Jede Menge Holz. Allein an Schadholz liegt so viel in den Wäldern wie sonst in einem Jahr geerntet wird. Foto: dpa
© dpa

Die Folgen des Waldsterbens „Wir sägen rund um die Uhr“

Sägewerke produzieren auf Hochtouren, die Holzpreise sind im Keller, sagt Steffen Rathke vom Holzwirtschaftsrat. Fichten und Kiefern hält er für unersetzlich.

Steffen Rathke leitet ein Holzwerk in Ehningen und ist seit dem vergangenen Jahr Präsident des Deutschen Holzwirtschaftsrats, in dem zahlreiche Verbände von der Sägeindustrie bis hin zu Papierfabriken organisiert sind. Rathke nimmt am Mittwoch an dem Waldgipfel von Bundesagrarministerin Julia Klöckner teil.

Herr Rathke, wie viele Bäume werden jedes Jahr im deutschen Wald geschlagen?

Nimmt man Laub- und Nadelholz zusammen, werden in normalen Jahren jedes Jahr rund 70 Millionen Kubik- oder Festmeter - überwiegend Nadelbäume - geerntet, ohne dass der Wald kahlgeschlagen wird.

Umweltschützer kritisieren die „Plantagenwälder“ aus Fichten und Kiefern. Ist die Holzwirtschaft schuld daran, weil Sie diese Bäume wollen?

Ich möchte mal eines klarstellen: An den Problemen, die der Wald jetzt hat, sind nicht die Förster schuld, nicht die Waldbesitzer und auch nicht die Holzwirtschaft. Unsere Vorfahren und unsere Generation, wir alle, haben viel zu viele fossile Brennstoffe aus der Erde geholt und in die Luft geblasen. Jeder, der sein Haus mit Öl heizt oder mal in den Urlaub geflogen ist, ist mit verantwortlich für die Erderwärmung. Und unter der Hitze leiden jetzt die Bäume.

Steffen Rathke ist Präsident des Deutschen Holzwirtschaftsrats. Foto: DHWR Vergrößern
Steffen Rathke ist Präsident des Deutschen Holzwirtschaftsrats. © DHWR

Aber ist es nicht auch so, dass Sie vor allem Fichten, Kiefern und Tannen von den Waldeigentümern haben wollen?

Die Fichte hat eine lange Tradition in Deutschland. Sie ist der Brotbaum der Waldbauern. Das war schon im 16. Jahrhundert so. Nach den zwei verlorenen Weltkriegen hat Deutschland enorme Reparationszahlungen geleistet, auch in Form von Holz. Wir haben Millionen von Festmetern Holz kostenlos nach Frankreich gefahren. Danach musste der Wald wieder aufgeforstet werden, und die Fichte war dafür ideal.

Warum? 

Nun, zum einen galt es ja, Freiflächen möglichst schnell wieder zu bewalden, um einerseits bald wieder Holz ernten und nutzen zu können aber auch, um beispielsweise der Bodenerosion vorzubeugen und das Ökosystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Fichte fand in den damaligen Verhältnissen beste Bedingungen für ein schnelles Wachstum vor.

Der Holzwirtschaft kam das aber ganz recht, oder?

Natürlich stellte sich die Holzwirtschaft dann auch auf diese Baumart ein, denn es war ja absehbar, dass sie bald den Großteil des Rundholzes ausmachen würde. Bei einer Fichte können Sie zudem 85 Prozent des Stamms zu ordentlichen Preisen an die Sägeindustrie verkaufen, bei einer Buche sind es gerade einmal 25 Prozent.

Die Buche leidet. Sie hat nur flache Wurzeln, die Dürre setzt ihr zu. Foto: Thilo Rückeis Vergrößern
Die Buche leidet. Sie hat nur flache Wurzeln, die Dürre setzt ihr zu. © Thilo Rückeis

Was wird aus dem Rest der Buche?

Der Großteil der Buche wird zu billigerem Industrieholz verarbeitet, aus dem Papier gemacht wird oder Spanplatten. Der Ertrag der Fichte ist also deutlich größer. Aber es ist doch nicht so, dass wir noch immer lauter Monokulturen hätten. Wir haben den Wald doch schon umgebaut, fast überall steht Mischwald, außer in den östlichen Bundesländern. Die DDR-Führung verwaltete eine Mangelwirtschaft und brauchte Devisen. Die Kiefern brachten diese und waren für die Standorte ebenfalls gut geeignet. Der Umbau des Walds steht hier aber entsprechend noch am Anfang, denn diese Prozesse dauern Jahrzehnte – das darf man nicht vergessen.

Für Waldeigentümer lohnen sich Laubbäume also nicht?

Aus ökologischer Sicht schon, weil sie die Bodenfruchtbarkeit verbessern. Die Buche bringt aber nur den halben Ertrag der Fichte. Außerdem müssen Sie 120 Jahre warten, bis die Buche so groß ist, dass es sich lohnt, sie zu fällen. In der Zeit haben Sie schon zwei Generationen Fichten geerntet. Der Ertrag der Nadelhölzer ist viel höher. Die Gesellschaft fragt Nadelholz nach, braucht das Holz für Dachlatten und Balken. Eiche ist zu teuer, die Buche ist für herkömmliche Produkte unbrauchbar. Sie verdreht sich nach dem Trocknen, ist zu schwer für viele Möbel- und Bauprodukte.

Zur Startseite