10.000 Menschen entstehen. Der Bürgermeister warnt, ohne U7-Verlängerung komme es zum Verkehrskollaps.

Unmittelbar am Berliner Stadtrand entsteht in den kommenden Jahren eine neue Kleinstadt. Konkret geht es um eine rund 170 Hektar (brutto) große Fläche im Schönefelder Norden, die sich zwischen Bahn- und S-Bahntrasse und der nördlichen Grenze zu Berlin erstreckt. Entsprechend des bereits vorliegenden Rahmenplanes „Wohnen in Schönefeld“ soll hier – in unmittelbarer Nähe zum Terminal 5 des Großflughafens „Willy Brandt“ – ein neues Stadtquartier mit zusätzlichen 9000 bis 11.500 Bewohnern gebaut werden.

Sie werden internationale Ziele wie Paris, London oder Barcelona genauso leicht erreichen können wie Dresden, Leipzig oder die Berliner Innenstadt. Denn in wenigen Fahrminuten ist der Autobahnanschluss A113 sowie Terminal 1 und 2 des BER erreichbar.

Bereits im Bau sind am Standort BER – außerhalb des Planungsgebietes Schönefeld Nord – mehrere Büroimmobiliengroßprojekte, wie „The Unique“ (8800 Quadratmeter) und der „BB Business Hub“ in der Mittelstraße in Schönefeld mit insgesamt 35.000 Quadratmetern Büromietfläche.

Die Entwicklung im Schönefelder Norden war bisher geprägt durch eine Vielzahl an Einzelprojekten und Bauvorhaben. Mit einem Wettbewerb soll nun die Chance ergriffen werden, das Plangebiet städtebaulich aufeinander abzustimmen. Der Fokus soll dabei auf Nachhaltigkeit und Baukultur, Energie, Schaffung bezahlbaren Wohnraums und Freiraumqualitäten, Funktionsmischung, Zusammenleben, Kiezkultur und neuen Mobilitätsanforderungen liegen.

„Die Problematik ist die fast zeitgleiche Baufertigstellung ganzer Quartiere“, sagt Schönefelds Bürgermeister Christian Hentschel auf Anfrage zu den Wachstumsschmerzen der Region: „Es ist, als würde ein voller Bus in Schönefeld ankommen und alle steigen gleichzeitig aus. Quartiere werden in Chargen von hier mal 700 Wohnungen und dort mal 300 Wohnungen und da mal wieder 450 Wohnungen fertig. Das ist ein Problem.“

Schönefeld unter Druck

Deshalb gibt es nun eine EU-weite Ausschreibung mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren. Hier fließen auch Vorgaben und Zusagen ein, die bereits aus früheren oder parallel verfolgten Zielen bestehen – wie etwa die Freihaltung einer Trasse für eine Verlängerung der U-Bahn-Linie U7 oder ein freizuhaltender Grünstreifen entlang der Siedlungsgrenze zu Berlin. Dazu zählt auch die so genannte Planstraße E, unter die die bisher oberirdisch verlaufene Hochspannungstrasse verlegt werden soll, um die Bebauung des Plangebietes überhaupt zu ermöglichen.

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Wegen der besonderen Lage der Gemeinde in der südöstlichen Entwicklungsachse, die sich vom Stadtzentrum Berlins über Adlershof und den BER bis in die Lausitzregion erstreckt, steht die Gemeinde seit Jahren unter enormem Entwicklungsdruck. Aktuell arbeiten nach offiziellen Angaben der Gemeinde nur 900 Schönefelder vor Ort. Das Pendleraufkommen liegt bereits heute bei 17.000 Menschen, die werktäglich mehr oder weniger in Bewegung sind.

Schönefeld wird dramatischen Wachstum erleben

„Wir erwarten in den nächsten drei bis vier Jahren weitere 3500 Einwohner“, sagt Bürgermeister Hentschel: „In den nächsten 15 Jahren insgesamt 10.000 Einwohner.“ Das Plangebiet im Schönefelder Norden ist das Herzstück der gemeindlichen Entwicklung. In den zurückliegenden Jahren sind neue Quartiere wie das Dichterviertel, die Sonnenhöfe, das Rathausquartier und die Rathausvillen entstanden.

Aktuell baut die Buwog unmittelbar am Rathaus neue Eigentumswohnungen unter dem Label „Schönefelds neue Mitte“. Im gesamten Ortsteil leben aktuell (Stand 31.12.2021) rund 7200 Menschen, in der gesamten Gemeinde mit ihren sechs Ortsteilen rund 19.000 Menschen.

Der Ortsteil Schönefeld wird den bisher einwohnerstärksten – Großziethen (8200 Einwohner) – ablösen, Schönefeld insgesamt nochmals ein dramatisches Wachstum erleben.

In dem städtebaulich-landschaftsplanerischen Wettbewerb Schönefeld-Nord sollen in der ersten Phase zunächst Ende April von zirka 30 Teams zehn durch ein unabhängiges Preisgericht für eine zweite Preisgerichtssitzung ausgewählt werden. Das Preisgericht zur Ermittlung der besten Entwürfe soll dann Ende August 2022 tagen.

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Zum Preisgericht gehören fünf unabhängige Stadtplaner und Architekten (Fachpreisrichter) sowie als Sachpreisrichter: Bürgermeister Christian Hentschel, die Vize-Landrätin Dahme-Spreewald, Susanne Rieckhof und zwei Vertreter der Gemeindevertretung sowie weitere Beteiligte (Gemeindeverwaltung, BVG, DB, u.a.). Gegebenenfalls schließen sich Realisierungswettbewerbe an.

Bürgermeister Christian Hentschel hofft, dass Berlin bei den Planungen mitzieht. „Wir in Schönefeld befürchten Schlimmstes. Sobald der Flughafen auf Hochtouren fährt, steigen am U-Bahnhof Rudow täglich 35.000 Fahrgäste in den Bus nach Schönefeld. Das sind Arbeitnehmer und Fluggäste. Es entstehen 40.000 bis 70.000 Arbeitsplätze.“

Ohne eine Verlängerung der U7 werde es zu einem Verkehrskollaps kommen, sagt Hentschel dem Tagesspiegel: „Allein die Bebauung in Schönefeld-Nord führt zu weiteren 30.000 Verkehrsbewegungen am Tag auf der Hans-Grade-Allee. Regelmäßige Staus auf der Berliner Stadtautobahn durch Unfall/Tunnelschließung führen zu erheblichen Wartezeiten und damit verbunden zu erheblichen volkswirtschaftlichen Schäden.“

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