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Viele die zuvor nie eine Steuererklärung abgegeben haben, probieren Apps wie Taxfix. Foto: Promo
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Berliner Steuer-App Ex-Facebookmanager übernimmt bei Taxfix

Mit der App von Taxfix sollen Steuererklärungen „schnell und einfach“ erledigt sein. Die Nachfrage boomt, doch an manchen Stellen hakt die App. Ein neuer Chef soll das ändern.  

Die Corona-Pandemie hat dem Berliner Start-up Taxfix einen kräftigen Schub verpasst. Denn viele Menschen, die Kurzarbeitergeld bekommen haben, mussten dadurch zum ersten Mal eine Steuererklärung abgeben. Unter anderem mit einer groß angelegten Plakatkampagne warb Taxfix gezielt um diese Menschen. Offenbar mit Erfolg: Das Fintech konnte seinen Umsatz im vergangenen Jahr verdreifachen. Das Programm kann kostenlos getestet werden, wer dann die Erklärung abgibt, zahlt 39,99 Euro. Werden weniger als 50 Euro erstattet, gibt es das Geld zurück.  

Boom der Steuer-Apps

Taxfix gehört zu einer neuen Generation von Steuersoftwareanbietern wie Steuerbot, Steuerfuchs, Wundertax oder Taxando. Sie bieten Apps oder funktionieren direkt im Browser und wollen die lästige Steuererklärung so einfach wie möglich machen. Dazu werden die Nutzer oft mit Fragen wie in einem Chat durch das Programm geführt. Dabei bezeichnet sich Taxfix als „erfolgreichste Steuer-App Deutschlands“, die Zahl der Downloads liegt im einstelligen Millionenbereich.

Um weiter zu wachsen haben die Berliner mit Martin Ott nun einen neuen Chef engagiert. Ott war sieben Jahre bei Facebook und dort unter anderem als Vizepräsident für Zentraleuropa zuständig, danach hatte er zuletzt beim Coworkingriesen WeWork gearbeitet. „Zunächst war mir gar nicht klar, dass über zehn Millionen Deutsche überhaupt keine Steuererklärung abgeben, aus Angst etwas falsch zu machen oder weil sie die Komplexität scheuen“, sagt Ott. Nun will er helfen, das zu ändern.

Der Gründer Mathis Büchi zieht sich dagegen nach fünf Jahren in den Aufsichtsrat zurück. „Diese überromantische Vorstellung, dass nur ein Gründer ein Unternehmen führen kann, ist einfach nicht wahr“, schreibt er in einer langen Erklärung. Dieses Denken sei weder für den Gründer noch für das Unternehmen gesund. So wolle er die 11-Stunden-Tage hinter sich lassen und freue sich zudem mit seiner Frau auf Nachwuchs.

Stattdessen führt dann Ott das inzwischen auf 350 Mitarbeiter angewachsene Team und soll auch die Expansion in weitere europäische Märkte vorantreiben. In Italien und Frankreich ist Taxfix ebenfalls schon aktiv. Aber auch das Angebot der Steuer-App in Deutschland soll erweitert werden. Bedarf gibt es auch da noch immer. Denn um die Nutzerführung möglichst einfach zu halten, ist das Programm für komplexere Steuerfälle nicht unbedingt geeignet.

Wie Tester Taxfix bewerten

2019 hatte die Stiftung Warentest Taxfix aber auch Konkurrent Wundertax ein katastrophales Urteil ausgestellt. „Wegen der vielen Rechenfehler“ seien die Programme „nicht zu empfehlen“. Vor allem bei Kindern floppen sie, die Tester bezeichneten sie diesbezüglich als „Totalausfall“.

Taxfix erklärt, man habe die App inzwischen im Hinblick auf die Steuererklärung von Familien verbessert. Zudem fokussiere man sich darauf, die Steuererklärung für Arbeitnehmende und Studierende so einfach wie möglich zu machen. „Die 0,1 Prozent der Spezialfälle, die gerne in Tests verglichen werden, aber die allerwenigsten Menschen betreffen, sind für uns nicht relevant“, erklärt das Start-up.

Bei einem Test von Finanztip aus diesem Jahr gehört Taxfix zu den sechs besten und empfohlenen Programmen. „Der Fall sollte aber nicht zu kompliziert sein“, schreiben die Tester. Auch im Test der WirtschaftsWoche schnitt Taxfix grundsätzlich ordentlich ab. „Die App wirkt so umfassend wie eine Steuersoftware. Sie fragt auch seltene Themen ab“, heißt es da beispielsweise. Kritisiert wurden hingegen die langen Ladezeiten zwischen den Fragen bei Taxfix: „Diese App macht ihrem Namen keine Ehre“. Für den neuen Chef bleibt also noch einiges zu tun.

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