Ryanair-Chef Michael O'Leary sieht sich neuen Vorwürfen ausgesetzt Foto: Tolga Akmen/AFP
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Airline Illegale Leiharbeit bei Ryanair?

Den zwischengeschalteten Verleiherfirmen sollen notwendige Lizenzen fehlen. Der Billigflieger wies die Vorwürfe zurück

Beim Billigflieger Ryanair gerät das Beschäftigungsmodell der Leiharbeit zunehmend ins Zwielicht. Den zwischengeschalteten Verleihfirmen fehlten die notwendigen Lizenzen, hatte die Bundestagsfraktion der Linken nach einer entsprechenden Auskunft des Bundesarbeitsministeriums erklärt. Das Unternehmen wies den Vorwurf illegaler Leiharbeit hingegen zurück.

Allein 700 der rund 1000 in Deutschland tätigen Flugbegleiter haben nach Angaben des Abgeordneten Pascal Meiser Arbeitsverträge bei den beiden Unternehmen Crewlink Ireland Ltd. sowie Workforce International Contractors Ltd. mit Sitz in Dublin unterschrieben. Diese seien laut Regierung aber nicht von deutschen Behörden zur Arbeitnehmerüberlassung zugelassen. Nach Recherchen des „Manager-Magazins“ hat Crewlink die Genehmigung in der Vergangenheit für zwölf Monate besessen, Workforce überhaupt nicht. Für Ermittlungen wäre der Zoll zuständig.

Ryanair bestreitet illegale Leiharbeit

Die Fluggesellschaft Ryanair wies die Vorwürfe zurück, sie beschäftige in Deutschland illegal Leiharbeiter. Dies sei unwahr, erklärte Kommunikationschef Robin Kiely auf Anfrage. Ryanair und seine Dienstleister agierten gemäß EU-Recht. Anders als bei den Flugbegleitern will Ryanair den Einsatz ausgeliehener Piloten dennoch beenden. An den deutschen Basen sollten zum Jahresende nur noch direkt bei Ryanair angestellte Piloten arbeiten, hatte das Unternehmen schon mehrfach erklärt.

Bei den neuesten Enthüllungen störte Beate Müller-Gemmeke, Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte, noch etwas anderes: Laut dem Medienbericht legt die Billig-Airline Krankheitsakten über ihre Beschäftigten an, auf die weit über hundert Ryanair-Mitarbeiter in ganz Europa Zugriff haben. Das Unternehmen nötige seine Beschäftigten außerdem, detailliert die Symptome ihrer Krankheiten zu schildern. In Disziplinaranhörungen müssten sie versprechen, nicht mehr krank zu werden.

Verdi will Vorwürfe ansprechen

„Damit verstößt Ryanair gegen den deutschen Datenschutz, denn Informationen zu Krankheiten sind besonders schützenswerte und sensible Daten“, sagt Müller-Gemmeke. Und: „Es ist unsäglich, mit welcher Arroganz das Unternehmen Ryanair die Rechte von Beschäftigten mit Füßen tritt.“ Ryanair sollte schnell seinen Personalkurs ändern, geltende Gesetze beachten und die Rechte der Beschäftigten garantieren.

Die Gewerkschaft Verdi will die erhobenen Vorwürfe bei den für Freitag (26. Oktober) geplanten Tarifverhandlungen mit Ryanair ansprechen. Eigentlich soll es bei den Treffen unter anderem um höhere Gehälter für Flugbegleiterinnen und -begleiter gehen. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle verlangt außerdem mehr staatliche Kontrollen und die schnelle Einrichtung einer Arbeitnehmervertretung. „Es muss jetzt dringend ein Betriebsrat bei Ryanair installiert werden, um die notwendige Kontrolle zu gewährleisten“, teilte sie mit. Die Beschäftigten müssten zudem schnellstens bei Ryanair direkt angestellt werden. Beide Seiten hatten sich zuletzt am Freitag voriger Woche getroffen. mit dpa

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