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Reicht das Geld im Alter? Viele sind da skeptisch. Foto: IMAGO / imagebroker
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Aktienrente als mögliche Lösung Nur die Hälfte der Deutschen erwartet finanzielle Sicherheit im Alter

Die kapitalgedeckte Altersvorsorge ist laut einer Umfrage eine der wichtigsten Forderungen an die Bundesregierung. Doch es zeigt sich auch die soziale Spaltung.

Die Aktienrente soll kommen. Das haben SPD, FDP und Grüne im Koalitionsvertrag vereinbart. Die Ampel will die gesetzliche Rentenversicherung um eine „teilweise Kapitaldeckung“ erweitern, damit das System tragfähig bleibt. Ohne Reformen würden „schockartig steigende Finanzierungsprobleme“ ab dem Jahr 2025 drohen, hatte der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums im Sommer gewarnt. Fachleute fordern deswegen schon länger eine gesetzliche Altersvorsorge, die die Renditechancen des Aktienmarktes nutzt.

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Und auch in der Bevölkerung scheint sie viele umzutreiben. In einer repräsentativen Umfrage des Finanzdienstleisters Fidelity, die dem Tagesspiegel vorliegt, landete das Thema bei den wichtigsten Erwartungen an die Bundesregierung sogar noch vor dem Klimaschutz. Fast die Hälfte der rund 2100 Befragten (48 Prozent) sagt demnach, die Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge sei eine der Top-3-Aufgaben für die Ampel-Koalition. 45 Prozent nannten die Senkung des CO2-Auststoßes. Besser schnitten nur die Digitalisierung und der Schutz vor Pandemien mit jeweils 61 Prozent ab.

Frauen mit Blick aufs Alter finanziell unsicherer

Nur jede:r zweite berufstätige Befragte geht davon aus, im Alter finanziell abgesichert zu sein. Ein Drittel glaubt, sich auch als Rentner:in noch etwas hinzuverdienen zu müssen. Und ein Viertel fürchtet, später Hilfe vom Staat in Anspruch nehmen zu müssen. Frauen fühlen sich demnach mit Blick aufs Alter finanziell unsicherer als Männer und Ostdeutsche sind pessimistischer als Westdeutsche.

Mehr als zwei Drittel aller Befragten sorgen laut Fidelity schon selbst fürs Alter vor. Die meisten tun das über eine Versicherung (37 Prozent) und Tages- oder Festgeld (30 Prozent). Rund ein Viertel setzt auf Aktien oder Wertpapiere, und zwar deutlich mehr Männer als Frauen (33 vs. 19 Prozent) und Jüngere eher als Ältere (36 Prozent unter 39 Jahren vs. 21 Prozent über 50 Jahren).

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Auch bei denen, die nicht für die Altersvorsorge sparen, zeigt sich ein soziales Gefälle. 56 Prozent geben an, sie hätten schlicht kein Geld, das sie zurücklegen könnten. Menschen mit Volks- oder Hauptschulabschluss geht es demnach deutlich öfter so als solchen mit Abitur oder Studium. Passend dazu sagen fast 60 Prozent der Befragten, dass die Corona-Pandemie die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert habe.

„Gerade Menschen aus niedrigeren Lohngruppen leiden unter der Rentenlücke“, sagt Fidelity-Deutschlandchef Alexander Leisten. Angesichts niedriger Zinsen und steigender Inflation müssten „Aktien und Fonds noch stärker in den Fokus der Rentenpolitik rücken“. Im Koalitionsvertrag fänden sich dazu gute Ansätze, aber die angekündigten Reformen gingen noch nicht weit genug. „Was wir im ersten Schritt brauchen, ist ein günstiges und staatlich gefördertes Einstiegsangebot ohne Garantien“, so Leisten. Keine überraschende Forderung, bietet sein Unternehmen doch Geldanlageprodukte für die Altersvorsorge an. Man wolle Menschen helfen, „sich selbst und nachfolgenden Generationen eine bessere Zukunft aufzubauen“, heißt es auf der Website.

Politik soll nicht mehr nur auf Wachstum schauen

Eine bessere Welt wünscht sich auch ein Großteil der Befragten. Für mehr als die Hälfte ist ein guter Lebensstandard eines der wichtigsten Lebensziele, wichtiger sind nur Familie und Gesundheit. Bei den unter 29-jährigen sticht außerdem das Engagement für die Umwelt hervor. 41 Prozent der Befragten fordern, die Bundesregierung solle „nicht mehr Wachstum um jeden Preis forcieren“.

Auch das haben die Koalitionäre versprochen. „Gesamtwirtschaftliches Wachstum, gemessen am Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts, ist eine notwendige, aber längst noch keine hinreichende Voraussetzung für nachhaltigen Wohlstand, Beschäftigung, Teilhabe und soziale Sicherheit“, hieß es am Mittwoch im Jahreswirtschaftsbericht von Minister Robert Habeck (Grüne). „Wir werden genauso schauen, ob wir das Klima schützen, ob die soziale Ungleichheit steigt oder sinkt“, erklärte sein Staatsekretär Sven Giegold.

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