Malerische Schönheit. Die Strandhütten des Hotels Cape du Eden Rock hat Marc Chagall verewigt. Foto: Oetker Collection
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Urlaub in der Provence Wie sich Hotels an der Côte d’Azur mit Kunst schmücken

Felix Denk
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In der Luft das Zirpen der Grillen, im Garten surreale Skulpturen: An der französischen Riviera bilden Natur und Kultur eine einzigartige Liaison.

Schwer zu sagen, was spektakulärer ist: der Ort oder die Kunst. Da ist einmal der Park des ehrwürdigen Hotels Château Saint-Martin, das sich auf den Ruinen einer Burg der Tempelritter aus dem 12. Jahrhundert befindet. Hier summen die Hummeln von Lavendelhecken zu Rosmarinsträuchern, alte Eichen und knorrige Olivenbäume schmiegen sich an den Hang. Von den letzten Ausläufern der Seealpen sieht man das Mittelmeer in der Ferne glitzern.

Mag die Côte d’Azur vielerorts verbaut sein, mag der Stau von Nizza nach Cannes in den Sommermonaten endlos erscheinen, hier oben schwebt man ziemlich über den Dingen.

So, und hier, wo das ganze Naturglück der Provence auf engstem Raum duftet und blüht, reckt sich hinter dem Pool einer der berühmten Bögen des Bildhauers Bernar Venet in die Höhe. Ein Arc mit geschwungenen, gerosteten Stahlträgern, die den Col de Vence kraulen, auf dem die Hotelvillen stehen, in die sich jene Sorte Stars einmietet, deren Namen man in einem Haus wie diesem aus Gründen der Diskretion nicht rausrückt.

Hotels, die sich mit Kunst schmücken, gibt es auf der ganzen Welt. Berühmt ist das Grand Dolder in Zürich. Dort hängen nicht nur Bilder von Salvador Dali und Andy Warhol, eine iPad-Führung erläutert außerdem die mehr als 100 teils bedeutenden Werke des Hauses. Im Hotel Castell im Engadin ist die Kunst Teil der Architektur, dank eines zylinderförmigen Lichtturms von James Turrell und der knallroten Bar von Pipilotti Rist. Im Schloss Fuschl im österreichischem Salzkammergut schläft man mit alten Meistern über dem Bett – jedenfalls wenn man eine Suite bucht.

Gigantische Skulpturen stehen auf der Wiese

Wahrscheinlich ist die besondere Liaison zwischen Kunst und Hotellerie jedoch nirgends so innig und lange gewachsen wie an der französischen Riviera. Es passt ja auch zu gut: Die Hotels profilieren sich, die Künstler bekommen eine Öffentlichkeit, die über den Kunstbetrieb hinausreicht.

Drei weitere Stahlbögen der Arc-Serie des französischen Bildhauers Venet stehen wie Fernrohre auf das Château gerichtet neben der Einfahrt. Auch wenn Stolz für einen ausnehmend eleganten Herrn wie Duarte Bon de Sousa natürlich nichts ist, was man sich anmerken lassen würde: Die Freude über das, was sich im Garten des Hotels befindet, das er leitet, die kann man ihm doch ansehen. Allein dass alles geklappt hat. Irgendwie mussten sich die Laster mit den tonnenschweren Skulpturen ja durch die engen, engen Straßen mit den vielen, vielen Kurven in die Höhe schlängeln. Und dann stehen die Bögen ja auch noch genau auf der Wiese, unter der die Tiefgarage ist, da mussten die Ingenieure noch mal exakt nachrechnen, ob die Betonplatte das überhaupt aushält. Jetzt ist die größte Herausforderung, dass das Gras schön nachwächst. Wenige Wochen nachdem die Skulpturen ihren Platz für diese Saison fanden, muss man sehr genau hinschauen, um noch braune Stellen zu sehen.

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In Berlin kennt man Venet am ehesten wegen seiner etwas unglücklich platzierten Skulptur, die Frankreich der Stadt zur 750-Jahre-Feier geschenkt hat. Sie schmückt die verkehrsumtoste Straßeninsel vor der Urania und ist von den umliegenden Bäumen ziemlich eingewachsen. Viel besser kann man den Künstler eine gute Autostunde vom Château Saint-Martin entfernt kennenlernen, wenn man einfach Richtung Westen fährt.

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