Nur Kosmetik: Offensichtlich ist es auch bei den Updates zu illegalen Abschaltungen gekommen. Foto: imago/Jens Schicke
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Update Abgasskandal bei Volkswagen VW räumt "Auffälligkeiten" bei neuer Abgas-Software ein

Bei VW fallen neue Unregelmäßigkeiten auf. Betroffen ist ein Software-Update für Diesel. Verbraucherschützer pochen auf Hardware-Nachrüstungen.

Der Autokonzern VW kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus. Dieses Mal geht es ausgerechnet um das Instrument, mit dem der Dieselskandal aus VW-Sicht eigentlich beendet werden sollte: die Software-Updates. VW habe bei internen Qualitätskontrollen der Software-Updates für Diesel mit 1,2 Liter-Motoren des Typs EA 189 "Auffälligkeiten" festgestellt, teilte der größte deutsche Autohersteller am Sonntag mit. Man habe die zuständigen Behörden wie das Kraftfahrt-Bundesamt "unverzüglich aktiv informiert". Für Januar seien Termine vereinbart worden, "um die weitere Prüfung und Analyse gemeinsam mit Hochdruck voran zu treiben". Die laufenden Updates für die betroffenen Modelle werden vorübergehend ausgesetzt, bis die Firma FEV, die die Updates im Auftrag von VW entwickelt hat, weitere Informationen geliefert hat.

Das Bundesverkehrsministerium teilte am Sonntag auf Anfrage lediglich mit: Das Problem ist bekannt, der Vorgang ist in Prüfung beim Kraftfahrt-Bundesamt.

"BAMS": unzulässige Abschalteinrichtungen

Nach Informationen der "Bild am Sonntag" sollen Experten des Kraftfahrtbundesamts von einer unzulässigen Abschalteinrichtung ausgehen. Pikant: Diese sogenannten Defeat Devices waren die Auslöser des Dieselgate-Skandals. Ein VW-Sprecher wies gegenüber dem Tagesspiegel diese Vorwürfe jedoch zurück. "Wir wissen noch nicht, was genau los ist", betonte der Sprecher. Ob Manipulationen im Spiel seien, könne man nicht sagen. Deshalb sei derzeit auch völlig unklar, welche Konsequenzen drohen - ob Kunden etwa erneut in die Werkstätten müssen oder ob gar nichts geschehe.

32.000 Autos betroffen

Konkret geht es um 1,2-Liter-Diesel-Motoren des Typs EA 189. In Deutschland sind 32.000 Polo-, Golf-, Seat- oder Skoda-Modelle betroffen, weltweit sind es 500.000. Verglichen mit den gesamten Rückrufen, die VW allein in Deutschland abarbeiten muss, ist das ein vergleichsweise kleiner Teil. In Deutschland muss Volkswagen insgesamt 2,5 Millionen Diesel umrüsten, international sind es 10,2 Millionen Autos. Ist es möglich, dass auch die Software-Updates anderer Motoren Auffälligkeiten enthalten? Davon gehe man derzeit nicht aus, betont der VW-Sprecher und verweist darauf, dass in Deutschland 98 Prozent aller betroffenen Diesel inzwischen ein Update erhalten hätten. Bisher habe man keine Unregelmäßigkeiten festgestellt.

Verbraucherschützer fordern Hardware-Nachrüstungen

Verbraucherschützer sehen sich dagegen in ihrem Misstrauen gegenüber VW bestätigt. Der Umgang, den VW mit seinen Kunden pflege, sei ein "Skandal", sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller, dem Tagesspiegel. "Die Verbraucher haben leider schmerzlich erfahren, was bislang für den Volkswagen-Konzern unverzügliches Handeln bedeutet hat: Wir haben doch erlebt, dass VW verzögert, verschleiert und nur das bereits Bekannte zugibt." Angesichts der nun von VW zugegebenen Auffälligkeiten bei Software-Updates fordert Müller kostenlose Hardware-Nachrüstungen für manipulierte Diesel. "Beim Update einer Schummelsoftware wiederholt zu schummeln, das übersteigt alles Vorstellbare", kritisierte Müller das Krisenmanagement des Konzerns. "Wir brauchen endlich kostenlose Hardwarenachrüstungen mit Garantien und wir Verbraucherschützer gehen nun auch die gerichtliche Auseinandersetzung mit der Musterklage an", sagte Müller. Der Musterfeststellungsklage des VZBV haben sich bereits mehr als 200.000 Betroffene angeschlossen.


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