Gerade kleinere Kinder haben oft nur eine vage Vorstellung davon, was Geld eigentlich ist. Foto: imago/Westend61
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Angebote der Banken Das richtige Konto fürs Kind

Markus Lücker

Sparkassen und Banken werben mit günstigen Konditionen und hohen Zinsen um junge Kunden. Was Eltern dazu wissen sollten

Die Sparbüchse war einmal. Der Jugendliche von heute hat ein eigenes Girokonto. Seine Finanzen regelt er in der großen Pause nach dem Geographie-Test per Banking-App auf dem Smartphone. Schnell überweist er noch ein paar Euro, die er sich vorhin für ein Mittagessen von Selin aus der Parallelklasse geliehen hat, dann geht es weiter zum Sportunterricht.

Zwar tritt noch nicht jeder Sechstklässler mit der Souveränität eines Mini-Bankers auf, aber die Kreditinstitute arbeiten eifrig daran, das für die Zukunft zu ändern. Mit günstigen Konditionen versuchen Banken die Minderjährigen schon früh an sich zu binden. Denn wer sich einmal entschieden hat, bleibt oft Stammkunde.

Ab wann ein Konto sinnvoll ist

Spätestens mit dem Berufseinstieg wird der eigene Nachwuchs auf ein Girokonto angewiesen sein. Die Frage ist aber, wie früh man Kinder oder Jugendliche bereits an die Nutzung eines Kontos heranführen sollte. Eine Mindestaltersgrenze für die Eröffnung eines Kindergirokonto gibt es bei den Banken oft nicht: Theoretisch können Eltern das Konto für den Nachwuchs also direkt nach der Geburt angelegen. Entscheidend ist daher, ab wann das Kind in einem gewissen Maße Verantwortung für die eigenen Finanzen übernehmen kann.

Marc Urlen vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) etwa warnt, dass insbesondere für Kinder im Grundschulalter Geld noch etwas komplett Abstraktes ist. „Das ist entweder da oder eben nicht. Umso schädlicher kann es sein, wenn Finanzen vollständig in den virtuellen Raum verlegt werden und das Taschengeld direkt vom Konto der Eltern auf das Konto der Kinder wandert.“

Das DJI empfiehlt bei Bedarf ein Konto ab zwölf Jahren und deckt sich dabei mit dem Richtwert des Branchenverbands Deutsche Kreditwirtschaft. Ist der Nachwuchs jünger, sollte er nach Urlens Einschätzung behutsam an das Thema Geld herangeführt werden – etwa mit Hilfe eines Sparbuchs.

Was Berliner Banken bieten

Die Stiftung Warentest hat die Angebote von 112 Banken und Sparkassen für Kinder, Jugendliche, Auszubildende und Studierende untersucht. In allen Fällen kam die Kontoführung ohne monatlichen Grundpreis aus. In der Regel bekam der Nachwuchs sogar Zinsen, die meist bei 0,5 Prozent lagen. Regionale Banken zahlen zum Teil sogar sehr viel mehr: Bis zu drei Prozent können drin sein – allerdings nur bis zu einem bestimmten Höchstbetrag.

In ihrer Auswertung hat sich die Stiftung Warentest auch die Angebote dreier Berliner Banken angeschaut. Im Detail unterscheiden die sich deutlich – zum Beispiel bei den Altersgrenzen. Während es bei Volksbank und Sparkasse direkt mit dem ersten Lebensjahr losgehen kann, gilt das Angebot der PSD Berlin-Brandenburg nur zwischen 14 und 25 Jahren. Dafür sind die Zinszahlungen hier mit durchgängig zwei Prozent auf maximal 2500 Euro stabiler.

Die Sparkasse wirbt zwar mit hohen Guthabenszinsen von drei Prozent, die gelten jedoch nur bis zum zwölften Geburtstag und auch nur bis zu einem Kontostand von 1000 Euro. Girokarte, Onlinebanking und Überweisungen waren in allen drei Fällen inbegriffen. Unabhängig von der Wahl der Bank, können Kinder das Konto aber nicht alleine eröffnen, sie brauchen stets die Einwilligung beider Elternteile. Sind die Eltern geschieden oder das Kind adoptiert, muss man das mit Dokumenten nachweisen.

Kreditkarten für Kinder

Viele Banken bieten zusätzlich zum Konto auch kostenlose Kreditkarten für den Nachwuchs an. Die funktionieren nach einem Prepaid-Prinzip: Kinder können also maximal den Betrag ausgeben, den ihre Eltern zuvor eingezahlt haben. Nützlich können diese Karten zum Beispiel dann sein, wenn das Kind während der Schulzeit ins Ausland geht. Denn mit der klassischen Girokarte fallen beim Abheben im Ausland häufig zusätzliche Gebühren an.

Bei Zahlungen mit einer Kreditkarte entfallen diese Kosten meist. Verbraucherschützer empfehlen dennoch, genau zu prüfen, ob die Kreditkarte trotz eines scheinbaren Prepaid-Modells nicht doch ans Konto gekoppelt ist. Schon häufiger habe es das Problem gegeben, dass die Bahnen überzogene Kreditkarte automatisch über das Konto des Kindes oder der Eltern ausgeglichen haben.

Der Blick auf die Details lohnt sich auch bei den Konditionen. Zwar sind sowohl die Prepaid-Karte als auch die reguläre Karte bei der Volksbank kostenlos, aber nur mit der Prepaid-Variante können die Kinder auch im Ausland kostenlos Geld abheben.

Bei der Sparkasse fallen für die Prepaid-Karte wiederum ab dem 21. Geburtstag automatisch jährliche Gebühren in Höhe von 42 Euro an. Die reguläre Kreditkarte, die Kunden dort ab 18 bekommen ist, kostet dagegen weniger – und man kann mit beiden im Ausland kostenlos Geld abheben. Bei der PSD Berlin-Brandenburg dagegen ist das Abheben mit der Kreditkarten nicht kostenlos. Wer darauf nicht achtet, kann nach dem Schüleraustausch eine unangenehme Überraschung erleben.

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