Opel-Chef Michael Lohscheller (l.) und Fußballtrainer/Opel-Werbegesicht Jürgen Klopp neben dem neuen E-Corsa auf der IAA. Foto: AFP
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Automesse IAA Opel will deutlich mehr SUV produzieren als bisher

Auf der IAA sind SUV ein großes Thema - obwohl die Vorstände sie in ihren Reden meiden. Insgesamt wird auf der Messe aufs Sparen gesetzt.

Haben die Auto-Hersteller verstanden? Am ersten inoffiziellen Tag der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt geben sich die Vorstände der großen Konzerne alle Mühe, diesen Eindruck zu erwecken. Die Proteste halten sich derweil in Grenzen. Nur Greenpeace hat sich vor dem Messegelände mit einem riesigen schwarzen Ballon, der 2,5 Tonnen CO 2 fassen soll, und einem Monster-SUV positioniert und forderte eine „Verkehrswende ohne Klimakiller“.

Zumindest in ihren Reden halten sich BMW-Chef Oliver Zipse, der erste Mercedes-Mann Ola Källenius und VW-Chef Herbert Diess daran: Der Begriff SUV fällt bei ihren Präsentation am ersten, Journalisten aus aller Welt reservierten Tag in den Frankfurter Messehallen zunächst mit fast keinem Wort.

Verschämt in den Ecken stehen die dicken Autos trotzdem nicht. Schließlich sind sie, wie Ferdinand Dudenhöffer, Auto-Experte der Universität Duisburg-Essen bei seinem Gang über die Messe sagt, die Profitbringer der Branche. Und dass vermutlich noch auf Jahre. Aber sie sind damit irgendwie auch Basis für die notwendigen Investitionen von BMW, Mercedes, VW und Co. in die Elektromobilität und den Klimaschutz. „Mit E-Autos verdienen die Hersteller in den nächsten fünf Jahren nichts“, sagt Dudenhöffer.

Opel setzt auf SUV

Doch bei Opel-Chef Michael Lohscheller geht es dann doch um SUV. Das Segment kleinerer Stadtgeländewagen wird nach seiner Einschätzung weiter wachsen. „Die Kunden fragen insbesondere diese kleinen SUVs stark nach“, sagte der Manager am Dienstag auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. Die zum französischen PSA-Konzern gehörende Marke werde ihren SUV-Anteil von jetzt 30 Prozent weiter deutlich steigern. Die kompakten Autos könnten unter anderem mit Hilfe elektrischer Antriebe mit sehr niedrigen Verbrauchswerten gefahren werden.

Der Opel-Chef zeigte sich erleichtert, dass das Unternehmen bislang kein sehr großes SUV entwickelt hat. „Ob die großen, also 5 Meter plus, eine Zukunft haben werden, da würde ich mal nicht drauf setzen“, sagte er. „Vielleicht sind wir da ganz gut aufgestellt.“ Der größte Opel-SUV Grandland X misst 4,45 Meter in der Länge und ist damit deutlich kürzer als beispielsweise der Mittelklassewagen Insignia. Lohscheller setzt große Hoffnungen auf den russischen Markt, der dem Hersteller jahrelang als Tochter des US-Konzerns General Motors verschlossen war. Opel solle in Russland die führende Marke des PSA-Konzerns werden, kündigte er an.

BMW und Mercedes rücken Klimaschutz in den Mittelpunkt

Insgesamt standen allerdings E-Autos und Klimaschutz im Mittelpunkt der IAA. Schließlich stehen SUVs nicht erst seit dem dramatischen Unfall am vergangenen Freitag in der Invalidenstraße in Mitte in der Kritik, sondern aus Klimaschutzgründen schon länger. Das zeigt offensichtlich Wirkung. BMW-Chef Zipse sieht den Münchner Konzern heute schon an der Spitze der Elektromobilität. „In Deutschland hat kein anderer Hersteller 2019 bislang mehr elektrifizierte Automobile verkauft als die BMW Group“, sagt er am Morgen am dicht umlagerten Stand in Halle 3. „In zwei Jahren werden wir über eine Million elektrifizierter Fahrzeuge verkauft haben“.

Nachhaltigkeit rücke in den Mittelpunkt. In keinem E-Motor verwende BMW seltene Erden, der Strom für die Produktion werde zum größten Teil aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen. In Europa sei die Produktion bereits jetzt CO 2-neutral. Dass auch BMW massiv von SUVs lebt, sagt Zipse - natürlich - nicht. Im August hatten die X-Modelle einen Anteil von fast 50 Prozent an allen verkauften BMW-Fahrzeugen.

Eine Konzeptstudie mit dem Titel I next am Stand von BMW auf der IAA. Foto: dpa Vergrößern
Eine Konzeptstudie mit dem Titel I next am Stand von BMW auf der IAA. © dpa

Am anderen Ende des Messegeländes hat Mercedes vor der Festhalle vor allem seine G-Modelle aufgereiht. Drinnen auf der Bühne preist Konzernchef Källenius den Wandel auch in Stuttgart. „Mercedes ist elektrisch“. Bis zum Jahresende gebe es aus Stuttgart 20 Elektro-Modelle und Plug-in Hybride. „Viele sind ungeduldig. Wir sind es auch“, verspricht er einen noch schnelleren Wandel. Die Transformation sei im Gange, sagt er vor in der Halle platzierten Bäumen. Bis 2022 werde die Fahrzeugproduktion CO 2-neutral sein, bis 2030 seien mehr als die Hälfte der Mercedes-Neuwagen elektrisch.

Dass die Beschäftigten mitziehen ist für Teamplayer Källenius keine Frage. Am Schluss seiner Präsentation ruft er mehr als 100 Beschäftigte auf die Bühne zwischen die Autos. Sie applaudieren begeistert. Aber allein werden sie den Umschwung nicht stemmen können. „Die Klimawende ist eine Mammutaufgabe. Wir leisten unseren Beitrag, aber Politik und Industrie müssen den Weg gemeinsam gehen“, ist Källenius überzeugt. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am Donnerstag ei der offiziellen Eröffnung der IAA darauf antworten.

VW präsentiert das E-Auto ID.3

Und sie wird am Stand von VW in Halle 3 vorbeischauen. Vier Jahre nach der Aufdeckung des Dieselskandals sehen sich die Wolfsburger komplett neu aufgestellt. Und präsentieren in Frankfurt zum ersten Mal ihr neues vermeintliches Wunder-Elektro-Auto ID. 3. Mit dem Modell, dass für einen Basis-Preis von weniger als 30.000 Euro nach Überzeugung von VW-Konzernchef Herbert Diess die E-Mobilität für alle erschwinglich macht und zu einem echten „Volks“-Wagen werden soll, wollen die Wolfsburger zum Marktführer in diesem Bereich werden.

Freilich: Es gibt zwar 30.000 Reservierungen für die erste, knapp 40.000 Euro Version des ID. 3. Breit verfügbar wird das Auto aber erst ab 2021, wie Auto-Experte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler eher kopfschüttelnd am VW-Stand bemerkt.

Von Reservierungen will Opel-Chef Jürgen Lohscheller dagegen am im Vergleich zu früheren IAAs deutlich abgespeckten Stand mit Blick auf den elektrischen Corsa nicht sprechen. „Wir berichten, wenn wir im nächsten Jahr die ersten Autos ausliefern.“ Der Manager ist bester Stimmung, schließlich sieht er Opel nicht nur elektrisch auf dem richtigen Weg, sondern auch bei der Rendite. „Opel erholt sich viel schneller als erwartet“. Schon 2019 soll eine Umsatzrendite von sechs Prozent erreicht werden, trotz der hohen Investitionen in die Elektrifizierung der Flotte. Kein Wunder, dass Lohscheller zusammen mit Opel-Markenbotschafter und Werbe-Ikone Jürgen Klopp in die Kameras lacht.

Opel lässt Jürgen Klopp einfliegen 

Der Erfolgstrainer und -Manager des FC Liverpool ist einer der wenigen Promis am ersten IAA-Tag. Die Kosten, ihn einzufliegen, hat Opel nicht gescheut. Ansonsten treten die Rüsselsheimer auf die Bremse: Der Stand ist um ein Drittel kleiner als auf der letzten IAA, die Kosten seien um ein Drittel geringer, sagt Lohscheller. Der Auftritt sei zwar wichtig, die Zukunft von Automessen sieht er aber nur gewährleistet, wenn dort künftig auch Autos verkauft werden können.

 Auch BMW hat beim Messeauftritt kräftig gespart. 2017 noch hatten die Münchner die gesamte Messehalle elf belegt. Jetzt teilen sie sich die Halle unter anderem mit Opel, Hyundai, Jaguar und Landrover. Mercedes hat in der Festhalle geradezu dramatisch abgespeckt. Hatten sie früher die Autos auf drei Ebenen präsentiert, die mit eigens eingebauten Rolltreppen verbunden waren, ist davon nichts mehr zu sehen. Die Halle ist bis zur Decke offen, lediglich die Bühne ist größer ausgefallen. Auf Show- und Tanzeinlagen wird diesmal überall verzichtet.

Und in Halle drei, die von VW und den Konzernmarken belegt ist, fallen große freie Fläche auf. Es sei geradezu leer stellt Autoexperte Dudenhöffer fest. „Es fehlen schließlich mehr als 30 Hersteller“. Er orakelt gar von der letzten IAA, wenn es kein anderes, zukunftsweisendes Messekonzept gebe. Freilich: Die Ausstellung ist mit rund 800 Ausstellern - 200 weniger als vor zwei Jahren - zwar deutlich kleiner. Immer noch sind mehrere Tausend Journalisten aus aller Welt zur Autoschau gekommen. An den Ständen von BMW, Mercedes, VW oder Porsche gibt es am Dienstag kaum ein Durchkommen. (mit dpa)

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