Diese Illustration zeigt eine Möglichkeit, wie „Oumuamua“ aussehen könnte. Foto: Kornmesser/AFP/ESO
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Rätseln über einen neuen Himmelskörper Bote einer fremden Zivilisation?

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Astrophysiker rätseln über die Herkunft von „Oumuamua“, einem im Oktober 2017 neu entdeckten Himmelskörper.

Als ein Teleskop auf Hawaii den Besucher aus den Tiefen des Weltraums am 19. Oktober 2017 entdeckte, entfernte er sich schon wieder von der Erde. „Oumuamua“ war auf seinem langen Weg aus unserem Sonnensystem heraus und die Astronomen hatten nur wenige Tage Zeit, diesen seltsamen Himmelskörper mit ihren Teleskopen zu untersuchen.

Seither rätseln die Forscher über diesen Asteroiden, der anscheinend in sehr vielen Millionen Jahren von einem fremden Sonnensystem zu uns kam und der wohl ganz anders aussehen dürfte als alle anderen Himmelskörper, die den Wissenschaftlern vor ihre Observatorien und Raumsonden kamen. Von einem gigantischen, vielleicht 500 Meter langen „Bleistift“ natürlichen Ursprungs bis hin zu einem „riesigen Segel einer fremden Zivilisation“, das vom Sonnenlicht angetrieben durch den Weltraum fliegt, reichen die Überlegungen.

Könnte „Oumuamua“, dessen aus Hawaii stammender Name einen „Boten aus einer fernen Vergangenheit“ vermuten lässt, etwa eine Raumsonde sein, die von intelligenten Lebewesen aus den Tiefen des Weltraums zu uns geschickt wurde? Genau diese Theorie stellt der Physiker Avi Loeb von der Harvard-Universität in den USA auf der Berliner „Falling Walls“-Konferenz und in der Fachzeitschrift „The Astrophysical Journal Letters“ vor. „Das ist allerdings nur eine von verschiedenen Möglichkeiten, von denen die meisten ohne eine fremde Technologie auskommen“, erklärt Alan Harris vom Berliner Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Seine Skepsis hat einen triftigen Grund: Mit „Oumuamua“ untersuchen die Forscher zum ersten Mal ein solches ungewöhnliches Objekt und das auch nur sehr flüchtig. Fest steht bisher nur, dass der Bote aus der Vergangenheit aus dem Weltraum zu uns kam und dass er eine sehr ungewöhnliche Form hat. Das schließen die Forscher allerdings nur aus den wenigen Beobachtungen im Herbst 2017, für weitere Untersuchungen ist der Himmelsbote inzwischen viel zu weit weg.

Es könnte auch ein gigantischer Bleistift sein

Zunächst hatten die Forscher geschätzt, dass es sich um ein Objekt ähnlich einem gigantischen Bleistift handeln könnte, der zwischen 230 und 1000 Metern lang und 35 bis 137 Meter dick sein dürfte. „Allerdings kennen wir noch nicht einmal die Masse von ,Oumuamua’“, sagt Alan Harris. Das bedeutet, dass der Besucher auch ganz anders aussehen könnte. So wäre auch ein überdimensionales Blatt Papier möglich. Oder eben ein riesiges Segel.

Damit könnte Avi Loeb natürlich auch die ungewöhnliche Bewegung von „Oumuamua“ erklären: Irgendeine unbekannte Kraft scheint nämlich das Objekt ein klein wenig zu beschleunigen. Das könnte nach den Berechnungen von Avi Loeb das Sonnenlicht sein, das ähnlich wie der Wind auf den Weltmeeren einst Segelschiffe antrieb, im Weltraum auch ein Sonnensegel beschleunigen könnte. „Es könnte aber auch eine ganz andere Kraft dahinterstecken“, argumentiert Alan Harris. So heizt das Licht zum Beispiel Kometen auf, die sich auf ihrer Bahn der Sonne nähern. Wie bei einem Schneeball verdampft ein wenig Eis. Dieser Wasserdampf strömt mit Staub gemischt wie aus einer Raketendüse aus dem Kometen heraus und beschleunigt ihn dabei auch ein wenig.

Avi Loeb hält diese und einige weitere Möglichkeiten für wenig wahrscheinlich. Übrig bleibt seiner Meinung nach daher nur eine Art Segel, das vom Sonnenlicht angetrieben wird. „Ausschließen können wir das zwar nicht“, meint Alan Harris, „aber es gibt auch noch andere, natürliche Möglichkeiten, die noch untersucht werden müssen“. Gelegenheit dafür gibt es durchaus: Astrophysiker schätzen, dass derzeit vielleicht zehntausend natürliche Objekte mit einer Größe von rund 100 Metern in unserem Sonnensystem unterwegs sind, die aus den Tiefen des Weltraums stammen. Vielleicht verraten sie uns die Geheimnisse, die „Oumuamua“ derzeit noch einhüllen. Das meinen übrigens Avi Loeb und Alan Harris gleichermaßen.

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