Uber hat den Sprung an die New Yorker Börse gewagt. Foto: AFP/Josh Edelson
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Erst Uber, dann andere Start-Ups Welche Einhörner sonst noch an die Börse drängen

Zahlreiche milliardenschwere Start-ups wie Uber gehen an die Börse und feiern dort Erfolge. Darunter könnte auch das nächste Google sein.

Immer mehr Einhörner gehen an die Börse. Nach dem Fahrdienst Lyft, der Foto-App Pinterest, dem Fleischersatz-Unternehmen Beyond Meat und dem Video-Dienst Zoom wagt nun mit mit Uber das bisher wertvollste milliardenschwere Start-up – die sogenannten Einhörner – den Weg an die Börse. Am Freitag wird Uber mit einer Gesamtbewertung von wahrscheinlich mehr als 90 Milliarden Dollar unter die Anleger gebracht – und dies, obwohl das Unternehmen zwischen März 2018 und März 2019 wohl ein Minus von 3,7 Milliarden Dollar eingefahren hat.

Ende März war bereits Konkurrent Lyft, der bisher nur in den USA und in Kanada aktiv ist, an den Markt gegangen. Die Bewertung lag bei gut 20 Milliarden Dollar. Ähnlich wie der Konkurrent, steckt Lyft tief in den roten Zahlen: Im ersten Quartalsbericht nach dem Börsengang musste Lyft gerade ein Minus von 1,1 Milliarden Dollar melden. Die Aktionäre rümpften die Nase: seit dem Börsengang liegt die Aktie knapp 25 Prozent im Minus. Dass hochbewertete und gehypte Unternehmen zunächst zu Tauchgängen neigen, hatten 2012 auch die Neuaktionäre von Facebook erfahren müssen. Die Aktie war nach dem Börsengang erst einmal 50 Prozent in die Knie gegangen. Inzwischen haben Erstzeichner ihre Investition aber mehr als versechsfacht.

Bei Pinterest und Lyft waren die Börsengänge erfolgreich

Besser gelaufen ist es für die Erstkäufer von Pinterest: Die schnell wachsende Foto-Plattform mit aktuell rund 300 Millionen Nutzern startete Mitte April mit einer Erstnotiz von 23,73 Dollar je Aktie. Das war deutlich über dem Ausgabepreis von 19 Dollar oder zehn Milliarden Dollar Gesamtbewertung. Inzwischen haben die Pinterest-Pioniere ein Plus von 51 Prozent in der Tasche – obwohl das Unternehmen weiter tief in den roten Zahlen steckt.

Der Videokommunikations-Dienst Zoom hingegen, seit Gründonnerstag am Markt, ist bereits profitabel. Wie Lyft hatte Zoom kurzfristig den Aktienpreis beim Börse erhöht und die Erstbewertung damit auf gut neun Milliarden Dollar getrieben. Die Anleger griffen dennoch beherzt zu. Auch die Käufer von Beyond Meat können zufrieden sein: Gemessen am Ausgabepreis hat sich die Aktie des Veggie-Burger-Braters binnen weniger Tage mehr als verdreifacht.

343 Start-ups sind bereits über eine Milliarde Dollar wert

Und zahlreiche andere Unternehmen könnten noch folgen. Weltweit gibt es 343 solcher Start-ups mit mehr als einer Milliarde Firmenwert. Zusammen sollen sie etwa 1,2 Billionen Dollar wert sein. Bereit für den Börsengang oder zumindest daran interessiert sind auch Firmen wie Slack, WeWork, Palantir, Epic Games, SpaceX oder der Zimmervermittler Airbnb, die im späteren Jahresverlauf an die Börse gehen wollen.

Airbnb, inzwischen von der Schlafplatzbörse zum Tourismuskonzern mit einer Bewertung von mehr als 30 Milliarden Dollar mutiert, hat etwa 150 Millionen Unterkünfte im Angebot und ist dem Vernehmen nach bereits in der Gewinnzone. Auch Palantir, ein Spezialist für die Analyse großer Datenmengen, der auch die CIA und das FBI zu seinen Kunden zählt, könnte später im Jahr den Sprung an die Börse wagen. Das von Paypal-Pionier Peter Thiel gegründete Big-Data-Unternehmen geizt noch mit Firmenzahlen, wird aber auf einen Wert zwischen 20 und 40 Milliarden Dollar geschätzt.

Anleger sind auf der Suche nach dem nächsten Google

Auch in China sind Einhörner auf dem Weg an die Börse, etwa Bytedance, Muttergesellschaft der Teenie-Video-App Tiktok mit vier Millionen Nutzern in Deutschland und einer halben Milliarde weltweit. Der hierzulande eher unbekannte App-Champion könnte an der Börse mehr als 70 Milliarden Dollar wert sein.

Ob unter den Einhörnern ein künftiges Facebook, Google oder Amazon sein wird oder sich die Start-ups mehrheitlich eher wie die Aktie von Snap entwickeln, ist nach Ansicht vieler Analysten völlig offen. Die Snap-Aktie hatte vor zwei Jahren ein furioses Börsendebut mit einer Bewertung von 34 Milliarden. Dollar hingelegt, war von 17 auf 28 Dollar gestiegen, um bis heute allerdings wieder auf elf zu fallen. Analysten geben auch zu bedenken, dass viele Unternehmen nun noch den letzten Schub einer Aktienhausse mitnehmen könnten, um an die Börse zu kommen – und dass schwächere Märkte dann auch viele sehr hohe Bewertungen korrigieren könnten. Umgekehrt sei es aber ebenso wahrscheinlich, dass unter den Hunderten Einhörnern ein Unternehmen sein könnte, das bald die Dimensionen von Google hat.

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