Heute Abend startet auf ProSieben die neue Show "Late Night Berlin" mit Klaas Heufer-Umlauf. Foto: ProSieben/Andreas Franke
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Interview mit Klaas Heufer-Umlauf „Jeder hat das Recht, verarscht zu werden“

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Er machte Halligalli mit Joko Winterscheidt und sollte „Wetten, dass ..?“ moderieren. Klaas Heufer-Umlauf über Ausbeutung bei Viva und seine neue Late-Night-Show.

Herr Heufer-Umlauf, am Montag startet Ihre Late-Night-Show auf ProSieben. Den ersten Wunschgast haben Sie sich über Twitter eingeladen: Sigmar Gabriel soll bei Ihnen „Dampf ablassen“.

Er ist ja sonst nicht so inaktiv bei Twitter, aber diese Einladung hat er ignoriert.

Was sollte er Ihnen erzählen?

Ich hatte ihn eingeladen, als es damals so aussah, dass Martin Schulz statt ihm Außenminister würde. Es dürfen aber alle zu mir kommen, auch Gerhard Schröder, den habe ich neulich auf einer Veranstaltung in München erlebt. Er war mit seiner neuen Partnerin da …

… die aus Südkorea stammt …

… jemand drückte ihr Blumen in die Hand und sagte: Herzlich willkommen in Deutschland. Schröder antwortete: Ja, das will ich wohl meinen.

Mit 34 übernehmen Sie die schwierigste Disziplin des Unterhaltungsfernsehens. Ist Ihr Napoleon- Komplex damit kompensiert?

Mal sehen. Aus dem Prädikat „junges Talent“ wachse ich gerade raus, ich bin jetzt die Übergangsjacke der Late-Night-Unterhaltung. Nur befürchte ich, dass kein Mensch in Deutschland auf eine Show im Nachtprogramm wartet. Man redet von Königsdisziplin, aber eigentlich gilt das hierzulande nicht.

Früher gab es Stefan Raab mit „TV Total“.

Es gab auch Harald Schmidt, Jan Böhmermann macht auf ZDF Neo etwas Vergleichbares. Aber das Genre ist nicht in der Fernsehkultur verankert wie in Amerika. Dafür haben wir in Deutschland unsere Talkshows. Wie Fassbinder rumpöbelt oder Romy Schneider Burkhard Driest die Hand aufs Knie legt, das sind die Momente, die uns spät am Abend kulturell geprägt haben. Markus Lanz ist unser Lagerfeuer, weil er direkt daran anknüpft mit seiner typischen Runde: Er hat einen Experten, einen Politiker, einen Kontroversen und einen, der seit 40 Jahren mit dem Unimog durch Afrika fährt und davon berichtet.

Klaas Heufer-Umlauf

Klaas Heufer-Umlauf, 34 moderierte zuerst für die Musiksender Viva und MTV, bevor er ab 2010 Sendungen für ProSieben übernahm. Besonders die Show „Circus Halligalli“, die er zusammen mit Joko Winterscheidt konzipierte, hatte jahrelangen Erfolg. Das Duo erhielt 2012 den Deutschen Fernsehpreis. Ab kommendem Montag ist Heufer-Umlauf erstmals als Gastgeber einer eigenen Late-Night-Show zu sehen. „Late Night Berlin“ läuft jeden Montag um 23 Uhr auf ProSieben. Klaas Heufer-Umlauf ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt mittlerweile in Berlin. Zum Interview erscheint der gebürtige Oldenburger etwas gehetzt im Büro seines Managers. Klaas, wie ihn alle Mitarbeiter nennen, ist gerade aus München gelandet, wo er am Abend zuvor eine Veranstaltung moderierte, und hat noch keinen Kaffee intus. Die Stewardess hatte ihm versehentlich Tee gereicht. Trotzdem sieht Heufer-Umlauf perfekt in Form aus. Er ist gelernter Friseur und hat nach eigener Aussage einen einzigen Haarschnitt richtig gut drauf – und zwar den, den er selber trägt.

Sie waren selbst häufiger zu Gast. In welcher Rolle wurden Sie gecastet?

Als der Witzige. Und wenn ich es nicht war, nahmen alle an, ich hätte schlechte Laune. Was soll ich machen, wenn ich nichts Witziges gefragt werde?

Ihnen kommt das Talkprogramm auch aus einem anderen Grund entgegen. Sie müssen Ihre Gäste nun nicht mehr jugendlich umarmen wie früher bei „Circus Halligalli“ mit Joko Winterscheidt.

Grundsätzlich finde ich es besser, sich die Hand zu geben. Manchmal gerate ich in Situationen, in denen ich jemanden umarmen muss, dann wird es hampelig. Wenn du einen wie Joko neben dir hast, der am liebsten nach jeder Show die Kabelhilfe auf den Mund küsst, wirkt man am Ende distanziert.

Robbie Williams hat Sie bei einem Duett in die Arme genommen und abgeknutscht.

Er darf mich jederzeit wieder küssen, bei einzelnen Lichtgestalten mache ich eine Ausnahme. Ich bin in Norddeutschland aufgewachsen, da ist man schon froh, wenn man miteinander spricht.

Mit Joko Winterscheidt an Ihrer Seite haben Sie jahrelang erfolgreich moderiert. Wird er Ihr Sidekick in der neuen Sendung?

Ich möchte am liebsten jemanden, der gar nicht ins Fernsehen will.

Joko muss man eher von der Kamera wegzerren.

Das ist ja auch sein Job. Aber es ist klar, dass er es nicht wird. Wir sind ja nicht Howard Carpendale, der zehnmal sagt: Große Abschiedstournee, und zwei Jahre später heißt es dann: Hello again.

Bei Schmidt gab es Charly Wagner, der Herrenwitze erzählte, und den Schimpansen in Wehrmachtsuniform. Geht das nach #MeToo und Pegida noch?

Ein Witz ist erst geschmacklos, wenn er nicht funktioniert. Der unwidersprochene Herrenwitz ist sowieso nicht meine Spezialität. Das können die Comedy-Kollegen besser.

Mario Barth, meinen Sie.

Zum Beispiel. Rassistische oder sexistische Witze muss ich mir nicht verkneifen, die fallen mir gar nicht ein. Ich finde das wirklich nicht lustig. Was nicht heißt, dass es in der Show nicht hart sein darf. Jeder hat das Recht, verarscht zu werden.

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