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Obst und Gemüse wurden im Lockdown beliebter, Fleisch hingegen unbeliebter. Wolfgang Kumm/dpa
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Ernährungsgewohnheiten verändern sich Zahl der Vegetarier und Veganer hat sich in der Coronakrise verdoppelt

Ihr Anteil bleibt mit zehn beziehungsweise zwei Prozent zwar gering. Der diesjährige Ernährungsreport zeigt aber einen eindeutigen Trend.

Beim Thema Ernährung hat Julia Klöckner (CDU) eine klare Agenda. Es soll einfach sein, sich gesund zu ernähren, umschrieb die Bundesernährungsministerin ihr Ziel anlässlich des Ernährungsreports 2021, den sie am Mittwoch in Berlin vorstellte. Dass weniger Zucker und Salz in Fertigprodukten verwendet wird, hat sie sich ebenfalls ins Programm geschrieben.

Kein Wunder, dass sie die Ergebnisse der jährlichen Umfrage für sich so interpretiert: „Die Studien-Ergebnisse zeigen, dass wir Rahmenbedingungen richtig setzen und das Ziel erreichen.“ Stimmt das?

Trotz aller politischen Bemühungen bleibt das Wichtigste beim Essen der Geschmack. Das sagen jedenfalls 99 Prozent der Befragten. Allerdings achten demnach tatsächlich auch 91 Prozent darauf, dass das Essen gesund ist. Eine einfache und schnelle Zubereitung ist den Ergebnissen zufolge für gut die Hälfte wichtig.

Acht Prozent kochen nie

Auch wenn gut drei Viertel der Befragten angeben, gerne zu kochen, tut das nur gut die Hälfte fast täglich. 30 Prozent stehen zwei bis drei Mal pro Woche am Herd, acht Prozent geben sogar an, nie zu kochen. Hier schließt sich die Frage nach Lieferdiensten an, die ja in der Coronakrise zu den boomenden Firmen gehörten. Den Massenmarkt haben sie den Daten zufolge aber wohl noch nicht erschlossen: In den vergangenen zwölf Monaten haben sich nur 13 Prozent der Befragten Lebensmittel oder Getränke nach Hause liefern lassen – viele davon wohl zum ersten Mal. Denn im vergangenen Jahr sagten noch 42 Prozent der Befragten, sie hätten noch nie Lebensmittellieferdienste genutzt; in der aktuellen Umfrage sind es nur noch 33 Prozent.

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Was beim Thema Ernährung traditionell die Gemüter erhitzt, ist die Frage nach dem Fleisch. Zwar ernähren sich nur zehn Prozent der Befragten vegetarisch. Doch der Wert liegt doppelt so hoch wie noch vor Jahresfrist. Gleiches gilt für den Anteil von Veganern. Er stieg von ein auf zwei Prozent. Besonders unter jüngeren Konsumenten und in größeren Städten sind Alternativprodukte beliebt.

Das Marketing dafür geht offenbar auf. Als Kaufgrund geben 71 Prozent der Befragten Neugier an. Für 59 Prozent ist das Tierwohl ausschlaggebend und gut die Hälfte schätzt die fleischlosen Produkte wegen der Klimawirkung und ihres Geschmacks. Der Fleischkonsum ging insgesamt leicht zurück. 26 Prozent der Befragten essen täglich Fleisch, gegenüber 2015 ist das ein Rückgang um acht Prozentpunkte.

Wichtig ist den Menschen auch die Herkunft ihrer Lebensmittel. Regionale Herkunft spielt für 82 Prozent der Befragten eine wichtige Rolle beim Einkauf. Insbesondere gilt das für Eier, Gemüse und Obst sowie für Brot- und Backwaren. Aus Klöckners Sicht spielen hier Siegel eine große Rolle. „Besonders hervorzuheben ist zudem, dass 83 Prozent der Befragten in die Sicherheit der Lebensmittel in Deutschland vertrauen“, sagt die Ministerin dazu. „Die Verbraucher wollen wissen, wie Tiere gehalten worden sind.“ Viele Menschen seien auch bereit, mehr für das Tierwohl und faire Produktionsbedingungen zu bezahlen. Auf das Biosiegel achten beim Einkauf demnach 64 Prozent der Befragten, 57 Prozent achten auf das „Fair-Trade“-Siegel.

Greenpeace kritisiert mangelnde Vorschriften bei der Kennzeichnung

Doch die Kennzeichnung von Lebensmitteln geht nicht allen weit genug. „Die Verbraucher*innen wünschen sich eine deutlich bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln“, meint Greenpeace-Agrarexpertin Stephanie Töwe. „Ernährungsministerin Julia Klöckner hat jedoch während ihrer gesamten Amtszeit darauf gesetzt, dass der Markt es schon regeln wird.“

Nach wie vor fehle eine klare, gesetzlich verpflichtende Haltungskennzeichnung für Fleisch, so die Aktivistin. Das sei das „beste Beispiel für Klöckners Scheitern“. So werde etwa an der Theke Fleisch nur selten gekennzeichnet.

Bei der Frage nach Zucker und Fettgehalt in Fertiglebensmitteln kommt der Ernährungsreport, für den das Meinungsforschungsinstitut Forsa rund 1000 Personen ab 14 Jahren telefonisch befragt hat, zupass. So fänden es 83 Prozent in Ordnung, wenn Fertigprodukte etwas weniger süß schmecken, wenn sie dafür auch weniger Zucker enthielten. Auch die Kalorien achten dabei indes immer weniger Menschen. 2015 war es noch für insgesamt 44 Prozent der Befragten wichtig, dass Mahlzeiten kalorienarm sind; heute sind es noch 35 Prozent.

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