Auf die Schnelle. In den „Amazon Go“-Geschäften gibt es vor allem Sandwiches und Snacks – alles was man schnell mitnehmen und schnell bezahlen will. Foto: Stacey Wescott/imago
© Stacey Wescott/imago

Alles automatisch Amazon plant 3000 kassenlose Märkte

Der Onlinehändler will US-weit Supermärkte eröffnen, in denen es keine Kasse mehr gibt. In Deutschland testet Saturn ein Modell.

Einfach die Taschen vollpacken und nach Hause gehen. Kein Schlangestehen an der Kasse, kein Kramen nach Kleingeld. So stellt sich Amazon das Einkaufen im Supermarkt der Zukunft vor. In diesem erkennen Kameras und Sensoren, wie viel Joghurts man einpackt, ob man Äpfel oder Birnen wählt. Nach dem Verlassen des Ladens wird der fällige Betrag automatisch über das Amazon-Konto abgebucht. In Seattle, seiner Heimatstadt, hat der Onlinehändler bereits drei kassenlose „Amazon Go“-Märkte. Erst diese Woche ist ein weiterer in Chicago dazugekommen. Und glaubt man Medienberichten, ist das erst der Anfang.

Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge will Amazon das Konzept jetzt breit in den USA ausrollen. Bis Ende kommenden Jahres soll es demnach bereits 50 kassenlose Läden geben, in drei Jahren will Amazon dann angeblich sogar schon 3000 Märkte ohne Kasse eröffnet haben.

Noch gibt es in den Märkten vor allem Snacks

Bislang verkauft Amazon in seinen Go-Geschäften vor allem Snacks, Sandwiches und Salate – also alles, was man schnell mitnehmen und ebenso schnell bezahlen will. Behält der Konzern das Konzept bei, dürfte er mit mehr als 3000 Filialen in den USA vor allem Seven-Eleven-Märkten und Tankstellen Konkurrenz machen. Welche Strategie Amazon außerhalb der Vereinigten Staaten verfolgt, ist noch offen. Allerdings hat Deutschland-Chef Ralf Kleber in einem Interview Ende vergangenen Jahres auf die Frage, ob auch Märkte hierzulande geplant seien, geantwortet: „Das ist keine Frage des Ob, sondern des Wann.“

Klar ist schon jetzt: Amazon verändert mit den neuen kassenlosen Märkten nicht nur die Art und Weise, wie wir im Supermarkt bezahlen. Es verschwimmt dadurch auch immer mehr die Grenze zwischen Onlineshopping und stationärem Handel. Zumal Amazon längst nicht der einzige Techkonzern ist, der daran arbeitet. Im Ausland gibt es ähnliche Vorhaben. Der chinesische Onlinehändler JD zum Beispiel hat in der Volksrepublik ebenfalls bereits 20 Märkte eröffnet, die ohne Kasse funktionieren. Dort werden Kunden per Gesichtserkennung erkannt. Die Waren – Kleidung, Kosmetika, Snacks – werden anhand von integrierten Chips erfasst. Bezahlt wird wie im Amazon-Laden auch automatisch über eine App auf dem Smartphone. Der chinesische Technologiekonzern Alibaba ist ähnlich weit. Er hat ebenfalls mehr als 20 kassenlose Märkte eröffnet und zudem bewiesen, dass sich das Konzept auch auf ein Café übertragen lässt: Kaffee und Kuchen holt man sich an der Theke, bezahlt wird automatisch per App. Zudem ist jeder Artikel digitalisiert und so vor Diebstahl geschützt.

In den USA soll Microsoft an einem eigenen Verfahren arbeiten, mit dem automatisch erfasst werden kann, was Kunden in ihren Einkaufswagen legen. Noch ist unklar, wann das System auf den Markt kommen soll. Setzt es sich das aber durch, könnten schnell auch andere Supermarkt-Ketten nach dem Vorbild von Amazon ihre Kassen abschaffen.

Auch Saturn experimentiert mit kassenlosem Einkaufen

In Deutschland ist in dieser Hinsicht der Elektronikhändler Saturn ein Vorreiter. Er arbeitet aktuell gleich mit zwei Start-ups zusammen, um zu testen, wie man künftig Elektronikartikel im Laden automatisch per App bezahlen und so die Kasse umgehen kann. Ein erster Feldversuch war einer Sprecherin zufolge bereits erfolgreich: In Österreich konnten SaturnKunden in einem Pop-up-Store Anfang des Jahres drei Monate lang das kassenlose Einkaufen ausprobieren. Bezahlt werden konnte dort ausschließlich per App. Batterien, Kopfhörer und Smartphone-Hüllen waren zudem mit Chips ausgestattet, die erkannten, ob der Kunde bezahlt hat oder nicht.

Nachdem das gut geklappt hat, testet Saturn nun in einem Markt in München, wie man auch höherpreisige Produkte kassenlos verkaufen kann, die gesondert gesichert sind. Der Händler probiert das aktuell mit verpackten Kopfhörern aus. Hat der Kunde diese per App bezahlt, öffnet sich die Sicherung und der Kunde kann die Ware einstecken. Ob und wann Saturn dieses Bezahlverfahren ausrollen wird, ist noch offen. Ganz auf die Kassen verzichten, wie es Amazon tut, will der Elektronikhändler allerdings nicht. Der Kunde soll die Wahl haben, sagt eine Sprecherin. „Wir sehen das kassenlose Bezahlen als Ergänzung zu den Zahlungsmöglichkeiten, die wir bereits anbieten.“

Zur Startseite