Der fast 80 Meter hohe Gasometer in Berlin-Schöneberg wird für die Bahn zugebaut. Foto: imago images/POP-EYE
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Digitale Schiene aus Schöneberg Die Bahn zieht in den Gasometer

Das Digitalgeschäft der Bahn wird künftig mit 1700 Arbeitskräften aus einem Industriedenkmal gesteuert.

Die Deutsche Bahn konzentriert ihr Digitalgeschäft in einem Industriedenkmal. Voraussichtlich Mitte 2023 ziehen die Konzernfunktionen der „digitalen Schiene“ mit 1700 Arbeitskräften in den Gasometer auf den Euref Campus; langfristig könnten es sogar 2000 sein. Ein Mietvertrag über 15 Jahre ist unterschrieben, erfuhr der Tagesspiegel in politischen Kreisen. Jetzt muss nur noch der Gasometer ausgebaut werden. Aber auch da läuft es im Sinne von Euref-Eigentümer Reinhard Müller: Mit Blick auf die Arbeitsplätze setzen sich die zuständigen Senatsverwaltungen für Wirtschaft, Kultur und Stadtentwicklung über die Bedenken des Denkmalschutzes hinweg und erlauben den von Müller geforderten Zubau des Gasometers.

Denkmalschutz überstimmt

Im Erdgeschoss, wo es bislang noch die nach dem Talkmaster benannte Jauch-Kuppel gibt, soll ein 16 Meter hohes Veranstaltungszentrum entstehen. Dann werden in den folgenden sechs Feldern zwölf Geschosse gebaut und schließlich eine öffentlich zugängliche Dachterrasse. Müller will am oberen Rand nur ein Feld offen lassen, die Denkmalschützer plädieren für zwei, damit der Koloss nicht ganz so dominant im Stadtbild steht. „Eine höhere Bebauung ist nicht denkmalverträglich“, hatte Landeskonservator Christoph Rauhut im Sommer dem Tagesspiegel gesagt. Müller hatte bereits im März den Bauantrag eingereicht und immer auf eine Bebauung bis auf einen Ring bestanden. „Ich werde das Objekt nicht bauen, wenn es nicht so kommt, wie ich möchte.“

Die Bahn ist bereit vor Ort

Das Objekt ist 110 Jahre alt und mit eine Höhe von 78 Metern eine herausragende Landmarke zwischen Rathaus Schöneberg und Bahnhof Südkreuz. Durch den Ausbau des Gasometers kann Müller 35 000 Quadratmeter Bürofläche zusätzlich vermarkten. Es ist das letzte Bauprojekt auf dem gut fünf Hektar großen Gelände, das der aus Krefeld stammende Architekt Müller vor rund zwölf Jahren für kleines Geld von der Gasag gekauft hatte und dann als „Europäisches Energieforum (Euref)“ zu einem Ort der Energiewende machte. Inklusive der Gasag und der Gasag-Netzgesellschaft, die 2021 neue Gebäude auf dem Gelände beziehen, arbeiten dann etwa 5000 Personen auf dem Campus. Dazu gehören auch gut 1000 Mitarbeiter des Bereichs Engineering und Consulting der Bahn, die schon seit längerem am Ort sind.

Tesla kommt erstmal nicht

Im Umfeld Müllers war im Sommer kolportiert worden, dass Tesla mit seinem europäischen Entwicklungs- und Designzentrum in den Gasometer ziehen wolle. Das war eine Ente. Der Autohersteller von Elon Musk hat derzeit andere Prioritäten. In den USA stehen Investitionsentscheidungen an, und auch die Frage, wann welche Batteriezellen in Grünheide gebaut werden, ist noch offen.

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