Prof. mit Anhang. Wissenschaftler müssen mobil sein – und bringen oft ihren Partner mit, wenn sie eine neue Stelle antreten. Foto: naka - stock.adobe.com
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Arbeitswelt Hochschule Karriere im Doppelpack

Miriam Lenz

Wie gewinnen Berliner Hochschulen renommierte Wissenschaftler als Professoren? Indem sie auch deren Lebenspartnern beim beruflichen Neustart helfen.

Wer es heute in der Wissenschaft weit bringen will, der muss mobil sein. Für die Wunschprofessur und die optimalen Forschungsbedingungen zieht man hunderte Kilometer weit weg, wechselt das Land oder den Kontinent. Das hat natürlich auch Folgen für den Partner oder die Partnerin und die Familie: Eine Wohnung muss gefunden, der Umzug organisiert, für die Kinder ein Kindergarten oder eine Schule gesucht werden. Und nicht zuletzt muss sich auch der Partner oder die Partnerin beruflich neu orientieren.

„Die Jobaussichten für den Partner oder die Partnerin am neuen Universitätsstandort spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Entscheidung für eine Professur“, sagt Juliane Hanisch-Berndt, die seit 2016 den Dual Career Service der Technischen Universität (TU) Berlin leitet. Heute gebe es schließlich viele Paare, bei denen beide Partner eine Karriere anstrebten. Um die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für sich zu gewinnen, müssten die Hochschulen heute auch mit Angeboten wie einem eigenen Dual Career Service für sich werben. An solch einen Dual Career Service können sich die Partnerinnen und Partner neu berufener Professoren und Professorinnen zur Beratung und Unterstützung wenden – insbesondere in Hinblick auf Karrierefragen am neuen Wohnort.

„Dual Career Services sind sowohl ein Recruiting- als auch ein Gleichstellungsinstrument“, sagt Juliane Hanisch-Berndt. Diese Serviceangebote der Hochschulen sollten dabei helfen, beiden Partnern die gleichen Karrierechancen zu ermöglichen. Tendenziell werde der Service an der TU mehr von Frauen in Anspruch genommen. Ein Grund dafür sei sicherlich die Tatsache, dass die Mehrheit der neu Berufenen immer noch Männer seien. „Ein Dual Career Service soll in erster Linie das Ankommen erleichtern“, sagt Hanisch-Berndt.

Neben der TU hat in Berlin auch die Freie Universität (FU) einen eigenen Dual Career Service. Die Angebote sind jeweils kostenlos. Partnerinnen und Partner neu berufener Professorinnen und Professoren anderer Berliner Hochschulen können sich an das Dual Career Netzwerk Berlin wenden, das von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner betrieben wird. Die drei Berliner Services arbeiten eng zusammen.

Die neu berufenen Professorinnen und Professoren werden an der TU und der FU noch während der Berufungsverhandlungen darüber informiert, dass es einen universitätseigenen Dual Career Service gibt. Nimmt deren Partnerin oder Partner dann Kontakt mit dem Dienst auf, wird zunächst einmal geklärt, welche Anliegen und Fragen die Person hat.

„Die Dauer und Intensität der Beratung ist sehr unterschiedlich“, sagt die Leiterin des TU-Services, Juliane Hanisch-Berndt. Manchmal bestehe die Beratung darin, einige kurze Fragen zu beantworten. Manchmal erstrecke sie sich über ein ganzes Jahr. Bei der Karriereberatung reiche das Spektrum vom Durchgehen der Bewerbungsunterlagen bis zu strategischen Überlegungen dazu, wie man seine beruflichen Ziele entwickeln und umsetzen kann. Selten gehe es um Fragen zur Selbstständigkeit, die meisten suchten eine Angestelltenposition in Wissenschaft oder Wirtschaft.

„Wir helfen den Partnerinnen und Partnern neu berufener Professorinnen und Professoren, bei der Stellensuche strategisch und proaktiv vorzugehen“, sagt Hanisch-Berndt. Sie rät ihren Klientinnen und Klienten dazu, nicht einfach nur Stellenangebote zu lesen und sich dann darauf zu bewerben. „Man sollte sich zunächst einmal darüber klar werden, was man beruflich kann und möchte“, sagt sie. In einem nächsten Schritt gelte es gründlich nach passenden Arbeitgebern und Tätigkeitsfeldern zu recherchieren, verschiedene berufliche Möglichkeiten zu sondieren und zu überlegen, wer einem auf dem Weg zum beruflichen Ziel helfen könne. Das sei die Grundlage für gezielte Bewerbungen und differenzierte Entscheidungen. An diesem Punkt könne der Dual Career Service schließlich beim Netzwerken unterstützen und Kontakte in Wirtschaft und Wissenschaft vermitteln. „Es ist auch hilfreich, sich initiativ zu bewerben“, rät Hanisch-Berndt.

„Gerade für ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihre Familien, aber auch für Deutsche, die lange im Ausland gearbeitet haben und jetzt zurückkehren, ist der Dual Career Service ein wichtiger Anlaufpunkt“, sagt Miriam Juchem vom Dual Career Service der FU. Die Beratung sei individuell und vielfältig. Zum einen hilft Juchem beim beruflichen Einstieg in Berlin, kümmert sich um Fragen der Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse oder informiert über Weiterbildungsmaßnahmen wie Sprachkurse. Zum anderen gibt sie einen ersten Überblick über den Berliner Wohnungsmarkt, verschiedene Kieze als Wohnort oder hilft bei der Suche nach einem Kita- oder Schulplatz. Ein großer Teil ihrer Arbeit bestehe darin, die Klienten bei bürokratischen Anträgen zu unterstützen, etwa für Elterngeld oder Kita-Gutscheine.

Wichtig sei: „Die Dual Career Services bieten Unterstützung an, aber keine Garantie für einen Job. Wir schaffen keine Stellen für die Partnerinnen und Partner neu berufener Professorinnen und Professoren“, sagt Juchem. Vielmehr sei der Service im besten Fall eine Art Türöffner. Bewerbungsverfahren müssten die von ihnen beratenen Personen regulär durchlaufen, so wie jeder andere Bewerber auch.

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