Weißhaubenkakadus sind eigentlich sehr sozial. Eigentlich. Foto: Mauritius
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Berliner Schnauzen: Weißhauben-Kakadu Das deutsch-österreichische Duo

Daniela Prugger
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Zwischen Wien und Berlin gibt es bei den Kakadus im Zoo keine Aggressionen. Sondern bloß höfliches Desinteresse.

Im Vogelhaus leben zwei Weißhaubenkakadus, der eine kommt aus Berlin, der andere aus Wien. Sie mögen sich nicht. Zwar gibt es keine Aggressionen, bloß höfliches Desinteresse. Doch die beiden Männchen fallen ein wenig aus der Rolle. Eigentlich sind Weißhaubenkakadus sehr sozial.

Der Berliner war zuerst da. Er ist 34 Jahre alt, und wo genau er aufgezogen wurde, weiß nicht einmal mehr der Pfleger. Der Wiener, halb so jung, kam vor einigen Monaten aus Schönbrunn dazu. Der Pfleger sagt: „Die beiden müssen sich noch aufeinander eingrooven.“ Meist sitzen sie draußen und putzen ihre weißen Federn, die auf der Unterseite der Flügel ins Gelbliche spielen. Oder sie turnen. Nach unten und oben, rechts und links am Gitter entlang. Ruckartig bewegen sie den Kopf und erkunden die Umgebung.

Zweimal am Tag wird gegessen: Obst und Gemüse, Kerne und Nüsse. Danach dösen die beiden auf einem Ast. Die Rinde hängt in Fetzen herab. Der Berliner trug früher den Spitznamen „Schredder“. In jungen Jahren zerhäckselte er jeden frischen Baumstamm und Ast, der ihm vorgesetzt wurde. Mit dem kräftigen schwarzen Schnabel könnte er einen menschlichen Finger durchtrennen. Seine Muskulatur reicht vom Hinterkopf bis zum Unterschnabel. Ein wirksames Werkzeug, das auch den Menschen inspirierte. Er erfand die Papageienzange, mit der Fliesen zurechtgestutzt werden.

Ihre Schreie erreichen bis zu 100 Dezibel

Fliegen kann, muss aber nicht sein. Weil Weißhaubenkakadus aus den bewaldeten Gebieten Südostasiens stammen, bewegen sie sich vor allem kletternd. Dafür verwenden sie Zehen, Krallen und Schnabel; und rutschen, wenn es noch bequemer gehen soll, seitwärts am Ast herunter. Hin und wieder kreischen die beiden Vögel – so laut, dass man sie von Weitem hört. Ihre Schreie erreichen bis zu 100 Dezibel.

Weil Kakadus in Paaren leben, sucht der Zoo gerade nach zwei Weibchen. Äußerlich unterscheiden sie sich von den Männchen nur durch die rötliche Iris. Damit sich ein Pärchen findet, braucht es Zeit und Vertrauen. Weißhaubenkakadus verlieben sich und leben monogam. „Die Chemie muss stimmen, dann klappt das auch mit dem Nachwuchs.“ Die Weibchen legen ein bis zwei Eier und brüten 28 Tage lang.

Noch leben der Berliner und der Wiener ihr Singleleben. Bei Regen hängen die beiden wie zwei Fledermäuse von der Decke des Gittergeheges. Mit dem Rücken nach unten und den Flügeln auf eine Länge von bis zu 90 Zentimetern gespannt, sammeln sie jeden Tropfen.

Wenn der Pfleger kommt, wird das Buddeln eingestellt

Bei gutem Wetter geht der Wiener einem anderen Hobby nach. Seit einiger Zeit gräbt er ein Loch in den Boden des Geheges. 15 Zentimeter hat er schon geschafft. Mit den Krallen scharrt er einmal, zweimal, dreimal nach hinten und türmt die lockere Erde zu einem kleinen Hügel auf. Dann guckt er, ob sich ein Pfleger nähert und fängt, ist dem nicht der Fall, von vorne an. Ein Spiel, eine Beschäftigung, vielleicht ein Fluchtversuch. Ihre Nachbarn beachten die beiden nur, wenn die Inka-Kakadus auf der linken oder die prächtigen Hyazintharas auf der rechten Seite einen Warnruf von sich geben. Dann wissen sie: Der Pfleger kommt. Und ruck, zuck lässt der Wiener das Buddeln sein, hüpft zurück auf einen Ast, dreht dem herankommenden Pfleger den Rücken zu und blickt mit ratloser Miene hinauf in die grauen Wolken.

WEISSHAUBEN-KAKADU IM ZOO

Lebenserwartung:  60 bis 65 Jahre

Fütterungszeiten:  8 und 14 Uhr

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