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Rübbelberg ist nur ein Beispiel für Start-ups, die dem Eierlikör ein neues Image verleihen wollen. Kai-Uwe Heinrich
© Kai-Uwe Heinrich

Erst Gin, jetzt Eierlikör? Wie Start-ups dem Kaffeekränzchen-Getränk zu einem neuem Image verhelfen wollen

Vivien Götz

Ist Eierlikör das neue Trendgetränk? Manch ein Gründer ist davon überzeugt und setzt große Hoffnung in das Geschäft. Der Markt sagt aber etwas anderes.

Sie heißen „Rübbelberg“, Klötenköm“ oder „Der Likör“ und kommen in Flaschen daher, die genauso modern und individuell sein sollen, wie die Produktnamen. Die Rede ist von Eierlikören, um die zumindest in der Start-up-Szene ein kleiner Hype entbrannt zu sein scheint. Immer mehr neue Marken versuchen, dem traditionelle Kaffeekränzchen-Getränk ein cooleres Image zu verpassen.

Der Trend geht zum hochwertigen Produkt, meistens biologisch und oft mit individuellem Ansatz veredelt. Ein ähnlicher Trend zur Vermarktung lokaler, hyper-individueller Produkte erfasste zuletzt das Gin-Angebot. Ist Eierlikör also das nächste Trendgetränk?

„Bei gut sortierten Supermärkten steht längst nicht mehr nur der Marktführer Verpoorten im Regal“, sagt Richard Dührkohp, der in Hamburg gerade eine eigene Bar eröffnet. Weil die auf Grund der Pandemie noch nicht öffnen darf, setzt er aktuell auf den Straßenverkauf von Kaffee und eigenem Eierlikör. Das passe natürlich in die Osterzeit, sagt Dührkohp, aber die Nachfrage sei groß und der Eierlikör soll das ganze Jahr fester Bestandteil des Eigensortiments werden.

Die Zahlen sagen etwas anderes

Trinken die Deutschen also plötzlich mehr Eierlikör? Die Zahlen sprechen dagegen, denn der Absatz der süßen Spirituose ist laut Statista in den letzten Jahren weitgehend stabil geblieben. Auch Maren Mayer, Geschäftsführerin der deutschen Barkeeper Union, sieht keine Trendwende beim Eierlikör. „Ich habe vor 26 Jahren hinter der Bar angefangen, da hatten wir einen Drink mit Eierlikör auf der Karte", sagt sie. Das habe sich seitdem nicht wesentlich geändert. Ob Eierlikör die gleiche Entwicklung bevorsteht, wie dem Gin? Maren Mayer ist skeptisch: „Im Gegensatz zu Gin ist Eierlikör keine Basisspirituose und längst nicht so vielseitig einsetzbar."

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Wahrscheinlicher ist, dass ein Trend, der die Alkoholbranche schon länger beschäftigt, inzwischen auch den Markt für Eierlikör aufmischt: „Premiumisierung“ lautet das Stichwort. Gemeint ist die steigende Nachfrage nach Nischenprodukten, die durch Preis und Aufmachung das Gefühl von Individualität und Luxus vermitteln. Schon 2016 bestätigte das Markforschungsinstitut ISWR, dass dieser Trend in der Getränkebranche zunimmt und das Angebot nachhaltig verändert.

Norddeutschland ist Eierlikör-Gebiet

Was den Trend vermutlich noch verstärkt: Die Herstellung neuer, individueller Produkte ist sowohl bei Gin als auch bei Eierlikör vergleichsweise einfach. Whisky oder Cognac müssen jahrelang reifen, um individuelle Charaktere herauszubilden. Bei Gin und Eierlikör ist der Zeithorizont dagegen sehr viel kürzer. Gleichzeitig bieten beide Getränke viel Spielraum für Experimente. Eierlikör gibt es inzwischen nicht mehr nur klassisch auf Korn-Basis, sondern auch mit Rum oder Gin, gerne veredelt mit Gewürzen wie Mokka oder Vanille.

Die Eierlikör-Start-Ups ähneln sich nicht nur in ihrem Ansatz, sondern produzieren auch fast ausschließlich in Norddeutschland. Die Marke Spitzmund hat ihrem Produkt die lokale Identität sogar auf die Falsche geschrieben: „Klötenköm“ ist der plattdeutsche Name für Eierlikör. „Ich weiß nicht, warum das hier so präsent ist, aber es überrascht mich nicht“, sagt Richard Dührkohp. „Ich verbinde Eierlikör auch nicht mit dem Süden. Da fällt mir eher Wein und Weißbier ein“, sagt der Barkeeper, der selbst aus Hamburg stammt.

Gegründet werden die Eierlikör-Start-ups übrigens fast ausschließlich von Männern. In der männerdominierten Start-up-Szene ist das nur deshalb eine Überraschung, weil Eierlikör überwiegend von Frauen gekauft wird. Die Kundschaft von Marktführer Verpoorten ist beispielsweise zu 80 Prozent weiblich, wie das Branchenmagazin „Lebensmittelzeitung“ schreibt. Wenn es die Start-Ups schaffen, mehr Männer für Eierlikör zu begeistern, dann wäre das alos tatsächlich eine kleine Trendwende.

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