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Genug gespart? Die Inflation entwertet die Rente. Foto: imago images/imagebroker
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Bundesbürger haben Angst um ihre Altersvorsorge Wie die Inflation die Rente entwertet

Die Allianz rechnet vor: Wer heute eine Rente von 2160 Euro hat, braucht bei einer Inflation von zwei Prozent in 30 Jahren 4152 Euro.

Teures Gas, teure Lebensmittel, die Preise steigen kräftig. Auch die Altersvorsorge leidet unter der Inflation: Je höher diese ist, desto mehr müssen die Menschen sparen, um im Alter ihren Lebensstandard zu halten.

Immer mehr Bundesbürger treibt diese Sorge um. Das zeigen am Mittwoch veröffentlichte Zahlen der Allianz Lebensversicherung. Die Versicherung bietet seit zwei Jahren einen Rentenkompass an, mit dem auch Nicht-Kunden des Versicherungsunternehmens kostenlos ausrechnen können, wie viel Geld sie brauchen, um später ihre Wunschrente zu erzielen – unter Berücksichtigung der Inflation, Steuern und Sozialabgaben.

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Voreingestellt ist in dem Online-Rechner eine jährliche Inflation von zwei Prozent, wie sie die Europäische Zentralbank anstrebt. Man kann diese Voreinstellung jedoch auch verändern und die Inflationserwartung auf vier Prozent heraufsetzen. Obwohl die Inflation aktuell bei 7,5 Prozent liegt, will die Allianz nicht über die Vier-Prozent-Grenze hinausgehen. Denn der Rentenkompass ist langfristig angelegt. Dass die Inflation die nächsten 30 Jahre bei über vier Prozent liegt, mag sich niemand vorstellen.
Von 2001 bis 2021 betrug die durchschnittliche Inflation 1,6 Prozent, von 1991 bis 2021 waren es 1,7 Prozent. Doch jetzt rechnen die Bundesbürger mit höheren Werten. Im Rentenrechner, den bereits 500.000 Menschen genutzt haben, setzt ein Viertel der User die Inflationsrate hoch. Im Juli vergangenen Jahres hatten das nur vier Prozent getan.

Das bedeutet die Inflation für Ihre Altersvorsorge

Die Inflation hat gravierende Auswirkungen auf die Altersvorsorge. Wer in 33 Jahren eine Rente möchte, die der Kaufkraft von heute 2160 Euro entspricht, kommt bei einer durchschnittlichen Inflation von zwei Prozent auf eine Wunschrente zum Renteneintritt von 4152 Euro monatlich. Wer dauerhaft mit einer Inflation von vier Prozent rechnet, müsste eine Rente von 7881 Euro im Monat anstreben, um seinen Lebensstandard zu halten. „Das sind extrem hohe Werte“, sagt Alf Neumann, Operationsvorstand der Allianz Leben.
Derzeit liegt die durchschnittliche Wunschrente der männlichen Kompassnutzer bei 2788 Euro, bei Frauen sind es 2247 Euro. Während sich die Wunschrente der Männer mit steigendem Lebensalter erhöht, stagniert sie bei Frauen ab Anfang 30. Familienplanung, Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit und nicht selten ein Karriereknick nach dem Wiedereinstieg dämpfen die Hoffnungen der Frauen auf eine noch höhere Rente. Hinzu kommt, dass Frauen nach wie vor oft weniger verdienen als Männer.

So rechnet der Rentenkompass

Der Rentenkompass berücksichtigt, wie viel Geld die Menschen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, Betriebsrenten, privaten Lebensversicherungen, Immobilien und Kapitalanlagen erwarten können. Der digitale Kompass zieht Steuern und Sozialabgaben von dieser Summe ab und bestimmt so, wie groß die Lücke ist, die zur Wunschrente fehlt.
Damit prescht der Versicherer einer gesetzlichen Lösung vor. Ende nächsten Jahres sollen nämlich alle Bundesbürger eine staatliche Rentenübersicht erhalten, die ihnen einen Überblick über ihre Ansprüche aus der gesetzlichen, betrieblichen und individuellen Altersvorsorge gibt. Allerdings werden diese Angaben ohne den Abzug von Steuern und Sozialabgaben aufgelistet, zudem fehlen Betriebsrenten, die ausschließlich vom Arbeitgeber finanziert werden, warnt die Allianz.

Mit Schwung in den Ruhestand: Den Lebensstandard zu halten, ist gar nicht so leicht. Foto: imago images/Westend61 Vergrößern
Mit Schwung in den Ruhestand: Den Lebensstandard zu halten, ist gar nicht so leicht. © imago images/Westend61

Die Rente bleibt hinter der Wunschrente zurück

Mit der Renteninfo will die Politik vor Lücken in der Altersvorsorge warnen. Denn viele Bundesbürger werden ohne zusätzliche private oder betriebliche Vorsorge ihren Lebensstandard im Ruhestand nicht halten können. Aus der gesetzlichen Rentenversicherung bekommt ein Standardrentner, der immerhin 45 Versicherungsjahre vorzuweisen hat, im Westen 1538,55 Euro brutto, im Osten sind es 1506,15 Euro. Die Bruttorente nach 35 Versicherungsjahren liegt im Westen derzeit im Schnitt bei 1510 Euro im Monat.

Rente mit 70? Das macht den Menschen Angst

Nach den Zahlen der Allianz beginnen viele Menschen mit Ende 20, sich Gedanken über ihre Altersvorsorge zu machen.Die meisten Nutzer sind jedoch zwischen 55 und 60 Jahre alt, zu diesem Zeitpunkt sind die Weichen jedoch bereits gestellt. Vor allem Arbeitnehmer nutzen den Kompass. Nach den Erfahrungen der Allianz reagieren die Menschen sehr sensibel auf Meldungen rund um die gesetzliche Rentenversicherung. Während der Rentenkompass normalerweise dienstags die größten Zugriffszahlen hat, ging in dieser Woche bereits am Montag die Zahl der Zugriffe in die Höhe: Die erneut aufgeflammte Diskussion um die Rente mit 70 hat viele Menschen dazu bewegt nachzurechnen.

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