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Auch die schwache Landeswährung Lira sorgt in der Türkei seit längerem für erheblichen Preisauftrieb. Foto: Can Merey/dpa
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Erdogan gegen Zinsanhebungen Inflation in der Türkei steigt auf knapp 70 Prozent

Die Verbraucherpreise in der Türkei sind im April so stark gestiegen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die Gründe sind vielfach.

In der Türkei zieht die Inflation auf sehr hohem Niveau weiter an. Im April stiegen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um knapp 70 Prozent, wie das Statistikamt am Donnerstag in Ankara bekanntgab.

Im März hatte die Inflationsrate bei rund 61 Prozent gelegen. Zum Vergleich: Die deutsche Inflationsrate lag im April bei 7,4 Prozent, was der höchsten Stand seit 1981 ist. Auf Monatssicht stiegen die Verbraucherpreise in der Türkei im April um 7,25 Prozent.

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Wie erheblich der Preisdruck auf vorgelagerten Wirtschaftsstufen ist, zeigen die Erzeugerpreise. Sie stiegen im April um gut 121 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nach knapp 115 Prozent im März. Die Erzeugerpreise liegen also mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Die Herstellerpreise beeinflussen die Lebenshaltungskosten der Verbraucher in der Regel mittelbar und mit Zeitverzug.

Schwache Währung, niedrige Zinsen, Ukraine-Krieg: Diese Faktoren beeinflussen die Inflation

Die Inflationsrate in der Türkei wird durch mehrere Faktoren getrieben. Seit längerem sorgt die schwache Landeswährung Lira für erheblichen Preisauftrieb, da in die Türkei importierte Güter dadurch verteuert werden. Hinzu kommen erhebliche Probleme in den internationalen Lieferketten, die etwa Vorprodukte teurer werden lassen.

Auch steigen die Preise vieler Rohstoffe, nicht zuletzt wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine. Die Preise im türkischen Transportsektor - zu dem etwa Benzin gerechnet wird - zogen mit 105,9 Prozent besonders stark an.

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Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die Inflation aufgrund des Ukraine-Kriegs noch bis Ende 2022 außergewöhnlich hoch bleiben wird: Von Reuters befragte Ökonomen rechnen im Jahresschnitt mit einer Teuerungsrate von 52 Prozent.

Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan Foto: REUTERS/Valentyn Ogirenko/File Photo Vergrößern
Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan © REUTERS/Valentyn Ogirenko/File Photo

Sie geben der Talfahrt der Lira eine Mitschuld daran. Diese wurde ausgelöst durch Zinssenkungen der Notenbank, durch die die Landeswährung für Investoren unattraktiver wurde. Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnet sich selbst als „Zinsfeind“. Er will mit niedrigen Zinsen die Konjunktur anschieben.

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Die Regierung hat erklärt, dass die Inflation im Rahmen ihres neuen Wirtschaftsprogramms zurückgehen wird. Dieses sieht niedrige Zinssätze zur Ankurbelung von Produktion und Exporten vor.

Die Zentralbank hat ihren Leitzins in bislang vier Sitzungen in diesem Jahr stabil bei 14 Prozent gehalten. Dabei müsste sie nach Einschätzung der meisten Ökonomen die Zinssätze anheben, um die Währung attraktiver machen.

Die Lira hat im vergangenen Jahr 44 Prozent ihres Wertes zum Dollar eingebüßt. Die Notenbank geht davon aus, dass der Höhepunkt des Preisauftriebs im Juni erreicht wird. Einstellige Inflationsraten erwartet sie erst 2024. (dpa, Reuters)

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