Foto: picture alliance / Andrew Gomber
© picture alliance / Andrew Gomber

Angebot zur Geldanlage Paypal drängt ins Bankgeschäft

Der Zahldienst steckt Millionen in ein Berliner Start-up, denn Nutzer sollen künftig auch ihr Geld anlegen können.

Tamaz Georgadze ist ein eher zurückhaltender Vertreter der Start-up-Zunft. Markige Sprüche hört man vom Gründer des jungen Finanzunternehmens Raisin selten, dabei sind die Berliner längst zu einem der erfolgreichsten Fintechs avanciert. Während hierzulande manche Banken schon Negativzinsen fordern, hilft Georgadze seinen Kunden dabei, noch ein paar Prozente auf das Ersparte zu bekommen. Die können nämlich über sein Portal Weltsparen ihr Geld einfach bei Banken im europäischen Ausland anlegen, die für Tages- oder Festgeld mehr Zinsen zahlen als deutsche Institute. 38 Partnerbanken aus 17 Ländern stehen dabei zur Auswahl. Bald fünf Milliarden Euro an Einlagen verwaltet das Start-up bereits für mehr als 100000 Kunden in ganz Europa. Und demnächst könnten diese Zahlen noch einmal deutlich steigen.

Paypal will Nutzern Angebote zur Geldanlage machen

Denn der US-Bezahldienst Paypal ist nun bei dem Start-up eingestiegen und hat dabei einen zweistelligen Millionenbetrag investiert. „Raisin nimmt im Bereich der grenzüberschreitenden Spareinlagen eine Pionierrolle ein“, lobt Paypal-Manager Stephen Taylor.

Die frühere Ebay-Tochter hat bislang selten in Start-ups investiert. Dabei geht es jedoch um weit mehr als eine Finanzbeteiligung. Denn Paypal will in einer Kooperation mit Raisin seinen Kunden künftig neue Angebote machen und ihnen offenbar auch ermöglichen, Geld anzulegen. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit PayPal mit dem Ziel, unsere Produkte für Hunderte Millionen Europäer zugänglicher zu machen“, sagte Georgadze. Wie genau die Partnerschaft ausgestaltet wird und ab wann Paypal-Nutzer das Angebot erhalten, ist derzeit noch offen. Es dürfte ähnlich sein, wie bei der Mobilbank N26, die Weltsparen bereits integriert hat.

Banken unter Druck

Klar ist aber, dass Paypal damit in eine weitere Domäne der Banken vordringt. 19 Millionen Nutzer hat der Bezahldienst hierzulande, all denen könnte Paypal demnächst auch ein Sparprodukt anbieten. In den USA hat das Unternehmen diesen Schritt kürzlich schon gemacht. Nachdem Paypal sich im Vorjahr am Robo-Advisor Acorns beteiligt hatte, können Nutzer seit einigen Wochen dessen Angebot zur automatisierten Geldanlage auch über ihren Paypal-Account nutzen. Zuvor hatten sie bereits die Möglichkeit, Zahlungsbeträge aufzurunden und die Differenz über Acorn zu sparen. Die Banken tun sich derweil schwer damit, ihre eigene Alternative zu dem populären Online-Bezahldienst zu etablieren. Das vor zwei Jahren gegründete Angebot Paydirekt kommt auf 1,6 Millionen Kunden. Der gerade neu berufene Chef Christian von Hammel-Bonten soll dem Paypal-Konkurrenten nun neuen Schwung verleihen.

Zur Startseite