Frank Werneke, designierter Verdi-Chef. Foto. Kai-Uwe Heinrich
p

Gewerkschafter Frank Werneke Verdi nominiert Nachfolger von Frank Bsirske

1 Kommentare

Frank Werneke soll Frank Bsirske an der Spitze der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ablösen. Der Neue gilt als ruhig und sachlich.

Der kleine Frank folgt auf den großen: Am Donnerstagnachmittag (8. November 2018) will der Gewerkschaftsrat der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi den 51-jährigen Frank Werneke zum Vorsitzenden und damit Nachfolger von Frank Bsirske (66) nominieren.

Das ist fast schon ein historischer Schnitt, denn mit Bsirske tritt nicht nur der dienstälteste deutsche Gewerkschaftschef ab, sondern auch der Gründungsvorsitzende der Multibranchen-Organisation, die 2001 durch die Fusion von fünf Gewerkschaften entstanden war: ÖTV, IG Medien, HBV (Handel, Banken, Versicherungen), Postgewerkschaft und Deutsche Angestelltengewerkschaft DAG. Mit knapp zwei Millionen Mitgliedern ist Verdi nach der IG Metall (2,3 Millionen) die größte deutsche Gewerkschaft.

Werneke verkörpert die ruhige Art wenn nicht den Stoizismus des Ostwestfalen. Poltereien oder Ruppigkeiten, zu denen der große Frank durchaus fähig ist, gehören nicht zum Repertoire des kontrollierten und überaus sachlichen Werneke, der 1967 in Schloss Holte bei Bielefeld geboren wurde. Dass Werneke überhaupt Vorsitzender werden darf, ist auch der Zeit geschuldet. Denn in den ersten Jahren nach der Fusion musste der Vorsitzende von aus den Reihen der Abstand größten Gewerkschaft, der ÖTV, kommen. Wernke, der in der IG Druck und Papier die Gewerkschaftsarbeit lernte, wäre also vor einigen Jahren noch nicht in Frage gekommen. Inzwischen spielt das keine Rolle mehr. Das Geschlecht dagegen schon – eigentlich sollte ein Frau Bsirske beerben.

Eine Frau konnte nicht gefunden werden

Monika Brandl, Betriebsratschefin bei der Telekom und Vorsitzende des Verdi-Gewerkschaftsrates, durfte sich um die Bsirske-Nachfolge kümmern und gab sich alle Mühe, eine Frau zu finden. Auch weil die Mehrheit der Mitglieder weiblich ist. Doch Andrea Kocsis, die ebenso wie Werneke als stellvertretende Vorsitzende im Vorstand der Gewerkschaft sitzt, wollte nicht.

Andere kamen nicht in Betracht, und so wird es nun Werneke, der künftig von zwei Frauen flankiert wird. Neben Kocsis ist das Christine Behle. Das passt dann wiederum auch mit Blick auf den Branchenproporz: Behle, die im Verdi-Vorstand schon seit Jahren für Verkehr zuständig ist, stammt aus der ÖTV und Kocsis aus der Postgewerkschaft.

Werneke lernte nach der Realschule Verpackungsmittelmechaniker in Bielefeld. In der Firma Graphia Hans Gundlach brachte er es zum Technischen Angestellten. Mit Beginn der Ausbildung 1983 wurde Werneke Mitglied der IG Druck und Papier, die ein paar Jahre später mit der Gewerkschaft Kunst zur IG Medien fusioniert. Werneke arbeitete als Jugendleiter, wurde Mitglied des NRW-Landesvorstands und 1993 hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär.

Von 1998 bis zur Verdi-Gründung saß er im Hauptvorstand der IG Medien; im Verdi-Vorstand übernahm er die Führung des Fachbereichs Medien, Kunst und Kultur, Druck und Papier. Später kamen noch die Verdi-Finanzen und die Mitgliederentwicklung hinzu, sodass Werneke eigentlich zwei Jobs hat. „Unheimlich fleißig“, sei der Mann, heißt es in der Gewerkschaft. Ähnlich wie Bsirske geht auch bei Werneke fast jedes Wochenende für die Gewerkschaft drauf.

Das wird so bleiben. Das SPD-Mitglied Werneke ist zwar schon ganz gut in der Berliner Politszene vernetzt, doch Bsirskes Schuhe sind groß. Ein Charismatiker ist der Ostwestfale weniger, und Bsirskes Politologensprache hat er auch nicht drauf. Aber Wernke ist strukturiert und inzwischen auch erfahren und kontrolliert sowieso. Der Spaß am Zocken, der mit dem großen Kommunikator Bsirske bisweilen durchging und auch im eigenen DGB-Lager für Irritationen sorgte, ist im fremd. Grundsolide und ehrlich, vielleicht ein bisschen kühl. Auf dem Bundeskongress der Verdi im Herbst kommenden Jahres in Leipzig wird Werneke wohl gewählt werden.

Zur Startseite