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Besorgte Gesichter. Trader an der Wall Street. Foto: Drew Angerer/Getty Images/AFP
© Drew Angerer/Getty Images/AFP

Börse Soll man jetzt einsteigen?

Auch das neue Jahr startete zunächst mit deutlichen Kursverlusten an der Börse. Sollen Anleger jetzt einsteigen oder geht der Absturz weiter?

In jedem U-Boot-Film kommt irgendwann die Szene, in der es plötzlich ganz still wird und sich alle mit großen Augen anstarren, wartend auf das drohende Unheil. Das Spannendste ist nicht die Katastrophe, die setzt selten ein, es ist die Angst davor. Das Ende ist nah.

So dürften sich auch viele Anleger fühlen, die in den vergangenen Wochen mit ansehen mussten, wie ihre Börsengewinne aus guten Jahren nach und nach dahinschmolzen. Und wer später eingestiegen war, der sitzt schon jetzt auf beachtlichen Verlusten. Manche fragen: Soll man jetzt einsteigen, oder kommt das ganz dicke Ende noch?

Dass der Dax sich am gestrigen Freitag um über drei Prozent erholte, mag etwas beruhigen, fängt die vergangenen Verluste aber bei Weitem nicht auf. Oder ist das schon die Wende?

Allein im Dezember brach der US-Aktienmarkt um neun Prozent zusammen, es ist der schlimmste Dezember seit 1931. Es mangelt nicht an drastischen Warnungen. „Wir sind in einem Bärenmarkt (einem Abwärtstrend) und ein Bärenmarkt hört nicht einfach nach ein paar Monaten auf angesichts der vorhergehenden zehn Jahre Bullenmarkt“, sagt Peter Bockvar, Chief Investment Officer des Vermögensverwalters Bleakley Advisory Group.

US-Präsident Donald Trump nimmt dagegen die Kursverluste auf die leichte Schulter. Sie seien „eine Panne“, sagte er gegenüber Reportern. Die Börsen würden wieder steigen, wenn er Handelsverträge mit anderen Ländern abschließen werde. David Rosenberg, Chefstratege von Gluskin Sheff + Associates twitterte dazu: „Wenn das eine ,Panne' ist, stell dir vor, wie dann erst ein Bärenmarkt aussehen wird.“ Banken, Vermögensverwalter und Agenturen für Wirtschaftsdaten sehen vor allem drei Risiken. Die Wachstumsschwäche in China, der Handelskonflikt des Landes mit den USA und die Politik der Notenbanken. China droht ein Erlahmen der Wirtschaftskraft. Darauf weist der jüngste Einkaufsmanagerindex für die Industrie des Landes hin, der für den Monat Dezember unter den Wert von 50 sank, was auf eine Kontraktion der Wirtschaftsaktivität hinweist. Ursache ist die Schwäche der Nachfrage durch Chinas Konsumenten, aber auch eine Schwäche der Auslandsnachfrage. Der Vermögensverwalter Pictet erwartet daher für China eine fortgesetzte Abschwächung des Wachstums, geht aber gleichzeitig davon aus, dass Peking zu Stimulierungsmaßnahmen greifen werde, weshalb die Schwäche nur bis zum zweiten Quartal 2019 dauern werde.

Bleibt der Handelskonflikt

Der größte unbekannte Faktor ist der Handelskonflikt mit den USA. Zwar haben sich die Kontrahenten darauf geeinigt, drei Monate lang nicht die Zölle zu erhöhen, aber niemand weiß, ob die Abmachung so lange halten wird, und vor allem, was danach kommt. Die meisten Experten machen sich wenig Illusionen, zumal es in den USA auch von demokratischer Seite große Unterstützung für Trumps China-Politik gibt. „Der beste Fall wäre, dass der Handelskonflikt im ersten Quartal dieses Jahres beigelegt wird“, sagt DataTrek-Gründer Nick Colas. „Gegen diese optimistische Annahme stehen zwei negative Erwartungen: Dass die Verhandlungen länger dauern und dass sie am Ende scheitern werden.“

Bleibt die Politik der Notenbanken, vor allem der Fed. Peter Bockvar von der Bleakley Advisory Group fürchtet, dass die fortgesetzten Leitzinserhöhungen der US-Notenbank das Land in eine Rezession stürzen könnten. „Typischerweise ereignen sich Rezessionen, wenn die Fed die Zügel strafft.“ Diese Gefahr sieht er vor allem für den Fall, dass der Handelskonflikt beigelegt wird: „Wenn die Wirtschaftsdaten dann besser werden, wird Fed-Chef Jerome Powell die Leitzinsen weiter erhöhen.“ Bei der jüngsten Zinserhöhung im Dezember äußerte sich Powell weniger streng als zuvor, aber er bestand darauf, dass der Abbau der Anleihen, die die Fed in Krisenjahren erworben hatte, weiter zügig vonstatten gehen müsse. Das entzieht der Wirtschaft Liquidität. So wie die Anleihekäufe der Fed einst die Kurse nach oben trieben, so könnten die Verkäufe jetzt die Kurse belasten. Die Frage ist, ob die Fed einknickt, wenn die bisher robuste US-Konjunktur ins Stottern gerät. Erste Anzeichen gibt es. Der ISM-Konjunkturindex für die US-Industrie ist nach jüngsten Zahlen überraschend zurückgegangen. Für einen Einstieg könnte es also noch zu früh sein.

Den Langfristanleger kümmert das alles nicht. Er kauft sich regelmäßig Aktien von dem Ersparten, manchmal zu höheren, manchmal zu tieferen Kursen. Wie jetzt.

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