Ein älterer Herr mit grauen Haaren weißt eine Wand auf der Leipziger Messe. Foto: dpa
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Arbeitsmarkt Immer mehr Menschen arbeiten im Alter

In Europa arbeiten immer mehr ältere Menschen. Die Arbeitsbedingungen müssten für sie laut einer Studie allerdings verbessert werden.

In fast allen 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union arbeiten mehr ältere Menschen als noch im Jahr 2005. Besonders kräftig war die Zunahme in Deutschland, wo die Erwerbstätigenquote bei 55- bis 64-jährigen Männern zwischen 2005 und 2016 um rund 20 Prozentpunkte und unter Frauen in dieser Altersgruppe sogar um knapp 26 Prozentpunkte anstieg, wie die Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte. Insgesamt waren in der Bundesrepublik 2016 knapp 69 Prozent der Älteren erwerbstätig.

Die Erwerbstätigkeit älterer Frauen stieg der Studie zufolge überall stärker an als die der Männer, doch in 25 Ländern legte auch diese zu. Lediglich in Griechenland, Zypern und Spanien arbeitete 2016 ein geringerer Anteil der Männer zwischen 55 und 64 Jahren als 2005. Anders als in früheren Rezessionen seien Ältere nicht mehr „bei hoher Arbeitslosigkeit vom Arbeitsmarkt verdrängt“ worden, stellten die Studienautoren Martin Brussig und Arthur Kaboth vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen fest.

Gleichwohl ist die Erwerbstätigenquote der über 55-Jährigen in allen EU-Ländern weiterhin deutlich niedriger als die der Jüngeren (25- bis 54-Jährige), wie es hieß. Die Differenz reicht von rund zehn Prozentpunkten in Schweden und etwa 15 Prozentpunkten in Dänemark oder Deutschland bis zu 30 Prozentpunkten in osteuropäischen Ländern sowie in Frankreich und Österreich. In Deutschland betrug die Quote bei Männern zwischen 55 und 64 knapp 74 Prozent. Bei den Frauen dieser Altersgruppe waren 63,5 Prozent erwerbstätig.

Autoren fordern mehr Qualifizierung

In fast allen Ländern zeige sich ein Zusammenhang zwischen Erwerbsbeteiligung und Qualifikation: Menschen mit geringerer Qualifikation haben deutlich seltener eine Erwerbsbeschäftigung als höher Qualifizierte. Die IAQ-Forscher rieten deshalb, Qualifizierungen und berufliche Weiterbildungen deutlich stärker als bisher zu fördern - und zwar nicht nur bei älteren, sondern auch bei jüngeren Beschäftigten.

Studienautor Brussig wies auf „große Defizite bei der Gestaltung alternsgerechter Arbeitsbedingungen und der sozialstaatlichen Absicherung“ hin. „Ein guter Teil der älteren Erwerbstätigen hangelt sich über Phasen von prekärer Teilzeit-Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit Richtung Rente“, erklärte er. „Das passiert insbesondere in körperlich anspruchsvollen Berufen und bei gesundheitlichen Einschränkungen.“

Um den Trend zur zunehmenden Alterserwerbstätigkeit zu stabilisieren, müssten Arbeitsbedingungen verbessert und passgenaue Lösungen für Menschen gesucht werden, die zu krank für die Arbeit und zu gesund für die Rente seien, hieß es weiter. Brussig sprach sich außerdem dafür aus, die Vereinbarkeit zwischen Berufstätigkeit und Pflege von Angehörigen zu verbessern. epd

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