Schichtwechsel. Mit Kleintransportern werden die Fahrer abgeholt und ausgetauscht. Foto: Crina Boros
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Recherche von Investigate-Europe Zehntausende Lkw-Fahrer werden nicht überprüft

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Ihre Zulassungen werden kaum überprüft und ihre Bezahlung ist schäbig. Wie die EU zehntausenden Lkw-Fahrern aus Osteuropa ihre Rechte verweigert.

Die polnischen Behörden haben zigtausenden Wanderarbeitern aus der Ukraine und anderen Ländern außerhalb der EU ohne genaue Prüfung die Zulassung als Lkw-Fahrer für die gesamte Europäische Union erteilt. Der Nachweis der technischen Qualifikation und körperlichen sowie psychischen Gesundheit der Fahrer ist EU-weit Vorschrift, wird in Polen aber praktisch nicht kontrolliert, berichtet das Journalisten-Team Investigate Europe (im Tagesspiegel „Sonntag“) nach Recherchen bei der polnischen Aufsichtsbehörde für den Straßentransport. Mittels der sogar in Kasachstan und den Philippinen rekrutierten Arbeiter versucht die europäische Logistikbranche, den   Mangel an Fahrern auszugleichen und einen Anstieg der Lohnkosten zu vermeiden. Nach Angaben der EU-Kommission werden Jahr für Jahr mehr als hunderttausend solcher Testate ausgestellt, davon rund 65000 in Polen.

Eine amtliche Prüfung der Dokumente fand nicht statt

Für die Zulassung als Lkw-Fahrer fordert das EU-Recht für Arbeiter aus Nicht-EU-Staaten Nachweise über einen festen Wohnsitz im Land des Arbeitgebers, die Fahrerqualifikation für schwere Lastzüge sowie eine medizinische und psychologische Eignungsprüfung durch amtlich zugelassene Ärzte. Doch in Polen mussten die interessierten Unternehmen bis vor kurzem lediglich ankreuzen, dass ihnen die entsprechenden Dokumente vorliegen. Eine amtliche Prüfung fand nicht statt, bestätigte die Leiterin der Behörde, Magorzata Wojtal-Bialaszewska, auf Nachfrage von Investigate Europe.

Erst seit März 2018 müssen die Spediteure zumindest Kopien beibringen. Ob diese echt sind, könne aber mangels Personal nur selten geprüft werden, gesteht die Behördenchefin. Das heißt, die tatsächliche Eignung von zigtausend Lkw-Fahrern, die mit 40 Tonnen im Rücken über Europas Straßen fahren, wurde nie amtlich untersucht. Gleichzeitig registrieren die Polizeibehörden in Belgien und Deutschland viele schwere Unfälle mit Lkw, die in osteuropäischen Ländern registriert sind.

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Die ganze Recherche lesen Sie heute im Tagesspiegel Sonntag.

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