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Die Macher der Sprachlern-App Babbel haben den Börsengang der Berliner Firma nur wenige Tage vor dem Start abgeblasen. Foto: dpa
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Absage in letzter Minute Warum Babbel plötzlich doch nicht an die Börse will

Ab Freitag sollte die Aktie der Sprachlern-App in Frankfurt gehandelt werden. Doch dann kam alles anders. Ein Grund dafür liegt in China.

Die Sprachlern-App Babbel wird doch nicht an die Börse gehen. Der für Freitag geplante erste Handelstag in Frankfurt ist vorerst abgesagt. Eigentlich wollte das Berliner Unternehmen rund 190 Millionen Euro einnehmen und strebte eine Börsenbewertung von bis zu 1,26 Milliarden Euro an.

Doch am Montag habe man plötzlich „sehr ungünstige Marktbedingungen“ vorgefunden und entschieden, den Börsengang „erst mittelfristig durchzuführen“, sagte ein Sprecher. Anfang der Woche hatte die Krise des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande die Kurse weltweit auf Talfahrt geschickt. Der Dax fiel auf den tiefsten Stand seit Mai.

Zweifel an den Plänen gab es schon länger

War das wirklich der Grund für Babbels Entscheidung? Der Analyst Timo Emden von Emden Research hält das für glaubhaft. Das Unternehmen habe es vermeiden wollen, „in einem fallenden Markt zum Börsenstart auf dem falschen Fuß erwischt zu werden“. Die Unsicherheit rund um Evergrande wiege offenbar schwerer als erwartet. Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) findet die kurzfristige Absage hingegen „insbesondere mit Blick auf die dem Vernehmen nach vollen Orderbücher zumindest überraschend“. Noch vor wenigen Tagen hatten sich Babbel-Vorstandschef Arne Schepker und beteiligte Banken zufrieden mit der Resonanz der Investor:innen gezeigt.

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Doch Zweifel an Babbels Börsenplänen gab es schon länger: Die Milliardenbewertung sei überzogen, hieß es. Das Geschäft mit dem digitalen Sprachenlernen könne unmöglich auch nach der Pandemie weiter so schnell wachsen.

Weitere Börsengänge könnten abgesagt werden

„Die Bewertung von rund 1,3 Milliarden Euro ist sicher ambitioniert“, sagt Kurz. Und auch der Vergleich von Babbel mit dem US-Konkurrenten Duolingo, der mittlerweile mehr als sechs Milliarden US-Dollar wert sein soll, tauge nur bedingt: „Duolingo legte 2020 ein Plus von 229 Prozent hin, Babbel wuchs in der gleichen Zeit um 19 Prozent“, so Kurz. Das Wachstum sei „einer der Treiber von Börsenkursen solcher Unternehmen“.

Emden hält derweil weitere Absagen von Börsengängen für denkbar. Ein Ende der „ungünstigen Marktbedingungen“ sei vorerst nicht zu erwarten. Die Geldpolitik der US-Notenbank und der Ausgang der Bundestagswahl würden weiter für Unsicherheit sorgen. „Unternehmen, die keinen dringenden Kapitalbedarf haben, und merken, dass sie nicht die erhoffte Summe erlösen können“, falle da eine Absage leichter, sagt Kurz. Ob Babbel so ein Fall ist, bleibt unklar.

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