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Die gemauerte Nord-Ost-Ecke der Musterfassade in Mitte steht hier im Vordergrund. Doch ihre Bezüge zur neu zu errichtenden Schinkelschen Bauakademie sind noch zu definieren. Vielleicht wird die Rekonstruktion der historischen Gebäudeecke wieder abgerissen. Foto: DAVIDS/Sven Darmer
© DAVIDS/Sven Darmer

Bauakademie in Mitte So wenig Schinkel wie nötig

Personaltableau „Thinktank Wettbewerb“ der Bundesstiftung komplett. Er soll den Neubau vorantreiben

Der rote Ziegelquader in der Mitte Berlins galt einst als revolutionär. Die Schinkelsche Bauakademie stand für den Aufbruch in die Moderne. So wie es war, so soll es wieder werden. Um die Vorgaben für das Neubauvorhaben und die Verfahrensregeln für den anstehenden internationalen Wettbewerb zu erarbeiten, steht jetzt das Personaltableau für einen „Thinktank Wettbewerb“ in der Bundesstiftung Bauakademie. Die Namen liegen dem Tagesspiegel exklusiv vor. Die Arbeitsergebnisse sollen dem Stiftungsrat im Frühjahr 2023 eine Entscheidungsgrundlage zum Beginn des Wettbewerbs liefern.

Die Stiftung Bauakademie ist beim Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen angesiedelt. Sie ist Bauherrin des Akademiegebäudes. Ihr Gründungsdirektor ist Guido Spars, diplomierter Volkswirt, promovierter Ingenieur, habilitierter Stadt- und Regionalökonom und Professor an der Bergischen Universität Wuppertal, wo er bis zu seiner Berufung Ökonomie des Planens und Bauens lehrte.

Der Bund plant für den Wiederaufbau 62 Millionen Euro ein. Den ersten Wettbewerb zur Bauakademie stellte der Bund im September 2017 unter das Motto „Soviel Schinkel wie möglich“.

Modern, historisch, hybrid? Das ist eine der gestalterischen Fragen

Im „Thinktank Wettbewerb“ werden die Weichen dafür gestellt, ob eine rekonstruierte oder eine neu entworfene Fassade gebaut wird, oder ob es zu einer „hybriden“ Lösung kommt. Letztendlich soll dies aber in einem offenen internationalen Realisierungswettbewerb entschieden werden. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die bereits 2018 in die geplante Bauakademie einbezogen werden wollte, dürfte über die Zusammensetzung des „Thinktanks Wettbewerbs“ nur mäßig erfreut sein. Die Einrichtungen der Stiftung verfügen über den gesamten Schinkelschen Nachlass und eine bedeutende Architektursammlung, sind an dieser Stelle aber nicht vertreten. Es mag daran liegen, dass die Stiftung stets auf die Geschichte des Gebäudes verwiesen hatte, die auch der Förderverein Bauakademie als zentralen Dreh- und Angelpunkt der neu zu errichtenden Kubatur sieht: „Ein hybrider oder moderner Bau wäre eine Verfälschung und kann daher auch nicht im Geiste Schinkels liegen“, ließ der Verein im Mai wissen. So original wie möglich, so modern wie nötig; daran müsse sich auch die Wiedererrichtung der Bauakademie orientieren.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verwies auf die zwischen der Bauakademie, der Museumsinsel und dem neuen Humboldt Forum im Berliner Schloss herzustellenden Bezüge.


Simulation der in historischer Gestalt rekonstruierten Bauakademie von der Schlossbrücke aus gesehen. Foto: promo Vergrößern
Simulation der in historischer Gestalt rekonstruierten Bauakademie von der Schlossbrücke aus gesehen. © promo


Das 1836 eröffnete, geometrisch gegliederte Gebäude in der historischen Mitte Berlins gilt als eine Ikone der Architekturgeschichte. Es war im Krieg nach einem Bombenangriff ausgebrannt und später für das DDR-Außenministerium abgerissen worden. Ob es original nach dem Vorbild des preußischen Hofbaumeisters Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) wiedererstehen soll, das ist eine der zentralen Fragen, die sich dem „Thinktank Wettbewerb“ stellen.

Die Mitglieder des "Thinktanks Wettbewerb"

Werden die beruflichen Schwerpunkte der Mitglieder näher betrachtet, so ist ein moderner Bau zu erwarten, gerne aus recycelten Materialien, die – über die Kreislaufwirtschaft eingesammelt – neue nachhaltige Verbindungen miteinander eingehen. Wollte man die Rekonstruktion eines historischen Gebäudes, so hätte wohl auch die Berufung der Adlon-Architekten Patzschke vollkommen ausgereicht. Statt ihrer findet sich hier nun eine Vielzahl von zukunftszugewandten Architekten und Ingenieuren:


PStS Sören Bartol

MdB, Deutscher Bundestag

Stiftungsratsvorsitzender

SACHEXPERTE BMWSB


Prof. Dr. Harald Bodenschatz

Center for Metropolitan Studies/ TU Berlin

FACHEXPERTE Architekturhistorie


Elisabeth Broermann

Architects for Future Deutschland e.V.

SACHEXPERTIN


Prof. Annette Hillebrandt

Urban-Mining-Design

FACHEXPERTIN Zukunftsfähige Baumaterialien 


StSn Prof. Petra Kahlfeldt

Senatsbaudirektorin

Stiftungsratsmitglied

SACHEXPERTIN


Theresa Keilhacker

Präsidentin

Architektenkammer Berlin

SACHEXPERTIN

  

Prof. Jan Krause

office for architectural thinking

Hochschule Bochum

SACHEXPERTE Architekturkommunikation


Dr. Nadine Kuhla von Bergmann

Creative Climate Cities UG

Fachexpertin Nachhaltige Stadtentwicklung 


Dr. Jan Mende

Schinkel-Experte

Stadtmuseum Berlin/ Museum Knoblauchhaus

IMPULSGEBER Schinkel


Prof. Dr. Lamia Messari-Becker 

Universität Siegen / Department Architektur

Lehrgebiet Gebäudetechnologie und Bauphysik

FACHEXPERTIN Nachhaltige Energiekonzeption



Rainer Nagel

Vorstandsvorsitzender

Bundestiftung Baukultur

SACHEXPERTE Programmwettbewerb/ FACHEXPERTE Baukultur


Dr. Christoph Rauhut 

Landeskonservator

Leiter des Landesdenkmalamt Berlin

FACHEXPERTE Denkmalschutz 


Prof. Dr. Anja Rosen

energum GmbH

FACHEXPERTIN


Prof. Dr. Eike Roswag-Klinge 

ZRS Architekten Ingenieure

FACHEXPERTIN Klimawandelanpassung 


Prof. Uwe Rotermund 

Prof. Uwe Rotermund Ingenieurgesellschaft mbH & Co KG

FACHEXPERTE Ökonomische Nachhaltigkeit 


Prof. Christian Schlüter

ACMS Architekten GmbH

FACHEXPERTE Wandlungsfähige Raumkonzepte 


Annabelle von Reutern

Business Development

Concular GmbH

FACHEXPERTIN Nachhaltiger Bauprozess 


Angefragt:


Prof. Dr.-Ing. Norbert Gebbeken

Bundesingenieurkammer

SACHEXPERTE


Nicolas Kerz

BBSR

IMPULSGEBER Gebäudezertifizierung 


Verena Konrad

Vorarlberger Architektur Institut

FACHEXPERTIN Architekturqualität


Prof. Dr. M Rutz

Professur für Environmental and Recycling Technology, Umwelt- und Recyclingtechnik

Hochschule Nordhausen

SACHEXPERTE Recycling und Umwelttechnik


Alexander Sturm

Architekturjournalist und Autor

IMPULSGEBER Rekonstruktionsforscher 


Wird der Neubau mit Anforderungen überfrachtet?

Den „Thinktank Wettbewerb“ versteht die Stiftung Bauakademie als ein interdisziplinäres Gremium aus Expertinnen und Experten, welches in Workshops die internen und externen Anforderungen an das Gebäude aufeinander bezogen auf der Höhe der Zeit diskutieren soll. Es ist politisch auch gewünscht, dass sich Teams von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern damit beschäftigen, Nachhaltigkeitsziele wie Energieeffizienz, Klimaneutralität und Ressourcenschonung für das neue Gebäude zu formulieren.

„Das Problem ist, dass dieses Thema so breit angelegt wird“, sagt auf Anfrage Stadtarchitekt Klaus Theo Brenner (Berlin). Es bestehe die Gefahr, dass sich das gedankliche und tatsächliche Fundament des neuen Gebäudes in Einzelfragen aufteile. „Sodass ein Gebäude dabei herauskommt, das in der Stringenz – mit Blick auf das historische Gebäude – durch die breite Fragestellung von Anfang an infrage gestellt wird.“

Für die architekturhistorische Relevanz des alten Baus und historische Sensibilität stehen nun vor allem Harald Bodenschatz, der Schinkel-Experte Jan Mende sowie Berlins Landeskonservator Christoph Rauhut.

Umfrage: Deutsche Öffentlichkeit bevorzugt die Rekonstruktion

Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa, die die Vereine Stadtbild Deutschland, Gesellschaft Historisches Berlin und der Förderverein Bauakademie in Auftrag gegeben hatte, ergab, dass zwei Drittel der befragten Deutschen beim Wiederaufbau eine Rekonstruktion der historischen Fassaden bevorzugen würden.

Der Gründungsdirektor der Stiftung Bauakademie, Guido Spars, freute sich über die Umfrage:

"Diesen Beitrag zur bevorstehenden Ausarbeitung der Vorgaben für den Realisierungswettbewerb begrüße ich sehr. Die Umfrage-Ergebnisse werden die Diskussionen um die Gestalt des Gebäudes bereichern, die in den nächsten Monaten in unterschiedlichen Formaten stattfinden werden. Die Diskussionen werden sich neben dem Thema der Gestalt des Gebäudes mit vielen anderen Anforderungen an das Gebäude beschäftigen, wie z.B. Fragen der Energieeffizienz und Klimaneutralität, der Ressourceneffizienz und Wirtschaftlichkeit. Zeitgleich mit den für September angesetzten Tagungen des Thinktanks „Wettbewerb“, in dem Expertinnen und Experten aus den Bereichen Planung, Bauwesen und Politik Handlungsempfehlungen erarbeiten werden, wird eine „Werkstatt“-Reihe der bürgerschaftlich engagierten Öffentlichkeit die Gelegenheit geben, sich mit ihren Vorstellungen in den Entscheidungsprozess einzubringen."

Werkstatt Bauakademie geplant

Wer Interesse daran hat, an der Werkstatt Bauakademie teilzunehmen, kann sich bis zum 5. August unter werkstatt@bundesstiftung-bauakademie.de melden. Bei einer hohen Zahl von Anmeldungen entscheidet das Los. Über die Werkstatt sollen die Stadt- und die Zivilgesellschaft in das Vorhaben eingebunden werden.

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