Der Jadeboden im Laden von William Fan. Foto: promo
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Berlin Fashion Week Lass uns shoppen gehen

Celina Plag
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Berliner Designer tun gut daran, ihr eigenes Geschäft zu eröffnen. Nur so können potenzielle Kunden die Kleider sehen, anfassen und anprobieren. Das kann man sich jetzt am Beispiel William Fans ansehen.

Große Hamburger Straße, ein kleiner Hinterhof in Berlin-Mitte. Hier hat der Designer William Fan seine Boutique. „Ich freue mich, unserem loyalen Kundenstamm endlich ein Geschäft mit Öffnungszeiten präsentieren zu können“, sagte er zur Eröffnung Ende April. Für das 2015 gegründete Label ist das ein weiterer Schritt in Richtung Professionalisierung. Bislang konnte man nur nach Absprache in Fans Atelier kommen. Wer spontan vorbeischauen wollte oder sich bei einem fixen Termin zu sehr unter Kaufdruck sah, ging dem jungen Kreativen als potenzieller Kunde durch die Lappen. Damit ist es jetzt vorbei.

Wer nach kurzem Klingeln an der Haustür die Räumlichkeiten betritt, muss anstatt auf die Kleider an den Stangen oder die Accessoires in der hölzernen Show-Vitrine erst mal nach unten blicken. Tatsächlich ist der handbemalte Jadeboden ein echtes Schmuckstück des Ladens, der mit seiner milchig grünen Maserung glatt und glänzend über die gesamte Fläche zu fließen scheint.

Jade kommt ursprünglich aus China, der Look ist eine Anspielung an die chinesischen Wurzeln des Modedesigners. Auch in seinen von Arbeitskleidung inspirierten Unisex-Kollektionen stellt Fan immer wieder Kulturbezüge zur familiären Heimat her. Das passt im Shop gut zusammen: „Ich wollte einen Raum schaffen, in dem alles, von der Eingangstür bis zur Umkleidekabine, meine Handschrift trägt“, sagt er.

Berliner Modedesigner tun gut daran, ihr eigenes Geschäft zu eröffnen. Zumal, wenn sie auch auf der Fashion Week mit einer eigenen Schau für mediale Aufmerksamkeit sorgen. Die kann schnell verpuffen, wenn es keinen Ort gibt, an dem Neugierige die Bilder der Kleider mit der Realität abgleichen können. Auch William Fan zeigte seine Kollektion für Sommer 2019 am Freitagmorgen im Garten des Kronprinzenpalais.

Den entscheidenden Vorteil sieht er in der vollen Entscheidungsfreiheit über die Markenpräsentation und Art und Weise des Kundenkontakts. Was natürlich nicht bedeutet, dass Labels nicht auch in anderen Läden hängen sollten. Oft ist das Problem besonders bei jungen Marken, dass es überhaupt keine Anlaufadresse gibt und es selbst Insidern als Akt der Unmöglichkeit erscheint, die Kleider der Modeschöpfer zu sehen, anzufassen, anzuprobieren. Womit man wieder bei der ewigen Dauerschleifenproblematik der Berliner Modebranche angekommen wäre: Keine Käufer, keine nächste Kollektion!

Frisch vom Laufsteg. Mode von Maisonnoée. Foto: Getty Images for MBFW
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Eine eigene Boutique ist aber nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich auch jemand kommt und das wirtschaftliche Potenzial nicht von zu hohen Mieten aufgefressen wird. Deshalb hat sich William Fan etwas Besonderes überlegt: Sein Geschäft soll eine „interdisziplinäre Begegnungsstätte“ werden, mit regelmäßig stattfindenden Ausstellungen oder Konzerten. Zur Eröffnung während des Gallery Weekends hingen die Arbeiten des Fotografen Marius Glauer an den Wänden.

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An welchen Orten in Berlin man William Fans Boutique und Mode von den anderen Designern finden kann, die ihre neuesten Entwürfe in dieser Woche auf der Fashion Week präsentierten, haben wir hier für Sie zusammengestellt.

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