Die weiße Taube gilt dank einer Lithografie von Picasso weltweit als Friedenssymbol. Foto: imago/blickwinkel
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Berliner Schnauzen Woher die Zweifarbenfruchttaube ihren Namen hat

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Sie ist zarter und eleganter als die gewöhnliche Stadttaube, und ernährt sich, man ahnt es schon, von Früchten. Selbst Picasso liebte sie.

Der Name ist in der Tat etwas sperrig. Wer heißt schon Zweifarbenfruchttaube? Eingängiger wäre DFB-Taube gewesen, weil es die Zweifarbenfruchttaube schon gab, als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ausschließlich in Schwarz-Weiß auflief. Aber auch das wäre falsch gewesen, weil Weiß laut Farbenlehre keine Farbe ist, und die Zweifarbenfruchttaube, wenn sie nicht zu siebt im Tierpark lebt, überwiegend in der südostasiatischen Inselwelt zu Hause ist, und was weiß man da vom DFB und der Farbenlehre? Aber jetzt wird es ein wenig zu verdreht, also lieber zu den Fakten.

Die Zweifarbenfruchttaube heißt so, weil sie ein sehr schönes weiß-schwarzes Gefieder hat und sich, anders als die stadtbekannten Luftratten, nicht von Körnern und Samen und Dreck und Unrat ernährt, sondern, man ahnt es schon, von Früchten. Weshalb sie auch Muskatnussfruchttaube gerufen wird. Und wer jetzt einwendet, dass eine Muskatnuss rein sprachlich doch keine Frucht ist, dem möge die Zweifarbenfruchttaube doch einfach mal auf den Kopf ablassen.

Wie ein so zarter Vogel, der kleiner und schlanker und eleganter ist als die gewöhnliche Stadttaube, eine ganze Frucht samt Kern verschlucken kann? Weil sie es kann. Sie hat eine sehr elastische Speiseröhre, Vogelkurator Martin Kaiser weiß das alles und erzählt gerne von seiner Passion, die Taube raspelt im Inneren das Fruchtfleisch vom Kern und scheidet den Kern einfach in Gänze aus. Nun hat Fruchtfleisch nicht so einen hohen Nährwert, so ein friedliches Täubchen muss also eine Menge Früchte raspeln, hat logischerweise eine Menge abzulassen, dem Menschen sei also angeraten, sich nicht zu oft und zu lange unterhalb der Zweifarbenfruchttaube aufzuhalten.

Noch ist sie nicht bedroht

Darüber hinaus sind sie sehr ruhige Zeitgenossen, halten sich lieber oben unter dem Dach des satt auf Tropenwald geheizten Alfred-Brehm-Hauses auf, so wie es sie die Evolution gelehrt hat. Der zufolge sind nämlich auf dem Boden, Städter wissen das, zu viele andere Tauben, die Körner wegpicken, zudem Schlangen und von oben greifen auch Habichte zu, selbst die schöne Zweifarbenfruchttaube, da kann sie Picasso noch so traumhaft für den Frieden in die Luft malen, hat natürliche Feinde.

Gut, dass unsere Gastgeber im Tierpark leben, beim betreuten Wohnen haben weder Schlange noch Habicht Zutritt, hier können sie unbehelligt 20 Jahre alt werden. Und weil auch die Evolution nicht immer nur ungerecht und darwinistisch ist, hat sie unseren Täubchen gute Klammerfüße verpasst, auf dass sie auch kopfüber an die süßesten Früchte kommen können. Müssen sie, weil Frau Zweifarbenfruchttaube laktosefreie Kropfmilch entwickelt, um sie, fett- und eiweißhaltig, an die Jungtiere weiterschnäbeln zu können.

Und so könnte sie schiedlich-friedlich weiter schnäbeln. Wäre nicht der Mensch, der Lebensraum benötigt und Bäume abholzt und auch der Zweifarbenfruchttaube die Natur raubt. Aber noch ist sie nicht bedroht. Denkt daran, Menschen, wenn wieder eine Stadttaube, eine Schwester im Geiste der Zweifarbenfruchttaube, ablässt: Scheißt darauf, bringt Glück.

Zweifarbenfruchttaube im Tierpark

Lebenserwartung:  Bis zu 20 Jahre

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