Anlässlich der Vorstellung des Easyjet-Sommerflugplans 2018 steht ein Easyjet-Airbus A320-214 mit einer "Berlin-Lackierung" auf dem Flughafen Tegel. Foto: dpa
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Easyjet in Berlin Deutsche Hauptstadt als britisches Drehkreuz

Rainer W. During
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Easyjet baut den Flugverkehr in Berlin aus und macht die Hauptstadt zum firmeneigenen Drehkreuz. Die Briten wollen in diesem Jahr 5,6 Millionen Reisende von und nach Berlin befördern.

Den Airbus, der am Dienstag in Tegel von der Flughafenfeuerwehr mit Wasserfontänen begrüßt wurde, ziert der Berliner Bär im Orange von Easyjet und – grau auf schwarz – der Schriftzug Berlin. Zum Beginn des Sommerflugplans gab der britische Low-Cost-Carrier bekannt, dass er nach der Übernahme von Teilen der Air Berlin sein Engagement in der Hauptstadt weiter ausweiten wird: „Wir wollen der Homecarrier der Berliner werden“, erklärte der neue Easyjet-Chef Johan Lundgren.

Das innerdeutsche Streckennetz ab Tegel wird nach Düsseldorf, Frankfurt, München und Stuttgart auf Köln/Bonn ausgedehnt. Als neue Destinationen von Berlin aus wurden Aarhus, Alghero, Bari, Olbia und Prag angekündigt, die Flüge nach Edinburgh, London-Gatwick und Paris- Orly werden von Schönefeld nach Tegel verlegt. Von den beiden Berliner Flughäfen wird Easyjet mehr als 100 Strecken bedienen – „ein Sommerflugplan, der fast keine Wünsche offen lässt“, freute sich Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller sprach sogar von einem „Meilenstein für die Stadt und den Wirtschaftsstandort“. Man sei außerordentlich dankbar für das Engagement der Easyjet, die sich bewusst für Berlin entschieden habe. „Wir haben Easyjet von Anfang an als verlässlichen Partner empfunden“, betonte der Brandenburger Flughafenkoordinator und Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft, Rainer Bretschneider – und wünschte sich: „Wir wollen mehr denn je angeschlossen werden an den internationalen Luftverkehr.“

Nachdem Easyjet im vergangenen Jahr rund 3,5 Millionen Berlin-Passagiere beförderte, soll das Volumen in diesem Jahr um mehr als 60 Prozent auf 5,6 Millionen Reisende steigen. Das Angebot dafür umfasst in diesem Sommer mehr als 16 Millionen Sitze. Damit ist Easyjet die größte Fluggesellschaft in Berlin. Und der Flughafen Tegel geht damit noch einmal neuen Passagierrekorden entgegen – auch wenn der Senat am Dienstag dem Abgeordnetenhaus ungeachtet des gegenteiligen Bürgerbegehrens dessen endgültige Schließung empfohlen hat.

Tegel wird zum Umsteigeflughafen für Easyjet

Rund 140 ehemalige Mitarbeiter von Air Berlin sind bereits bei Easyjet integriert worden, sagte Lundgren. Er würdigte das Engagement und den Enthusiasmus dieser Piloten und Flugbegleiter. Weitere 100 Mitarbeiter würden noch auf eine Übernahme warten. Bei der Fluggesellschaft stehe der Mensch im Fokus, erklärte der neue Chef, der seinen Posten im vergangenen November antrat. „Deshalb haben wir auch von Anbeginn die Gewerkschaften anerkannt.“

Gleichzeitig wird Tegel einer von sieben weiteren Flughafen innerhalb des „Worldwide by easyJet“-Netzwerks, an dessen Airports auch Umsteigeverbindungen zur Buchung zur Verfügung stehen. Dabei setzt man auch auf die Zusammenarbeit mit Partnergesellschaften wie Norwegian und Thomas Cook Airlines UK, mit denen zusammen auch Langstrecken angeboten werden. Mit welchen Airlines in Tegel kooperiert werden soll, soll zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden. Denkbar wären etwa der asiatische Billigflieger Scoot, der ab Juni Tegel mit Singapur verbindet, und die bisher in Schönefeld tätige Norwegian, die dem Vernehmen nach auch mit Langstreckenflügen ab Berlin liebäugelt.

Mit visitBerlin hat Easyjet eine strategische Partnerschaft geschlossen; das ist die erste solche Kooperation der Fremdenverkehrswerber mit einer Luftverkehrsgesellschaft überhaupt. Gemeinsam will man den Berlin-Tourismus europaweit fördern. Gleichzeitig wird die Fluggesellschaft an Bord ihrer Maschinen die Berlin Welcome Card verkaufen. Fünf Millionen Euro hat Easyjet bereits in eine Werbekampagne für das neue Angebot ab Tegel investiert.

Lundgren bezifferte das Investment für das Berlin-Engagement auf rund 200 Millionen Pfund. Rund 40 Millionen hat man für die übernommenen Teile von Air Berlin gezahlt. Etwa 100 Millionen kostet der Auf- und Ausbau des operativen Geschäfts in Tegel und mit rund 60 Millionen Verlust wird der Betrieb mit zum Großteil geleasten Maschinen im ersten Jahr die Bilanz belasten. Bis November sollen die derzeit von Condor, WDL und der lettischen Smart Lynx hinzugemieteten Flugzeuge komplett durch eigene Jets ersetzt sein.

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