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Die Kupferverkleidung der Dachaufbauten gleicht sich farblich an die Ziegelästhetik des Bestandes an. Der Bau „fließt“ in einem Guss quasi vom Dach bis auf die Straße hinunter. Foto: Jan Bitter/SauerbruchHutton
© Jan Bitter/SauerbruchHutton

Architektur in Berlin Gut gedacht fürs Oberstübchen

Berlin Metropolitan School mit neuen Aufbauten.

Am Anfang war ein Plattenbau. Die 2004 gegründete Berlin Metropolitan School unterrichtet in einem 1987 industriell vorgefertigten Stahlbeton-Systembau. Das Bestandsgebäude innerhalb des Flächendenkmals „Spandauer Vorstadt“ galt es zu erweitern, denn auch eine neu konzipierte dreizügige Oberstufe sollte hier untergebracht werden. Zudem gab es in dem Gebäude bisher keinen großen Gemeinschaftsraum, kein Auditorium also, keine Bibliotheken.

Das Architekturbüro Sauerbruch Hutton bekam den Auftrag, die vorhandenen drei Gebäudeteile aus der DDR-Typenschulbaureihe 80 (SBR 80) zu ergänzen und aufzustocken. Um einen großzügigen Schulhof im Blockinneren gruppieren sich nun insgesamt vier Gebäudeteile.

Die projektleitende Architektin Vera Hartmann arbeitete von 2014 bis 2020 an dieser Mammutaufgabe und ließ die Altbausubstanz weitgehend unberührt. Sie egalisierte zunächst die Gebäudehöhen durch Aufstockungen. Die größte Schwierigkeit: Die Baumaßnahmen waren in den laufenden Schulbetrieb zu integrieren. Die Dachaufbauten aus Holz mit ihrem geringen Eigengewicht erforderten keine zusätzlichen Fundamente oder Eingriffe am Tragwerk der bestehenden Plattenbauten. „Das Volumen auf dem Dach sieht man von außen nicht“, sagt Hartmann. „Unsere wichtigste Idee war, den Altbau nicht als untergeordnet zu verstehen, sondern einen Dialog aufzuspannen zwischen Alt- und Neubau.“

„Ein tolles Lernprojekt auch für die Kinder“, sagte Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, in einem Livetalk über diesen „Bestand im Umbau“ im Herbst des vergangenen Jahres: „Das Alte wird beachtet und das Neue wird begrüßt. Wir brauchen solche Bauherren, die auch Baukultur wollen.“

Die Erweiterung wurde als aufgesetzte Holzkonstruktion realisiert, aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades konnte die Realisierung phasenweise erfolgen, heißt in einer Projektbeschreibung von Sauerbruch Hutton.

Gleichwohl regnete es zeitweise durch, erinnert sich Bauherrin Silke Friedrich, Geschäftsführerin der Berlin Metropolitan School, an die Bauarbeiten. Wasser rann die Treppenhäuser herunter, das Schreiben von Klassenarbeiten musste zeitweise durch aufgespannte Regenschirme abgesichert werden.

Die Berlin Metropolitan School hat über 1000 Schüler und rund 200 Mitarbeiter, zudem viele Gäste und Lieferanten. „Es ist immer wahnsinnig viel Betrieb“, sagt Friedrich und freut sich, dass sie drei anstrengende Jahre des Weiterbaus inzwischen fast vergessen hat.

Mit differenzierten Raumgrößen und -qualitäten wurden Orte für Gemeinschaft, Rückzug, selbstständiges Lernen und Gruppenarbeiten geschaffen – für die Oberschüler wurde sinnigerweise ein Pausenhof auf dem Dach eingerichtet. Der nachhaltige Baustoff Holz, im Inneren sichtbar belassen und nur durch eine Holzlasur verkleidet, bietet ein angenehmes Raumgefühl.  

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