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Flugverkehr nach Berlin Die Chinesen würden gerne öfters in Tegel landen

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Fluggesellschaften wie Hainan Airlines würden gern öfter in Tegel landen. Doch das bilaterale Luftverkehrsabkommen verhindert eine Expansion.

Nach Emirates aus Dubai fordern auch chinesische Fluggesellschaften angesichts des beständig wachsenden Verkehrsaufkommens zwischen den beiden Ländern mehr Landerechte in Deutschland. Die bestehenden Kapazitäten würden nicht ausreichen, sagen Vertreter der südchinesischen Hainan Airlines anlässlich des zehnjährigen Bestehens ihrer Strecke zwischen Peking und Berlin-Tegel. Indessen fungiert der zum Air-Berlin-Nachfolger gewordene Billigflieger Easyjet künftig als europaweiter Zubringer für die im Juni gestarteten Flüge der Singapore-Airlines-Tochter Scoot von Tegel nach Singapur.

Inzwischen werden aufgrund der bestehenden Restriktionen bereits Verkehre an Deutschland vorbeigeleitet, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup dem Tagesspiegel am Rande der Veranstaltung am Mittwoch. So müssten chinesische Berlin-Touristen zum Teil in Prag landen, um von dort aus per Bus weiter in die deutsche Hauptstadt transportiert zu werden. Denn die 55 wöchentlichen Flüge, die chinesische Airlines derzeit nach Deutschland betreiben dürfen, sind ausgereizt. Gut zwei Drittel davon hat sich Air China gesichert, die mit Lufthansa kooperiert und vornehmlich deren Drehkreuze Frankfurt am Main und München bedient. Da bleibt für chinesische Konkurrenten wie Hainan, China Southern oder China Eastern gerade einmal ein gutes Dutzend Flüge übrig.

Peking-Route gerne täglich bedienen

Hainan Airlines gehören zur chinesischen HNA-Gruppe, die im vergangenen Jahr auch die Anteilsmehrheit am Flughafen Hahn im Hunsrück übernommen hat. Sie haben die Auslastung der 2008 aufgenommenen Berlin-Flüge von anfangs 60 auf solide 80 Prozent steigern können und liegen weiter im Aufwärtstrend, sagte Marketing-Direktor Zhiwei Shi. Kamen anfangs 80 Prozent der bisher rund 700 000 auf dieser inzwischen fünfmal wöchentlich bedienten Strecke beförderten Passagiere aus China, machen inzwischen gut ein Drittel der Reisenden Touristen sowie Geschäftsleute aus Deutschland aus, die sich in der Volksrepublik engagieren. Ein weiteres Zeichen der Bedeutung der Flüge für die Förderung der Wirtschaftsbeziehungen sei der kontinuierlich steigende Anteil der chinesischen Unternehmer, die nach Deutschland reisen, um hier zu investieren.

Mit Im- und Exporten im Gesamtwert von 186,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ist China der wichtigste Handelspartner Deutschlands. In dem Jahrzehnt seit Aufnahme der Berlin-Flüge hat sich das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern verdoppelt, erklärte der Gesandte der Volksrepublik in Deutschland, Botschaftsrat Xu Yongquan. Er unterstrich das Potenzial für weitere Flüge von Berlin nach Peking und in andere Metropolen wie Shanghai sowie den Anflug von anderen deutschen Städten.

Hainan würde die Peking-Route gerne täglich bedienen, auch an Flügen nach Shanghai und Shenzen besteht Interesse, ebenso an Verbindungen aus China nach Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart. Bekanntlich bemüht sich auch Emirates aus den Arabischen Emiraten seit Jahren um zusätzliche Verkehrsrechte in Deutschland und will auch Berlin und Stuttgart anfliegen. Gegen diese zusätzliche Konkurrenz hat die Lufthansa bisher erfolgreich interveniert. Sie verweist auf ungleiche Wettbewerbsbedingungen, während Emirates die Unterstellung staatlicher Förderung stets vehement zurückweist.

Neue Verbindungen nach Wien und Zürich

„Für unsere chinesischen Freunde war es selbstverständlich, dass die Hauptstädte von zwei so wichtigen Ländern miteinander verbunden werden“, sagte VisitBerlin-Chef Burkhard Kieker. Mit rund 300 Millionen reisefreundlichen Mittelständlern sei China „einer unserer wichtigsten Märkte“. So betreiben die Tourismus-Werber in China eine eigene Website sowie eigene Accounts in den sozialen Medien. Ferner kooperiert man mit dem dort größten Reiseveranstalter C- Trip. Als dieser eine Berlin-Empfehlung als Tipp der Woche auf gut 100 Millionen Handys schickte habe sich eine ganze Welle von Chinesen auf den Weg gemacht. Im vergangenen Jahr buchten 130 000 Gäste aus China rund 310 000 Übernachtungen in Berlin. Das sei „ganz wesentlich“ den Hainan-Flügen zu verdanken, so Kieker. „Hier gibt es noch viel Raum nach oben.“

„Wir wünschen uns, dass diese Erfolgsgeschichte weitergeschrieben wird“, sagte Lütke Daldrup. Es sei Aufgabe der Bundesregierung, in bilateralen Gesprächen das Bedürfnis nach mehr Konnektivität zwischen den beiden Ländern zu befördern. „Wir als Flughafen unterstützen das nachdrücklich. Ich gehe davon aus, dass wir im nächsten Jahr Ergebnisse sehen werden.“

Vorerst konzentriert sich Hainan angesichts der Restriktionen in Deutschland auf neue Verbindungen nach Wien und Zürich. Dort hätten chinesische Reiseveranstalter bereits rund 70 Prozent der Kapazitäten fest gebucht, sagten die Chinesen. Indessen droht Berlin aufgrund der zögerlichen Bundespolitik wieder einmal ins Abseits zu geraten. Konzentrierte Hainan seine Europa-Aktivitäten ursprünglich auf die Bundeshauptstadt, steht jetzt Brüssel im Fokus. Denn dort kann man ohne Restriktionen zu drei Städten in China starten.

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