Familie ist ihm heilig. Andy García 2006 mit seinen Töchtern und Ehefrau Maria Victoria (2.v.r.). Foto: imago/Picture Perfect
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Interview mit Andy García „Ich sichere mich gegen Sexszenen ab“
Marco Schmidt
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„Heute fabrizieren die Studios fast nur noch Zeugs wie ,Spider-Man’“

Könnten Sie nicht jederzeit in Ihre Heimat reisen? Die Beziehungen zwischen Kuba und den USA haben sich doch in den vergangenen Jahren deutlich verbessert ...

Ich habe immer gesagt: Solange das kubanische Volk nicht in jeder Hinsicht frei ist, betrete ich diese Insel nicht. Und für die Kubaner hat sich die Situation im Prinzip überhaupt nicht verändert. Das Land ist nach wie vor eine Diktatur; es gab nie echte demokratische Wahlen; Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Leider fallen die meisten Leute in den USA auf die Propaganda des kubanischen Regimes herein und wissen deshalb nicht, was auf der Insel wirklich vorgeht.

Wissen Sie es denn? Immerhin waren Sie fast 57 Jahre nicht mehr dort!

Ich muss nicht vor Ort sein, um zu wissen, was los ist. Das Problem ist das korrupte System. Wenn Sie als Ausländer in Kuba investieren und zum Beispiel ein Hotel eröffnen wollen, ist Ihr Geschäftspartner stets das Regime. Auch die Löhne zahlen Sie nicht direkt an Ihre Angestellten, sondern an die Regierung, die jedoch nur einen Bruchteil davon an die Angestellten weitergibt. Für mich ist das Sklaverei. Ich bete täglich dafür, dass eines Tages die alte kubanische Verfassung wieder in Kraft tritt, und ich danke Gott dafür, dass ich in einem freien Land groß werden durfte.

In einer Welt voller Eintagsfliegen sind Sie nach Jahrzehnten immer noch gut im Geschäft. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?

Ich glaube, dass ich mein Metier heute wesentlich besser beherrsche als vor 35 Jahren. Ich bin ein gutes Werkzeug in der Hand eines Regisseurs, weil ich alles umsetzen kann, was er möchte – es sei denn, er will, dass ich jemanden hart von hinten nehme!

Wie hat sich die Filmindustrie in all den Jahren verändert?

Früher wurden die Hollywoodstudios von Bossen geleitet, die eigenständig entscheiden durften und auch außergewöhnliche Projekte gefördert haben. Heute fabrizieren die Studios fast nur noch Franchise-Großproduktionen: Zeugs wie „Spider-Man“, „Jurassic Park“ oder „Transformers“. Solche Filme richten sich an ein jugendliches Zielpublikum, werden mit gigantischem Werbeaufwand ins Kino gebracht und stehen dann unter dem Druck, sämtliche Kosten möglichst schon am Startwochenende wieder einspielen zu müssen. Ich bin sicher, kein Hollywoodstudio würde heutzutage mehr grünes Licht für „Die Unbestechlichen“ geben – man müsste mühsam versuchen, den Film als Independent-Produktion zu finanzieren.

Was treibt Sie trotzdem an, immer weiter Filme zu drehen?

Im Grunde meines Herzens bin ich ein hoffnungsloser Romantiker. Ich habe noch immer eine ähnlich naive Vorstellung vom Filmemachen wie zu Beginn meiner Laufbahn, als das alles noch ein weit entfernter Wunsch war. Egal, wie ich nach außen hin scheinen mag: Tief in mir drin bin ich bis heute der 13-jährige Junge geblieben – ich habe dieselben Interessen wie damals, dieselben Freunde, dieselben Träume. Manche von ihnen sind glücklicherweise schon in Erfüllung gegangen. Aber ich träume nach wie vor.

Wovon?

Von Geschichten, die ich noch erzählen möchte, von Rollen, die ich gern spielen würde. Mein Appetit auf die Schauspielerei ist noch lange nicht gestillt. Doch mein größter Traum ist es, dass ich eines Tages ein freies Kuba sehen werde!

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