Lange war es undenkbar: Experten diskutieren den Sinn einer Fusion von Commerzbank und dem Marktführer Deutsche Bank. Am Rossmarkt in Frankfurt am Main kann man deren Gebäude bereits zusammen stehen sehen. Foto: imago/Hoffmann
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Deutsche Bank und Commerzbank Bleibt nur die Fusion als Rettung?

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Die Commerzbank fliegt aus dem Dax. Politiker können sich einen Zusammenschluss mit der Deutschen Bank vorstellen. Die Idee gefällt aber nicht jedem.

Wenn an diesem Montag die Börsen öffnen, ist die Welt der deutsche Banken eine andere. Die Commerzbank, seit der Gründung des Leitindexes im Dax vertreten, ist dann raus. Ausgerechnet Wirecard – ein Techkonzern, spezialisiert auf Finanzgeschäfte – verdrängt die Großbank aus Deutschlands wichtigstem Börsenbarometer. Gleichzeitig fliegt die Deutsche Bank aus dem europäischen Index Eurostoxx 50 und zählt damit offiziell nicht mehr zu den 50 wertvollsten Börsenunternehmen im Euro-Raum. Die beiden größten Banken Deutschlands steigen zeitgleich ab: In der Politik nährt das den Wunsch nach Veränderung, nach einer neuen starken Bank für Deutschland. Eine, die womöglich durch eine Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank entstehen könnte.

Denn in der CDU wie in der SPD blickt man derzeit mit Sorge auf die beiden Großinstitute. Die deutsche Wirtschaft wächst, ist im Ausland erfolgreich – während die zwei wichtigsten Banken des Landes weiter an Bedeutung verlieren. Unionsfraktionschef Volker Kauder etwa sagt: „Wir müssen uns überlegen, wie wir in Deutschland wieder leistungsfähige Großbanken bekommen.“ Deutschland fehle „ein Global Player“ auf dem Bankenmarkt. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) meint, es sei ein Problem, dass in einer so großen Volkswirtschaft wie Deutschland die Banken „nicht die Größe und die Globalität haben, um die Wirtschaft zu begleiten“.

Galt ein Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank vor zwei Jahren noch als „Sommerflirt“, wird darüber nun ernsthaft diskutiert. Der Spiegel zitierte kürzlich einen Insider mit den Worten, Commerzbank-Chef Martin Zielke wolle die „Fusion lieber heute als morgen“. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing soll sich das hingegen erst 2020 vorstellen können. Tatsächlich gibt es aber durchaus Argumente, die für einen solchen Zusammenschluss sprechen.

Übermächtige Rivalen aus den USA und China

So meint der frühere Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen: „Europa läuft Gefahr, dass in einigen Bereichen europäische Banken zwischen der sehr starken Ertragskraft der Häuser in den USA und den Möglichkeiten der großen chinesischen Banken eingequetscht und im globalen Konzert an Relevanz verlieren.“ Gemeinsam hätten die beiden Instituten sehr viel mehr Macht – und Kunden. Zusammen kämen sie auf mehr als 30 Millionen Privatkunden.

Gleichzeitig könnten sie durch einen Zusammenschluss Geld sparen. Das Analysehaus RBC rechnet vor: 2,1 Milliarden Euro wären an Einsparungen drin. Ein wichtiger Punkt angesichts der Tatsache, dass es den Instituten aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsen und hoher Regulierung immer schwerer fällt, mit ihren Bankdienstleistungen Geld zu verdienen. Auch die Digitalisierung – ein wichtiges, aber teures Unterfangen – könnten sie zusammen leichter angehen.

Doch so charmant sich eine Ehe zwischen Deutscher Bank und Commerzbank anhört, so gibt es doch einige Bedenkenträger. Einer von ihnen ist Bafin-Präsident Felix Hufeld. Er warnt: Eine solche Fusion sei kein Allheilmittel. Aus zwei schwachen Instituten werde nicht automatisch ein starkes. Zumal die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, wie schwierig ein Zusammenschluss sein kann. Die Commerzbank musste nach der Übernahme der Dresdner Bank in der Finanzkrise vom Staat gerettet werden. Und die Deutsche Bank wusste lange nicht, wie sie die Postbank integrieren soll: Erst wollte sie sie wieder loswerden, dann doch im Konzern aufnehmen.

Lehre aus der Lehman-Pleite: Zu große Institute

Grünen-Politiker Gerhard Schick kann den Wunsch nach einer neuen, starken Großbank ohnehin nicht verstehen. „In der Finanzkrise hat man gesehen, was passieren kann, wenn eine Bank zu groß wird“, sagte er dem Tagesspiegel. „Heute dagegen spricht keiner mehr über die Too-Big-to-Fail-Problematik – als hätte die Politik vergessen, dass in der Krise Großbanken mit enormen Summen gerettet werden mussten.“ Dabei seien sowohl bei der Commerzbank wie auch bei der Deutschen Bank viele Probleme gerade darauf zurückzuführen, dass man in den Jahren vor Ausbruch der Finanzkrise unbedingt wachsen wollte.

„Die Commerzbank hat damals mit der Übernahme der Eurohypo Milliardenrisiken auf ihre Bücher genommen, nur um nicht selbst ein Übernahmekandidat zu werden“, sagt Schick. „Und die Deutsche Bank hat sich beim Versuch zur globalen Bank zu werden, auf Geschäfte eingelassen, die ihr später Milliardenstrafzahlungen eingebracht haben.“ Jetzt wieder von den Instituten zu fordern, groß und stark zu werden, sei daher falsch.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hingegen fordert, die Politik solle sich grundsätzlich aus der Debatte raushalten. Die Fusion zweier Banken müssten rein „einer betriebswirtschaftlichen Logik folgen“, sagte er dem "Handelsblatt". „Wir haben nicht die Erfahrung gemacht, dass staatliche Einmischung dabei nützlich ist.“

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