1900 Liter Wasser sind nötig, um ein Kilogramm Avocados zu produzieren. Foto: Christin Klose/dpa
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Weltwassertag 2020 Avocado - die durstige Superfrucht

Avocados werden in westlichen Ländern immer beliebter. Das hat seinen Preis. Der Wasserbedarf ist enorm, ganze Anbauregionen trocknen aus.

Die Küche Mexikos ist ohne die grüne Guacamole Creme aus zerdrücktem Avocado-Fruchtfleisch einfach undenkbar. Allerdings gibt es den grünen Dip zur Tortilla in Mexiko selbst in letzter Zeit häufig nur noch als Fake, der statt aus Avocados aus Kürbissen gequetscht wird. Dank Chili-Öl und Knoblauch schmeckt so ein Fake zwar ähnlich wie echte Guacamole, nur fehlt leider ein erheblicher Teil der wertvollen Inhaltsstoffe einer Avocado wie das Spurenelement Kalium und die ungesättigten Fettsäuren. Diese für eine gesunde Ernährung wichtigen Substanzen stecken dann auch hinter dem Avocado-Mangel in Mexiko. Denn eigentlich ernten die Mexikaner mit rund 2,2 Millionen Tonnen und damit einem runden Drittel aller Avocados auf dem Globus mehr als genug. Nur geht diese Superernte zum allergrößten Teil in den Export, das meiste davon in das Nachbarland USA. Dort gelten die grünen Früchte nämlich mehr noch als in Europa als „Superfrucht“. Dafür greift man gern ein wenig tiefer in die Tasche und die Preise schießen in Höhen, bei denen die meisten Mexikaner einfach nicht mithalten können.

„So kostete im Sommer 2019 ein Kilo Avocados knapp fünf Euro“, erklärt Martin Geiger, der bei der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG in Köln für die Nachhaltigkeit verantwortlich zeichnet. Damit aber hat die mexikanische Jahresernte einen Wert von rund zehn Milliarden Euro, der Export boomt noch stärker und die Mexikaner können sich ihre eigenen Avocados nicht mehr leisten. Das aber ist nur eines der Probleme, die der Boom bei der Trend-Frucht Avocado in einigen Anbauländern mit sich bringt.

Ein riesiges Problem ist der veränderte Wasserhaushalt

„Der Import von Avocados hat sich in Deutschland von 2010 bis 2018 auf beinahe 94000 Tonnen mehr als verdreifacht“, berichtet DEG- Nachhaltigkeits-Chef Martin Geiger. In Staaten wie den USA entwickelt sich die Einfuhr der Früchte ähnlich. Um die steigende Nachfrage zu bedienen, weiten Länder wie Mexiko daher ihre Anbaufläche kräftig aus. „Dafür wird dann zum Beispiel Wald gerodet“, erklärt Martin Geiger. Besonders stark betroffen ist der Bundesstaat Michoacán in Zentralmexiko, in dem 80 Prozent aller Avocados des Landes geerntet werden. In der gleichen Gegend überwintern aber auch die Monarchfalter, die den Sommer in den USA und Kanada verbringen und im Herbst in einer der spektakulärsten Tierwanderungen auf dem Globus nach Zentralmexiko zurückwandern. Der Avocado-Boom könnte also auch dieses grandiose Naturschauspiel beeinflussen.

Ein riesiges Problem ist auch der veränderte Wasserhaushalt. Saugen doch die Wälder den im Bundesstaat Michoacán vor allem zwischen Juni und Oktober fallenden Regen wie ein Schwamm auf. Sind die Bäume erst einmal abgeholzt, drohen in dieser Zeit Überschwemmungen, während in den trockeneren Monaten der Natur das einst von den Wäldern gespeicherte Wasser fehlt. Dieser Mangel trifft nicht nur die Natur, sondern auch die Avocado-Plantagen, weil die Bäume sehr durstig sind: „Um ein Kilogramm Avocados zu ernten, werden 1900 Liter Wasser verbraucht, Bananen kommen mit der Hälfte dieser Menge aus“, erklärt der Süßwasser-Experte der Naturschutzorganisation WWF, Johannes Schmiester, in Berlin.

Noch dazu wachsen die Avocado-Bäume häufig in relativ trockenen Gegenden, in denen Wasser ohnehin knapp ist. Eines dieser Anbaugebiete ist die Provinz Petorca rund 150 Kilometer nördlich von Santiago de Chile. Dort beginnt die Küstenwüste, die sich einige Tausend Kilometer weit nach Norden bis in den Süden Ecuadors erstreckt. Im ganzen Jahr fallen dort gerade einmal 200 Liter Regen auf jeden Quadratmeter, in Berlin liegen die Niederschläge fast dreimal höher. Immerhin tragen die Flüsse aus den Anden einiges Wasser in die Region, das die Bauern in den Tälern seit Urzeiten für ihre Landwirtschaft nutzen.

Zumindest solange sich niemand die Wasserrechte sichert, die nach einem Gesetz aus der Zeit der Militärdiktatur im Jahr 1981 auch von Geschäftsleuten erworben werden können. Genau das haben die Besitzer der Avocado-Plantagen getan und saugen jetzt aus den Grundwasserschichten tief unter der Oberfläche das kostbare Nass nach oben, um damit ihre Bäume zu bewässern. Beim gewaltigen Durst der Avocado-Plantagen schwinden die Vorräte in der Tiefe rasch, und die Bauern weiter flussabwärts sitzen bald auf dem Trockenen.

Seit 1970 gibt es 83 Prozent weniger Süßwasser-Arten auf der Erde

Das Wasserrecht und die Avocado- Plantagen gefährden so nicht nur die Existenz der anderen Menschen, die flussabwärts leben, sondern setzen auch die Natur massiv unter Druck. Gehören doch die Flüsse, Bäche und Seen zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen auf der Erde: „Seit 1970 sind die Bestände der Süßwasser-Arten weltweit im Durchschnitt um 83 Prozent zurück- gegangen“, schildert der WWF-Experte Johannes Schmiester die dramatische Entwicklung, die sich in der chilenischen Provinz Petorca durch den riesigen Wasserverbrauch der Avocado- Bäume wahrscheinlich weiter verschlechtert.

Als Gegenmaßnahme empfiehlt Johannes Schmiester eine enge Kooperation der Menschen am gesamten Lauf eines Flusses, wie sie der WWF bereits in Kolumbien angestoßen hat: Pflanzen die Menschen oben in den Bergen Bäume, verbessern sie dort den Wasserhaushalt und damit auch die Versorgung für die Anrainer weiter flussabwärts. Dort sollten die Bauern das Wasser in Reservoirs sammeln und damit später gezielt und sparsam die Plantagen versorgen. „Statt die Felder zu fluten, sollte man also eine Tröpfchen-Bewässerung einsetzen“, erklärt Johannes Schmiester.

„Damit kann man Wasser sparen“, erläutert der DEG-Nachhaltigkeits-Chef Martin Geiger am Beispiel Marokkos, das ebenfalls Avocados anbaut und viel davon in die Europäische Union exportiert, die nach den USA der zweitgrößte Avocado-Importeuer auf der Erde ist. Leitet man das Wasser über Schläuche direkt zu den Pflanzen, verdunstet natürlich viel weniger Wasser. Dort tropft das Nass aus kleinen Löchern heraus und erreicht so auf recht direktem Weg die Wurzeln, die das Wasser dann aufnehmen.

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