Damir Doma präsentierte seine Kollektion im Berliner Nachtclub Berghain. Foto: Soeren Stache/dpa
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Berlin Fashion Week Die Viertelstunde der Wahrheit

Grit Thönnissen
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Die Schau von Damir Doma war der Höhepunkt der Berlin Fashion Week. Sonst zeigt er seine Männer- und Damenkollektion gemeinsam auf der Mailänder Herrenmodewoche. Ein Gespräch über die Suche nach dem Ungewöhnlichen.

Ihre Schau im Berghain war ein besonderer Moment der Fashion Week.
Die Durchschnittsschau kann relativ langweilig sein, aber wenn man es schafft, dass die Inhalte stimmen und alles so zusammenkommt, ist es ein spezieller Augenblick, den man nicht reproduzieren kann. Das spürt jeder, der da ist. Es ist unglaublich, was für eine Energie und Begeisterung entsteht. Viele Leute haben mir nach der Schau gesagt: Ich habe eine Träne verdrückt. Das kann man nicht mit Videos oder mit Social Media erreichen.

Ist der besondere Moment für Ihre Arbeit wichtig?
Wir versuchen, das zu pushen. Mich hat jemand gefragt, warum ich das Berghain ausgesucht habe. Dazu konnte ich nur sagen: Die Location hat mich ausgesucht.

Es war die Vogue-Chefin Christiane Arp, die Sie gefragt hat, ob Sie etwas im Berghain machen wollen.
Ja, sie hat sofort an mich gedacht. Wir machen schon immer Shows an ungewöhnlichen Orten. Wir haben in Mailand in einem besetzten Haus gezeigt, in der Stazione Centrale vor einem Zug. Einmal haben wir zwei Garagen zusammengelegt, da mussten die Models über die Straße laufen. Deshalb ist es kein Zufall, dass ich die Schau im Berghain gemacht habe.

Lösen sich die festen Strukturen der Modewochen auf?
Absolut, deshalb bin ich in Berlin. Vor drei Jahren hätte ich sicher nein gesagt. Aber dadurch, dass die alten Systeme in der Mode aufbrechen und nicht mehr so statisch sind, ist viel mehr möglich. Wir müssen in Zukunft mehr darauf achten, was die Marke zum jeweiligen Zeitpunkt braucht. In zwei Wochen eröffnen wir den ersten Laden in Schanghai. Wir wollen mit dem dortigen Partner eine Schau machen. Aber es wird schwierig, noch mal einen Raum wie das Berghain zu finden.

Haben Sie zu diesem Club eine besondere Beziehung?
Viele große DJs tragen unsere Kleidung. Ich habe zum Betreiber Norbert Thormann gesagt: Ich würde gern mit einem DJ von euch arbeiten. Also hat mir Norbert einen Stapel mit CDs gegeben, ich habe mich ins Auto gesetzt, die Musik aufgedreht und mich für Barker & Baumecker entschieden.

Die Models waren echte Typen.
Ich versuche immer möglichst viele verschiedene Charaktere zu finden. Es ist ziemlich einfach, schöne Models zu casten, aber das ist nicht mein Ding. Es ist mir wichtig, Leute in meine Kleidung zu stecken, die ich mag und zu denen sie passt.

Sehr lange Ärmel bei Damir Doma. Foto: Soeren Stache/dpa
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Sie zeigen seit zwei Jahren Ihre Männer- und Frauenmode gemeinsam bei der Herrenmodewoche in Mailand.
Das macht einen riesigen Unterschied. Wir waren die Ersten, die damit angefangen haben. Aber wenn man Männer und Frauen zusammen zeigt, muss man eine Beziehung zwischen beiden schaffen, du kannst ja nicht zwei verschiedene Kollektionen auf den Catwalk schicken.

Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?
Als ich 2008 angefangen habe, für Frauen zu entwerfen, habe ich versucht, eine sehr weibliche Kollektion zu machen, gleichzeitig wurde meine Männermode männlicher. Dann ist mir klar geworden, dass viel Inspiration von den Frauen zu den Männern geht und andersherum. Viele Frauen tragen meine Herrenkleidung, das war ja auch der Grund, warum wir mit den Frauenkollektionen angefangen haben. Ich fand es vor allem für die Männer spannend, weil die Kollektion dadurch offener geworden ist, nicht mehr so monochrom und streng.

Das liegt schon lange in der Luft, oder?
Wenn ich eine Kollektion beginne, achte ich ja auf meine Gefühle. Das grundlegende Gefühl, das ich jetzt habe, ist Unsicherheit, Ängstlichkeit, Chaos und Unberechenbarkeit. Ich glaube, diese Gefühle haben im Moment viele. Es ist mein Beruf, das auf Kleidung zu übertragen.

Angst ist ja nicht nur schlecht.
Nein, das gibt ja so eine Fragilität, die interessant ist. Es geht darum, was man aus diesen Gefühlen macht.

Sie sind von Paris nach Mailand gezogen. Warum?
Ich habe neun Jahre in Paris gelebt, aber immer schon in Italien produziert. Also bin ich wöchentlich nach Mailand geflogen mit Easyjet um 6.20 hin und 21.20 zurück. Nach drei Jahren hat es mich wirklich geschlaucht. Also haben wir beschlossen, alles nach Italien zu verlegen. Ich bin glücklich in Mailand und habe mir mit meiner Freundin dort eine Wohnung gekauft. Ich bin richtig sesshaft geworden.

Damir Doma war einer der wenigen Designer, die während der Berlin Fashion Week auch Herrenmode zeigten. Foto: Soeren Stache/dpa
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Nach Kroatien ist es auch nicht weit?
Ja, meine Mutter lebt nicht mehr am Chiemsee. Sie ist in Rente gegangen und hat sich auf einer Insel ein wunderschönes Haus mit Olivenhain gekauft. Dadurch bin ich sehr selten in Deutschland.

Wie gehen Sie mit dem Klischee um, dass alle denken, die Mode von Damir Doma ist schwarz?
Ich arbeite seit sechs Jahren gegen das Klischee an, aber wenn man mal in so einer Box sitzt, dauert es ewig, sich da herauszuarbeiten. Es gibt immer noch Leute, die denken, Damir macht keine Farben. Für mich war Schwarz nie etwas Negatives, für mich hat das eine Tiefe. Es ist eine reine Fläche.

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