Schloss Plaue fällt bisher vor allem durch morbiden Charme auf. Das Gebäude soll aber Stück für Stück renoviert werden. Foto: Robert Rauh
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Wanderungen mit Fontane Plaue und das Haus am See

Robert Rauh
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Hier las der Dichter Schopenhauer und wähnte sich fast am Bosporus. Teil zwei einer Fontane-Serie.

Zum Philosophieren kam Fontane nach Plaue. Nicht in erster Linie wegen des großen Schlosses, wie man annehmen könnte, sondern wegen einer Villa ganz in der Nähe, die einer „spezifisch märkischen Figur“ gehörte: Carl Ferdinand Wiesike. Die alte Ziegelei liegt dem „Schloss Plaue gegenüber“, Wieseke, der gebürtige Brandenburger, pachtete sie 1823 trotz aller Warnungen, frühere Pächter seien dort am regelmäßigen Havelhochwasser gescheitert. Überzeugt vom eigenem Tun, begann der Landwirt, das Gebiet einzudeichen und zu kultivieren – und wandelte das Areal „in einen Garten-Eden um“. Später kaufte er das Grundstück, zog sich 1853 aus dem Tagesgeschäft zurück und ließ hier eine Villa errichten. Fortan, so schrieb Fontane später über Wiesike, begann „sein eigentliches Leben, ein Leben, das von diesem Zeitpunkt an nur noch drei Dingen gewidmet war: der Schöpfung eines Parks, der Homöopathie Hahnemanns und der Philosophie Schopenhauers“.

20 Jahre danach kam Fontane „in großer Kumpanei“ erstmals in die Villa Wiesike nach Plaue. Zwischen 1874 und 1880 stattete er dem Freund und der Villa mindestens einmal im Jahr einen Besuch ab – die dort verbrachten Stunden „zwischen Schopenhauer, altem Rheinwein und Naturgenuss gewissenhaft teilend“.

Plaue hat es zwar nicht in den Havelland-Band der „Wanderungen“ Fontanes geschafft, dem Kontakt zwischen dem Schriftsteller und dem „Einsiedler in diesem Sanssouci“ verdankt der Ort zumindest einen Platz in Fontanes Buch „Fünf Schlösser“. Und den schönsten Dichter-Satz über das Havelstädtchen: „Alles geschah im Freien, vom Morgenkaffee an, und der ganze Kreislauf der Ernährung vollzog sich unter Plaues ewig blauem Himmel.“

Die Fenster eingeschlagen, der Putz bröckelt

Der blaue Himmel ist zuweilen noch zu beobachten, die Villa vom Schlossufer allerdings nicht mehr zu sehen. Versteckt im völlig verwilderten Wiesike-Park führt sie seit Jahrzehnten einen Dornröschenschlaf. Die Fenster sind eingeschlagen, der Putz bröckelt von den Fassaden, im Mauerwerk bilden sich bedrohliche Risse. Dachrinnen und Fallrohre sind defekt.

Doch nun scheint der Prinz gefunden. Ein Leipziger Unternehmer, der das 11 000 Quadratmeter große Grundstück in diesem Jahr gekauft hat, will die Villa nicht nur sanieren und selbst einziehen, sondern kündigte an, auch den Park und die Sichtachse zum Schloss wieder herzustellen.

Dort, beim großen Nachbarn Schloss Plaue, ist man schon einen Schritt weiter. Seit 2010 saniert der Investor Andreas Keuchel die dreiflügelige Anlage schrittweise denkmalgerecht und hat das Gebäude darüber hinaus zu einer Eventlocation ausgebaut. Konzerte, Lesungen und Vorträge werden mit Gastronomie kombiniert. Vor allem Berliner Besucher nutzen dieses Angebot – und auch die Übernachtungsmöglichkeiten – gern, wahlweise im Hausboot oder im Hotel, das in dem restaurierten ehemaligen Verwalterhaus untergebracht ist.

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