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Ein schöner Termin für den neuen Gasag-Chef Georg Friedrichs (re.): Ende Mai feierte er mit dem Regierenden Bürgermeister die Meisterschaft der Eisbären, die von der Gasag gesponsort werden. Foto: imago images/Future Image
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Gasag auf Klimakurs Neuer Chef stellt sein Programm vor

Vom Strom zu Gas: Der langjährige Vattenfall-Manager Georg Friedrichs will die Gasag klimaneutral machen. Wie auch immer.

Mit der Umstellung von fossilen Energieunternehmen auf klimaneutrale Produkte kennt Georg Friedrichs sich aus. Der 52-jährige arbeitete 20 Jahre für Vattenfall und hat dabei unter anderem den Kohleausstieg betreut. Von der Kohle zum Gas: Seit April ist Friedrichs Chef der Gasag, und am Freitag stellte der Neue nicht nur die Jahresbilanz 2020 vor, sondern gab auch Hinweise auf den künftigen Kurs des 175 Jahre alten Berliner Unternehmens. „Wir werden Nachhaltigkeit zu unserem Kompass machen“, kündigte Friedrichs an. Wie das genau passieren wird, ist eine offene Frage.

Der Gasag-Chef nannte es eine „monströse Aufgabe“, die Berliner Haushalte, die derzeit von der Gasag mit Wärme versorgt werden, auf eine CO2-freie Zukunft umzustellen. Das könne mit Hilfe von grünem Gas aus Wasserstoff gelingen, wozu dann große Teile des 14 000 Kilometer langen Gasnetzes weiterhin zu nutzen wären. Oder aber auch durch eine ausschließlich elektrische Versorgung auf Basis erneuerbarer Energien. „Was sich durchsetzt, ist offen“, sagte Friedrichs. Er persönlich favorisiere Geothermie, doch die natürlichen Potenziale dafür seien in Berlin geringer als etwa in München. Die Gasag mit ihren knapp 1700 Mitarbeitern und 800 000 Kunden stehe vor großen Herausforderung, denn bislang stamme erst fünf Prozent der Wärme aus erneuerbaren Quellen. „Wir stellen uns ab sofort auf eine CO2-freie Zukunft ein“, sagte Friedrichs.

Überraschender Führungswechsel im März

Der Vattenfall-Manager war im März überraschend zum Nachfolger von Gerhard Holtmeier bestellt worden. Holtmeier wiederum kam 2018 Stadtwerkeverbund Thüga zur Gasag, wo er Vera Gäde-Butzlaff ablöste, die sich in den Ruhestand verabschiedete. Damals war auch Friedrichs bereits ein Kandidat für den Spitzenposten, doch der Aufsichtsrat entschied sich für Holtmeier. Wenige Jahre später revidierten die Gasag-Eigentümer Eon, Vattenfall und Engie diese Entscheidung. Der in der Belegschaft sehr beliebte Holtmeier sei ihnen zu eigensinnig gewesen, hieß es im Aufsichtsrat. Auch mit der Umsetzung des so genannten Transformationsprogramms „Gasag 2025“ waren die Konzerne nicht zufrieden, sodass sie Holtmeier, der bis 2023 Vertrag hatte, vorzeitig durch Friedrichs ersetzten.

Schick in Schöneberg: Das neue Gasag-Quartier auf dem Euref-Campus. Foto: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Schick in Schöneberg: Das neue Gasag-Quartier auf dem Euref-Campus. © Kitty Kleist-Heinrich

Der Bankkaufmann und Jurist begann den neuen Job in einem neuen Gebäude: Im Frühjahr zog die Gasag vom Hackeschen Markt auf den Euref-Campus nach Schöneberg, wo auch die Netztochter im Herbst ein ebenfalls neues Gebäude bezieht. Friedrichs nutzte seinen ersten größeren Auftritt am Freitag zu einem Appell in Richtung Politik. Er habe die „große Bitte“, dass künftig die Partnerschaft zwischen Unternehmen und Senat „anders gelebt“ werde.

Konzessionsstreit zieht sich über Jahre

Hintergrund ist der jahrelange Konzessionsstreit, der Anfang März spektakulär vom Bundesgerichtshof entschieden worden war: Das Land Berlin wurde verurteilt, die ursprüngliche Vergabeentscheidung für den Betrieb des Gasnetzes zugunsten der landeseigenen Berlin Energie zurückzunehmen und die Konzession erneut der Gasag zu erteilen. Allerdings läuft die Konzession Ende 2024 schon wieder aus, und Friedrichs befürchtet erneut einen mindestens fünfjährigen Rechtsstreit, den sich das Unternehmen aber angesichts der Herausforderungen des Klimaschutzes nicht leisten könne.

Der Senat will die Gasag kaufen

Das Problem wäre mit einem Schlag gelöst, wenn das Land Berlin mehr als 20 Jahre nach der Privatisierung die Gasag zurückkaufen würde. Eon, Vattenfall und Engie sind nicht abgeneigt - wenn der Preis stimmt. Vattenfall hat bereits das Stromnetz für 2,14 Milliarden Euro an Berlin verkauft. Ob es zu einer Rekommunalisierung der Gasag kommt, entscheidet sich voraussichtlich erst in der nächsten Legislaturperiode.

Der Gaspreis "bleibt stabil"

Das vergangene Geschäftjahr lief so einigermaßen für die Gasag. 2020 war das zweitwärmste Jahr seit 1881, deshalb wurde weniger Gas zum Heizen verkauft. Der Gesamtumsatz fiel leicht auf 1,22 Milliarden Euro, davon trug das Gasgeschäft 722 Millionen (Vorjahr: 777 Millionen) und der Stromabsatz 270 (248) Millionen Euro bei. Der Jahresüberschuss klettert immerhin von 32 auf 39 Millionen Euro. In diesem Jahr erwartet der Vorstand einen „starken Anstieg“ des Profits, weil es in den ersten fünf Monaten deutlich kälter war als 2020 und weil das Programm „Gasag 2025“, das 2018 aufgelegt wurde und auch einen Personalabbau beinhaltet, bis Dezember umgesetzt sein soll.

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Der Gaspreis „bleibt weiter stabil“, hieß es am Freitag. Preissenkungen sind aber auch nicht in Sicht. Die CO2-Bepreisung fossiler Brennstoffe wird in den nächsten Jahren hochgefahren. Klimaneutralität kostet Geld - und das muss der Kunde zahlen. „Wir werden nur noch das investieren, was zukunftsfähig ist“, sagt Gasag-Chef Friedrichs. Denn mit Rohren könne die Gasag umgehen. Ob da grünes Gas oder grüner Strom durchfließt, werde die Zukunft zeigen.

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