Love in an Elevator. Auf dem Weg in den neunten Stock dröhnt Aerosmith aus den Boxen. Foto: nhow Hotels
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Hotelkolumne: In fremden Federn In jedem Fahrstuhl andere Musik

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Als Tourist in der eigenen Stadt: Direkt an der Spree steht das nhow als womöglich lautestes Hotel der Stadt.

Die Gegend rund um die Oberbaumbrücke ist nicht gerade eine Oase der Ruhe. Autos donnern über die mehrspurige Kreuzung zur Stralauer Allee, Punks grölen zur Musik aus dem Ghettoblaster, nachts wummert es aus Clubs wie dem „Watergate“. Straßenmusikern begegnet man hier zu jeder Unzeit. Trompeter, Rapper, Menschen, die auf Farbeimern trommeln. Zwei Dinge locken sie her: viele Touristen und das „Universal“-Gebäude nebenan. Den großen Durchbruch praktisch vor Augen, stets die Hoffnung im Hinterkopf, ein Mitarbeiter der Plattenfirma dort werde sie auf dem Weg ins Büro noch schnell groß rausbringen.

Mittendrin in diesem Treiben steht das nhow als womöglich lautestes Hotel der Stadt. Sicher tritt man mit der These niemandem dort zu nahe. Wer als Tourist herkommt, von der S- oder U-Bahn an der Warschauer Brücke, ist nach zwei Minuten garantiert aufgedreht. Bestenfalls in Tanzlaune, wenn nicht, stellt die sich spätestens an der Hotelbar ein. In der Mitte des Raumes ein Tresen, geschwungen wie fast jedes Möbel hier, an den Wänden hängen Iggy Pop und Snoop Dogg, natürlich nur als Poster, ein DJ legt elektronische Musik auf und zappelt in engem T-Shirt zu seiner eigenen Performance. Immer am ersten Samstag im Monat ist hier Open Stage, dann treten statt des DJs kleinere Bands auf.

Ob nebenan bei Universal jemand zuhört?

In jedem Fahrstuhl läuft andere Musik. Mal Rock, mal Elektro, aber nie Fahrstuhlmusik. Auf dem Weg in den neunten Stock dröhnt Aerosmith aus den Boxen. Raffiniert vom Hotel, dieses akustische Dauerfeuer, denn beim Betreten des eigenen Zimmers kommt es einem vor wie der ruhigste Ort auf Erden. Kein Mucks ist zu hören, die Spree und die U-Bahn-Linie 1 schieben sich lautlos unterm Fenster vorbei. Was aber nun anfangen mit der Tanzlaune, die einem zuvor zigfach und lautstark eingehämmert wurde? Im nhow-Hotel ist die Antwort leicht: Man lässt sich eine E-Gitarre aufs Zimmer liefern. Sie haben hier welche der Marke Epiphone, das ist die kleine Schwester der legendären Gibson Les Paul. Ob nebenan bei Universal wohl jemand zuhört, wenn der Verstärker auf Anschlag gedreht wird? Wie nett auch, dass im Zimmer zwei Fernseher stehen! Könnte man einen also Mick-Jagger-mäßig zum Fenster hinauswerfen ...

Dann die schlechte Nachricht. Alle E-Gitarren sind ausgebucht. Zimmer 905 bleibt heute frei von Eskapaden. Stattdessen: Pfefferminztee aufgesetzt, Flauschbademantel an, früh ins Bett, einen der beiden Fernseher eingeschaltet – es läuft: MTV Rocks. So sieht sie aus, die Eskalation des kleinen Mannes.

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