Harald Martenstein feiert heute seinen 65. Geburtstag. Foto: Britta Pedersen/dp
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Matthies gratuliert Martenstein Mann, weiß, hetero - 65 Jahre alt

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Er pointiert und provoziert - dass seinen Humor und seine Ironie dabei nicht alle verstehen, ist ihm herzlich egal. Heute wird Harald Martenstein 65.

Das Problem, da sind sich praktisch alle einig, sind die alten weißen Männer. Zumal jene, in deren stur heterosexuellem Beharren sich die Unfähigkeit zeigt, bunte, vielfältige Lebensentwürfe zu akzeptieren. Allerdings bleibt da ein Problem: weiß, Mann, hetero, das lässt sich halbwegs eingrenzen. Aber alt?

Der 65. Geburtstag könnte das entscheidende Kriterium sein. Wer ihn – wie heute Harald Martenstein – erreicht, hat alle Indizien gegen sich und ist fortan dazu verdammt, den öffentlichen Diskurs von der Anklagebank aus zu verfolgen, das ist hart, aber so sind die Regeln.

Willkommen im Club, lieber Harald

Willkommen im Club, lieber Harald, auf den Wellen der Identitätspolitik surfen jetzt die anderen, die mit den Sternchen und den 60 Geschlechtern. Ach, seit Freitag sind es 61, höre ich – die Ökosexuellen.

Aber darin liegt auch eine Chance. „Ich bin traumatisiert, vielleicht sogar verbittert durch die Tatsache, dass ich zu keiner einzigen gesellschaftlichen Opfergruppe gehöre“, hast du mal geschrieben. Das mochte damals zutreffen, jetzt aber ist es vorbei, denn wir alten weißen Männer hängen zwar noch irgendwie formal an der Macht, aber in Wirklichkeit ist sie uns entglitten, ein Schatten im Raum wie das Lächeln der Katze aus „Alice im Wunderland“. Opfer auch wir!

Harald Martenstein, das sage ich jetzt mal an die Adresse der Leser, ist insofern ein Phänomen, als ihm das im Grunde völlig egal ist. Er hat nicht nur längere Haare, sondern auch mehr Ich-Texte geschrieben als praktisch jeder andere in seinem Geschäft. Das bestimmt deren Richtung stärker als alle politisch-ideologischen Vorgaben. Wir müssen ihn uns als eine Art reifen Hippie vorstellen, der im gefühlten Gleichgewicht mit der Welt leben will – und möchte, dass alle anderen das auch tun dürfen, ganz nach ihrer Façon.

65, weiß, Mann, hetero,Hundehalter: voll das Opfer

Man nennt diese Haltung liberal. Und vermutlich ist keiner mehr verwundert als er selbst, wenn er plötzlich auf den schwarzen Listen von irgendwelchen Leuten auftaucht, die seinen Spott völlig zu Recht auf ihr Tun beziehen, aber mit Humor und Ironie so wenig anfangen können wie Godzilla mit einer Häkelnadel. Das heißt: Ganz verwundert ist er nie, weil es ihm auch einfach zu viel Spaß macht, in Debattengewittern immer mal wieder eine provokante Abkürzung zu finden.

Wenn er also in Urlaub ist und die für ihn reservierte Stelle auf der Seite 1 am Sonntag anderweitig gefüllt wird, dann ärgern sich alle: die, die ihn gern lesen, und die, die sich gern über ihn ärgern. (Und oft auch die Leitartikler, denen er auf derselben Seite widerspricht.) Das muss einer erst mal hinkriegen.

Sagte ich eigentlich auch schon, dass er einen Hund hat? 65, weiß, Mann, hetero, Hundehalter: voll das Opfer, und ganz zufrieden damit. Soweit wir wissen.

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