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Das Gebäude der Investitionsbank Berlin (IBB) an der Bundesallee in Wilmersdorf. Foto: promo
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IBB-Beteiligungsgesellschaft Warum Investitionen in Start-ups ein "lohnendes Geschäft" sind

17 Millionen für Berliner Start-ups: Die Investitionsbank Berlin blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2018 zurück. Sorgen bereiten internationale Trends.

Die Beteiligungsgesellschaft der Investitionsbank Berlin (IBB) blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. "Wir können eine sehr erfreuliche Entwicklung zeigen", sagte der IBB-Vorstandsvorsitzende Jürgen Allerkamp bei der Vorstellung der Jahresbilanz. 2018 wurden demnach 53 Finanzierungsrunden für junge Unternehmen durchgeführt, im Vorjahr waren es 36. Es gab elf Erst-Investments mit einem Volumen von sechs Millionen Euro und 42 Folge-Investments, die zusammen elf Millionen betrugen. "Diese 17 Millionen an Investments sind für unsere Verhältnisse extrem viel", sagte Allerkamp. Die IBB rechne normalerweise mit jährlich zehn bis zwölf Millionen. "Aber es gab einfach so viele spannende Geschäftsideen."

Insgesamt sind derzeit rund 70 Unternehmen im Portfolio der IBB. Dazu gehören bekannte Start-ups wie das Sprachangebot Babbel oder das Modeunternehmen Outfittery. Dabei nimmt die landeseigene IBB eine Rolle als Türöffner für private Kapitalgeber ein. "Auf jeden Euro von uns kommen 5,40 Euro anderes Kapital", sagt Allerkamp. So flossen im vergangenen Jahr insgesamt also 107 Millionen Euro in IBB-geförderte Start-ups, 2017 lag die Summe noch bei 74 Millionen.

Und diese Investitionen zahlen sich aus, ist man bei der IBB überzeugt. So ist der Umsatz der Portfolio-Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren von 240 auf 641 Millionen Euro gewachsen. Im gleichen Zeitraum wuchs auch die Zahl der dort Beschäftigten von 2196 auf 3258.

Exits brachten sechs Millionen Euro ein

Und auch für die IBB selbst ist das Investieren in Start-ups ein "lohnendes Geschäft", wie es Marco Zeller, Geschäftsführer der IBB Beteiligungsgesellschaft, ausdrückt. In den vergangenen fünf Jahren hat die IBB ihre Anteile von 29 Unternehmen weiterverkaufen können. So wurde 2018 etwa die Beteiligung an JPK Instruments, ein Hersteller von Laborgeräten, an das Forschungsunternehmen Bruker weitergegeben. Allein im vergangenen Jahr brachten die Exits der IBB knapp sechs Millionen Euro ein.

Die IBB Beteiligungsgesellschaft unterhält zwei Fonds mit insgesamt 100 Millionen Euro, die Start-ups in der frühesten Phase unterstützen. Einer der Fonds ist für Technologie-, einer für Kreativ-Unternehmen gedacht. Es geht dabei meist um Beteiligungen im niedrigen einstelligen Millionenbereich pro Firma.

Berlin ist dabei weiterhin ein hochattraktiver Standort für Unternehmensgründungen, betont die IBB. "Es mangelte weder an guten Investitionsmöglichkeiten noch an Finanzierungspartnern, die sich bei Berliner Unternehmen engagieren wollen", sagte Zeller. In Bezug auf eine Studie der Unternehmensberatung EY, die in Paris eine höhere Dynamik festgestellt hatte als in Berlin, sagte Allerkamp: "Dass das Volumen von Venture Capital in Berlin 2018 leicht rückläufig war, ist eine Momentaufnahme." Diese Zahlen seien abhängig von einzelnen großen Finanzierungsrunden, die es eben nicht jedes Jahr gebe. Zudem sei Deutschland nun mal dezentraler organisiert als Frankreich. Auf Berlin entfallen dennoch 40 Prozent der deutschen Risikokapital-Investments und 57 Prozent des eingesetzten Kapitals.

Stellungnahme zu Checkpoint-Meldung

Sorgen bereitet Allerkamp allerdings der internationale Vergleich und die Fördermöglichkeiten in späteren Unternehmensphasen. "Insgesamt wurden 2018 rund 250 Milliarden Euro Venture Capital weltweit eingesetzt", so Allerkamp. "Auf Europa entfielen davon nur zehn Prozent." Man müsse hier aufpassen, nicht abgehängt zu werden. "Es besteht die Gefahr, dass in der vierten oder fünften Finanzierungsrunde, wenn es um dreistellige Millionenbeträge geht, nur noch Geldgeber aus nicht-europäischen Ländern bereitstehen."

Auch auf einen Bericht aus dem Tagesspiegel-Checkpoint nahm die IBB Bezug. Dort wurde thematisiert, dass die IBB mit Wunderflats ein Start-up in seinem Portfolio hat, das möblierte Wohnungen auf einer Plattform anbietet, die dem regulären Wohnungsmarkt so nicht mehr zur Verfügung stehen. "Das betrifft 0,006 Prozent der Berliner Wohnungen", sagte Allerkamp dazu. Zudem sei dieses Angebot nicht mit der üblichen Miete pro Quadratmeter zu vergleichen. Es richte sich an Menschen, die nicht die Zeit hätten, sich eine Wohnung in Berlin komplett einzurichten und auch noch nicht sicher sind, ob sie langfristig in Berlin bleiben. Es sei existenziell wichtig für Berlin, dass es auch ein solches Angebot gibt.

Zudem bewege sich die IBB bei ihren Investments fast immer innerhalb der Wirtschaftscluster, die in Berlin gestärkt werden sollen. Der Hauptantrieb sei, Arbeitsplätze und mittelständische Unternehmen in Berlin zu schaffen. Ein ausgeprägter ethischer Kompass sei dabei selbstverständlich.

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