Ein Segen für Deutschland. Immer mehr Kinder werden in der Bundesrepublik geboren. Foto: Waltraud Grubitzsch/picture alliance / dpa
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Geburten in Deutschland Höchste Geburtenrate seit 1973

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Mehr als 790.000 Kinder wurden 2016 geboren - ein deutlicher Anstieg um sieben Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Familienministerin Giffey kündigt an, die frühkindliche Bildung zu stärken.

Der Geburtenanstieg in Deutschland hält an – das fünfte Jahr in Folge. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch berichtete, wurden 2016 insgesamt 792.131 Kinder geboren. Das waren 54.556 Babys oder sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Mit einer durchschnittlichen Geburtenziffer von 1,59 Kindern pro Frau wurde sogar der höchste Wert seit 1973 gemessen. Damit liegt Deutschland im europäischen Mittelfeld, hinter Französinnen mit einer Geburtenziffer von 1,92 und vor Italienerinnen und Spanierinnen mit einer Geburtenziffer von je 1,34 Kindern pro Frau.

Unterschiede in Ost und West

Auffällig waren laut Statistischem Bundesamt vor allem zwei Entwicklungen: die Unterschiede bei der Entwicklung der Geburtenzahlen in Ost (plus vier Prozent) und West (plus acht Prozent) sowie der Einfluss der Migration. Knapp 185000 Kinder wurden von Müttern mit ausländischer Staatsangehörigkeit geboren.

Das war ein Anstieg um 25 Prozent im Vergleich zu 2015. Zusätzlich nahm der Anteil von Frauen aus Ländern zu, in denen Kinderreichtum zur Tradition gehört, hieß es. So wurden 21.800 Kinder türkischer Mütter geboren, 18.500 mit syrischer Mutter. In 11.800 Fällen hatte die Mutter eines Neugeborenen einen polnischen Pass.

Doch auch bei Müttern mit deutschem Pass gab es einen Geburtenanstieg um drei Prozent. Diese Entwicklung führt das Statistische Bundesamt vor allem darauf zurück, dass Frauen im Alter zwischen 30 und 37 Jahren häufiger Kinder bekommen. Diese Frauen realisierten „derzeit unter günstigen familienpolitischen und wirtschaftlichen Bedingungen ihre Kinderwünsche mit höherer Intensität“, sagte eine Sprecherin des Statistikamtes.

Durchschnittsalter der Mütter: 29,4 Jahre

Nach einer ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten Eurostat-Statistik waren Frauen in Deutschland 2016 bei der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich 29,4 Jahre alt. In Italien waren erstgebärende Frauen mit durchschnittlich 31 Jahren die ältesten, in Bulgarien mit 26 Jahren am jüngsten.

Für den Koblenzer Statistikforscher Gerd Bosbach zeigen die jüngsten Zahlen: „Die demografische Entwicklung ist nicht konstant, sie ist durch politische Entscheidungen oder gesellschaftliche Entwicklungen veränderbar.“ Und: Deutschland sei in den vergangenen Jahren auch bei einer Geburtenrate von 1,4 Kindern je Frau nicht „geschrumpft“, sondern gewachsen – von 80,3 Millionen Einwohnern 1991 auf 82,5 Millionen im Jahr 2016. „Das Aussterben“, stellte Bosbach fest, „ist mithin abgesagt.“

Mehr Kitaqualität

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) nahm die Entwicklung der Geburtenzahlen zum Anlass, verstärkte Investitionen in die Zukunft der Kinder in Aussicht zu stellen – „besonders in die frühkindliche Bildung“. Jedes Kind solle seinen Weg machen können, „egal, aus welchem Elternhaus es kommt und wo es aufwächst“.

Sie kündigte deshalb ein Gesetz für mehr Kitaqualität „vor dem Sommer“ an. Wissenschaftler Bosbach sagte dazu, wenn es gelänge, die neuen Kinder vernünftig auszubilden, werde es in Zukunft keinen nennenswerten Fachkräftemangel geben: „Menschen gibt es genug in Deutschland.“ mit dpa/KNA

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