Mit Lilie. Klara von Assisi war die Gründerin des kontemplativen Ordens der Klarissen. Foto: United Archives/ imago
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Heilige Frauen Schutzpatrone für alle Fälle

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Bergarbeiter, Zahnärzte und das Fernsehen: Sie alle brauchen jemanden, der sich um sie kümmert. Die Kirche hat ihnen diese Heiligen gesandt.

Klara von Assisi

Der technische Fortschritt verändert die Welt, da muss selbst die katholische Kirche reagieren. Vor 60 Jahren wies Papst Pius XII. der Heiligen Klara von Assisi ein weiteres Aufgabengebiet zu. Und so steht die Patronin der Blinden, der Wäscherinnen und Stickerinnen, der Vergolder, Glaser und Glasmaler seit dem 17. Februar 1958 auch dem Fernsehen zur Seite.

Dabei lebte sie 700 Jahre vor dessen Erfindung, ja sogar zwei Jahrhunderte vor Gutenbergs Buchdruck.

Klara wurde 1194 in Assisi geboren, einer Hügelstadt in der mittelitalienischen Region Umbrien. Unter dem Einfluss des heiligen Franziskus, dem Begründer der Franziskaner, beschloss sie schon als Jugendliche, ihr Leben Gott zu weihen. Die Eltern waren reich und wollten sie verheiraten. Doch die 18-Jährige brach mit der Familie, ließ sich die schönen, langen Haare abschneiden, legte die wertvollen Gewänder ab, stattdessen eine Kutte an und schuf gemeinsam mit Franziskus einen Orden, die Klarissinnen. Er existiert bis heute, weltweit gibt es mehrere hundert Klöster, in Deutschland zum Beispiel in Bocholt und Paderborn. Die Klarissinnen führen ein betont einfaches, materiell geradezu ärmliches Leben, das um Gebete, Arbeit und den Dienst am Menschen kreist – nicht gerade die Richtung, in die sich das Fernsehen seit 1958 entwickelt hat.

Schon mit 30 war Klara selbst so krank, dass sie ihr Bett nicht mehr verlassen konnte. Was sie freilich nicht davon abhielt, andere Kranke, die die Ärzte längst aufgegeben hatten, zu heilen. Deshalb wird sie bis heute unter anderem bei Fieber angerufen und bei Augenleiden. Sehen konnte sie, sogar durch Wände hindurch. Angeblich verfolgte sie von ihrem Krankenlager aus Messen in einem anderen Raum. Eben jene televisionäre Begabung war es, mit der Papst Pius damals seine Entscheidung begründete.

Barbara

Werdende Eltern haben’s schwer. Alle sagen ihnen, wie sie ihr Kind nennen sollen, danach wissen sie es erst recht nicht. Im Ruhrgebiet der 50er Jahre hatte man es da einfacher. Ob Zechendirektor, Bergmann oder Apotheker, alle tauften ihre erste Tochter Barbara. Die als Schutzheilige der Bergleute am Eingang jeder Zeche stand und die Kumpel im Schacht begrüßte. Dabei waren Frauen unter Tage eigentlich verpönt, ja, gefürchtet, galten sie doch als Unglücksbringer. Aber die Heilige Barbara war stärker als jeder Sexismus.

Als ebenso schöne wie kluge junge Frau aus Nikomedien in der heutigen Türkei soll sie sich den Männern verweigert haben, weil sie was Besseres gefunden hatte: den christlichen Glauben. Das gefiel dem heidnischen Vater nicht, also sperrte er das Mädel in einen Turm und quälte es. Ohne Erfolg. Als sie sich auch noch heimlich taufen ließ, wollte er sie töten. Durch einen Felsspalt konnte sie fliehen, wurde verraten und erwischt, zum Tode verurteilt und gefoltert bis sie nur noch aus rohem Fleisch bestand. Wieder ohne Erfolg. Jesus, so die Legende, heilte ihre Wunden. Der Statthalter ließ sie mit Keulen verprügeln, mit Fackeln quälen, die Brüste abschneiden, ihr Vater köpfte sie persönlich mit dem Schwert – und wurde postwendend vom Blitz erschlagen.

Wer so standhaft bleibt, hat das Zeug zur Heiligen für alle, die wild und gefährlich leben. Also schützt Barbara als eine von 14 Nothelfern nicht nur die Bergleute, sondern auch die Artillerie, Architekten, Dachdecker, Feuerwerker, Geologen, Tunnelbauer, Schmiede, Elektriker (um nur einige zu nennen). Sie ist Patronin der Sterbenden und Totengräber, der Jungfrauen und Gefangenen. Nur die katholische Kirche wollte sie nicht mehr haben: In den 1960er Jahren wurde sie aus dem Heiligenkalender gestrichen. Weil man doch gar nicht weiß, ob es sie überhaupt gab.

Diese Petitesse stört ihre Anhänger wenig. Am 4. Dezember wird noch immer auf sie angestoßen und werden Kirschzweige gepflückt. Wenn diese bis Weihnachten blühen, bringt’s Glück, zum Beispiel in Gestalt eines netten Mannes oder eines Babys. Die Tochter kann man ja Barbara nennen.

Bergleute gibt es im Ruhrgebiet heute praktisch nicht mehr, ihre Patronin dagegen schon. Knapp 60 Exemplare stehen allein im Essener „Kunstschacht“ auf Zollverein. Der Künstler Thomas Rother bekam die Figuren alle geschenkt: kleine und große, Barbaras aus Draht, Eisenguss, ja, sogar aus Kohle. Die Kameradschaft und die Barbara, das, sagt Rother, war es, was die Kumpel von der Ruhr, aus der Türkei und Polen über alle Konfessionsgrenzen hinaus verband.

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