Wie es duftet...Miguel Benito kreiert Mandelblütenparfüm. Foto: Dagmar Krappe
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Mallorca Da liegt was in der Luft
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Immer nur Süßmandelbäume

Franz Kraus kam 1990 auf die Insel. Vier Jahre später gründete der Rheinländer seine Eisfabrik und kurz darauf die Firma Fet a Sóller. „Das heißt: in Sóller hergestellt“, erklärt der Lebensmittelexperte. „Ich vertreibe einheimische Marmeladen, Olivenöle, Weine, Orangen, Zitronen, Wurst- und Käsespezialitäten und natürlich Mandeln – gehackt, gehobelt und gebrannt.“ Zu seinen Eisfavoriten zählt neben Orangen- auch ein hellbraunes Mandeleis. Die Paste zur Herstellung dieser sahnigen Spezialität bezieht er von der Kooperative Camp Mallorqui in Consell bei Inca.

Einige Kilometer entfernt im Dorf Mancor de la Vall am Fuß der Serra de Tramuntana beginnt eine weitere Wanderroute. Sie führt an endlosen Mandelbaumhainen vorbei, in denen zahlreiche Schafe weiden. Später in Caimari folgt ein alter Pilgerpfad bis zum Wallfahrtsort Kloster Lluc. Der Weg endet irgendwie zwangsläufig im Café „Sa Plaça“ im Klosterhof. Saftiger Mandelkuchen ist hier die angesagte Delikatesse.

„Auf Mallorca handelt es sich immer um Süßmandelbäume, ganz gleich, ob sie rosa oder weiße Blüten tragen“, erklärt Georgina Brunet. „Bittermandeln blühen zwar immer rosa. Nur werden diese Bäume herausgerissen, um die Ernte nicht zu verderben.“ Die 32-Jährige ist Geschäftsführerin des Mandelverarbeitungsbetriebs in Consell, einer Kooperative „zweiten Grades“. In ihr sind die Bauern nicht direkt organisiert, sondern 17 kleinere Kooperativen, in denen sich 900 Mitglieder zusammengeschlossen haben. 1983 gründeten die Landwirte die Organisation, um sich Ernte- und Verarbeitungsmaschinen zu teilen, die für jeden Einzelnen zu kostspielig wären.

Der Konkurrent aus Kalifornien

Die Mandeln werden von Mitte August bis Ende November angeliefert. Bis April läuft dann die Produktion. In der Industriehalle herrscht ohrenbetäubender Lärm. Die Knackmaschinen zertrümmern die äußere harte Hülle der Nussfrüchte. Die zerbrochenen Schalen werden als Heizmaterial verkauft oder ähnlich wie Rindenmulch in Gärten verwendet. Die Kerne kommen mit leicht bitterer dunkler Haut oder enthäutet als elfenbeinfarbenes Ganzes, als Blättchen, Splitter oder gemahlen in den Handel. „Die mallorquinische Mandel schmeckt sehr süß und zeichnet sich durch einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren aus“, sagt Georgina Brunet. „Jahrzehntelang wurde sie für Niederegger-Marzipan in Lübeck verwendet. Leider können wir die dort benötigte Menge nicht mehr liefern. Durch die Ungleichheit der Kerne ist die Verarbeitung auch zu teuer.“

Das größte spanische Mandelanbaugebiet befindet sich übrigens auf dem Festland – in Andalusien. Doch der stärkste Konkurrent der mallorquinischen ist die kalifornische Mandel. „Sie ist größer und ebenmäßiger. Lässt sich leichter ernten und verarbeiten und ist dadurch viel preiswerter“, sagt Georgina Brunet. „Auf Mallorca gibt es nur wenig Bewässerung. Pro Hektar ernten wir 150 bis 300 Kilogramm Mandeln. In Kalifornien sind es drei Tonnen.“ Wie bereits jüngst berichtet, bedroht der niedrige Weltmarktpreis für Mandeln mittelfristig den Erhalt der Bäume.

Wanderführerin Nicole Bea empfiehlt ihren Gästen noch eine Fahrt mit Ausblick: im hundert Jahre alten Nostalgiezug „Roter Blitz“ zwischen Sóller und Palma. Das Tal bei Bunyola ist mit Mandelbäumen übersät. Der mallorquinische Frühling entfaltet hier sein volles Bouquet. Und für zu Hause gibt es schließlich noch den Duft aus dem Flakon.

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