Anhänger der neuen Partei. 15.000 Mitglieder hat sie nach eigenen Angaben bereits. Foto: Imago/Eibner-Pressefoto/Uwe Koch
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Wie viel Querdenken steckt in „Die Basis“? Partei für Energetiker, Aidsleugner und Holocaustverharmloser

Sie wollen in den Bundestag. Und rechnen sich gute Chancen aus. Wie die Mitglieder der jungen Partei „Die Basis“ Deutschland verändern möchten. 

Im März haben sie in Hannover ihren ersten Bundesparteitag abgehalten. Er begann mit einer wichtigen Ansage. Man sorge sich um die Gesundheit aller Teilnehmer, sagte die Frau auf der Bühne!

Damit meinte sie nicht etwa, dass die vielen hundert Menschen in der Halle doch besser Masken aufsetzen sollten. Sondern dass nun Zeit sei, die Augen zu schließen und zu meditieren. „Geht in Verbindung mit der Erde unter Euch“, riet die Frau. „Wir sind wie die Bäume.“

Dann sprach sie von Strömen Richtung Universum, Herzensenergien und einem „morphogenetischen Feld“, das die Gedanken aller Anwesenden miteinander verbinde.

Die Partei „Die Basis“, die im Juli 2020 gegründet wurde und mittlerweile über rund 15.000 Mitglieder verfügt, ist in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, seit der Schauspieler Volker Bruch ihr beitreten möchte (netzpolitik.org berichtete). Zuvor hatten die Macher der "#allesdichtmachen"-Videos, zu denen Bruch zählt, jede Nähe zur Querdenken-Bewegung bestritten. „Die Basis“ gilt allerdings als äußerst querdenkernah. Was stimmt denn nun?

Gewählt zur „Säulenbeauftragten für Achtsamkeit“

Auf dem Bundesparteitag in Hannover wurde unter anderem ein neuer Vorstand gewählt. Dazu gehörte die Wahl zur „Säulenbeauftragten für Achtsamkeit“. Die Posten „Visionär“, „Stellvertretende Visionärin“ und „Querdenkerin“ wurden ebenfalls vergeben. Schaut man sich die tonangebenden Parteimitglieder an, so fällt auf, dass etliche im Bereich der Alternativmedizin arbeiten. Gleichzeitig sind viele prominente Corona-Verharmloser und Verschwörungsideologen dabei.

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Der Anwalt Reiner Fuellmich etwa, der behauptet, die Bundesregierung plane in der Pandemie „Schlimmeres“ als den Holocaust - und wolle „eine Art KZ“ für Nichtgeimpfte errichten. Fuellmich schätzte, jeder vierte Deutsche könnte an der Corona-Impfung sterben. Und dies sei von den Mächtigen so gewollt.

Als Bundestagskandidat der Partei tritt auch der Maßnahmenkritiker Sucharit Bhakdi an. Der fordert, man müsse „die Corona-Viren laufen lassen in der Bevölkerung“, weil die Menschen auf diese Art „eine Koexistenz mit diesen Viren aufbauen“ könnten.  

Corona als „harmloses Schnupfenvirus“

Als „neues prominentes Mitglied“ bewirbt die Partei zudem den Kieler Internisten Claus Köhnlein, der das Coronavirus als „harmloses Schnupfenvirus“ bezeichnete. Köhnlein hat Patienten, die mit Corona-Symptomen in seine Praxis kamen, nach Hause geschickt: „Ich hab gesagt, den Test machen wir nicht, weil ich ihn für unsinnig halte.“ 

Dass die Sterblichkeit zugenommen hat, erklärt sich Köhnlein so, dass Ärzte ihren Corona-Patienten wohl „hochtoxische Medikamente“ verabreicht und die Erkrankten als „Versuchskaninchen“ missbraucht hätten. 

Claus Köhnlein war in der Szene schon vor der Pandemie bekannt. Er hält Aids für eine „erfundene Krankheit“.

In der Partei „Die Basis“ gibt es auch Verbindungen zur AfD. Ein Mitglied des neuen Vorstands war bis November persönliche Referentin des bayerischen AfD-Landtagsabgeordneten Markus Bayerbach. Ein Bundestagsabgeordneter der AfD schleuste Mitglieder von „Die Basis“ mehrfach in den Bundestag, wo diese unter anderem illegal filmten. In einem Chat der Partei auf Telegram werden AfD-Inhalte verbreitet.

Es gibt „Die Basis“-Mitglieder, die gleichzeitig Mitglied in der AfD sind. Andere sind beim rechtsextremen, vom Verfassungsschutz beobachteten „Compact“-Magazin aufgetreten. Oder auf Propagandaveranstaltungen des Schweizer Sektengründers Ivo Sasek.

Eine Menge neuer Kleinparteien

„Die Basis“ ist nicht die einzige Partei, die sich wesentlich aus dem Lager der Corona-Verharmloser speist. Die Pandemie hat zu etlichen Neugründungen geführt, sie heißen „Widerstand2020“, „Wir2020“ oder „Aufwachen2020“,  aber auch „Widerstand Deutschland“ oder „Team Freiheit“. Manche sind untereinander zerstritten, haben sich gegenseitig Führungsfiguren abgeworben. „Die Basis“ gilt derzeit als die chanchenreichste Gruppierung. 

Sind Behauptungen wie jene, die Bundesregierung plane „Schlimmeres“ als den Holocaust und wolle „eine Art KZ“ für Nichtgeimpfte errichten, mit den Werten der Partei vereinbar? Glaubt auch der Vorstand, man solle dem Coronavirus freien Lauf lassen, um eine Koexistenz mit dem Menschen zu ermöglichen? Auf eine Anfrage des Tagesspiegels antwortet der neue Vorstand nicht.

Vorsitzende ist Diana Osterhage, eine Heilpraktikerin aus Hannover mit Schwerpunkt Homöopathie. Im Februar diesen Jahres gab sie ihre Praxis auf. Ein Grund sei gewesen, dass immer mehr ihrer Patienten nach  Ratenzahlung oder Preisnachlass gefragt hätten, schrieb sie auf ihrer Homepage. Allerdings stehe sie immer noch „als Lebenslagencoach und in der Stärkenentwicklung“ zur Verfügung.

„Lassen Sie sich nicht impfen!"

Im Bundesvorstand sitzt auch der Ex-Grüne David Claudio Siber. Auf Telegram verbreitet er Inhalte von szenebekannten Verschwörungsideologen, dem rechtspopulistischen Kopp-Verlag, Hans-Georg Maaßen und dem rechtsextremen „Compact“-Magazin. 

Siber vergleicht die Bundesregierung mit dem NS-Regime („Was soll denn heute anders sein als damals?“), ruft die Verfassungsrichter dazu auf, ihren Dienst zu verweigern, und fordert seine Anhänger auf: „Lassen Sie sich nicht impfen!" Im Bundesvorstand fungiert David Claudio Siber als „Beauftragter Medien“.

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Auch ein Berliner gehört zum Bundesvorstand der Partei: der Spandauer Kaufmann Alexander Harm, der ein Unternehmen für die Montage großer Aquarien führt und eine Feng-Shui-Ausbildung besitzt.  Im Internet schreibt er, er wünsche sich eine Politik „fernab der üblichen Klischees von Rechts und Links“.

Selbsteinschätzungen wie diese konnte man auf dem Bundesparteitag häufiger hören. Was viele Mitglieder von „Die Basis“ allerdings eint, ist der Hang, den Nationalsozialismus zu relativieren. Die Bundesregierung sei so diktatorisch wie das NS-Regime, heißt es, Maßnahmenkritiker seien die „neuen Juden“. Einige sehen ihren Protest gegen die Maßnahmen in der Tradition der Weißen Rose. Ein Mitglied stellte sich in Anspielung darauf in München auf den Geschwister-Scholl-Platz und verstreute Flugblätter. 

Volker Bruch, der „Babylon Berlin“-Star, der in „Die Basis" eintreten will, lässt eine Anfrage des Tagesspiegels unbeantwortet.  Dafür verrät er der „Welt", weshalb er ausgerechnet dieser Partei angehören möchte. Volker Bruch sagt: „Für mich sind hier die Inhalte ausschlaggebend. Die vier Säulen der ,Basis´ sind: Freiheit, Machtbegrenzung, Achtsamkeit und Schwarmintelligenz."  

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