Gut zu erkennen ist die abgebrannte Böschungsfläche zwischen den Gleisen und den Häusern. Foto: Kreisfeuerwehrverband Rhein-Sieg-Kreis/dpa
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32 Verletzte, zerstörte Häuser und Autos Ursache für verheerendes Feuer an ICE-Strecke in NRW unklar

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An der ICE-Strecke Köln-Frankfurt breitet sich ein Böschungsfeuer rasend schnell aus, 32 Menschen werden verletzt. Die Brandursache ist noch unklar.

Das Feuer war verheerend. 32 Menschen wurden nach Angaben der Feuerwehr verletzt, acht Gebäude in Siegburg in Nordrhein-Westfalen wurden zum Teil so massiv beschädigt, dass zumindest einige voraussichtlich abgerissen werden müssen; Autos sind ausgebrannt. Auslöser war ein Böschungsbrand an der Schnellfahrstrecke Köln–Frankfurt (Main) der Bahn, der am Dienstagnachmittag ausgebrochen und sich schnell auch auf Häuser ausgeweitet hatte.

Die Höhe des Schadens ist noch nicht ermittelt; auch die Ursache des Feuers ist nach Angaben der Bahn weiter ungeklärt. Zunächst hatte die Stadt Siegburg als Auslöser einen durch einen Zug verursachten Funkenflug genannt.

Auf der Schnellfahrstrecke konnte die Bahn am Mittwochmorgen den während des Feuers unterbrochenen Verkehr wieder aufnehmen; Schäden an Kabeln waren nach Angaben eines Sprechers schnell repariert. Umfangreicher seien sie auf den parallelen Gleisen für den Nahverkehr. Die Oberleitung ist nach Angaben des Sprechers auf einer Länge von 350 Meter beschädigt; Kabel der Leit- und Sicherungstechnik müssen repariert werden. Der Regionalverkehr war deshalb am Mittwoch weiter unterbrochen.

Im Einsatz waren rund 500 Brandbekämpfer

Der zunächst harmlos wirkende Böschungsbrand hatte sich schnell ausgebreitet und die entfernter stehenden Häuser erfasst. „Aufgrund der Trockenheit ging es rasend schnell; der Wind verschlimmerte die Sache“, sagte ein Sprecher der Stadt Siegburg.

Nach mehreren Stunden brachten die Feuerwehren den Brand am Abend unter Kontrolle. Im Einsatz waren rund 500 Brandbekämpfer. Auch ein Wasserwerfer der Bundespolizei sowie ein Hubschrauber waren angefordert worden. Regen in den Morgenstunden hatte das Löschen erleichtert. Am Morgen war der Großeinsatz beendet.

15 Bewohner konnten ihre Häuser nicht mehr betreten; 13 erhielten Ersatzquartiere der Stadt. Zwei fanden Unterschlupf bei Verwandten. Das Hilfsangebot aus der Bevölkerung sei überwältigend gewesen, teilte die Verwaltung mit. Viele hätten Zimmer oder Ferienwohnungen offeriert. Die Bahn teilte mit, sich mit einer halben Million Euro an einem Hilfsfonds für die Betroffenen zu beteiligen.

Zu Dampflokzeiten gab es so genannte Brandschutzstreifen

Böschungsbrände gehören bei der Bahn fast zum Alltag. An zahlreichen Strecken hat es in den vergangenen Tagen gebrannt; Züge mussten umgeleitet werden oder fielen aus. Zu Dampflokzeiten gab es beiderseits der Gleise so genannte Brandschutzstreifen. Sie sollten verhindern, dass bei einem Funkenflug aus der Lokomotive ein Feuer entstand.

Auf dem fünf bis sechs Meter breiten Streifen wurden Bäume abgeholzt und Sträucher entfernt. Übrig blieb in der Regel nur Erde oder Sand. In Wäldern legte man hinter den ersten Reihe der Bäume häufig einen weiteren mehrere Meter breiten Schutzstreifen an, der verhindern sollte, dass sich ein Brand auf den gesamten Wald ausdehnt.

Mehrere Häuser und geparkte Pkw brannten aus. Foto: Wolfgang Rattay/Reuters
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Nach dem Ausscheiden der Dampfloks in den 1970er Jahren pflegte man den Brandschutzstreifen nicht mehr. Vorübergehend verhängte die Bahn deshalb sogar ein Fahrverbot für Museumsdampfloks. Schutzstreifen gibt es aber weiter, damit bei einem Sturm keine Bäume auf die Gleise oder die Oberleitung stürzen.

Vorwürfe, auch die Pflege dieser Streifen sei zurückgefahren worden, wies die Bahn nach den heftigen Stürmen im vergangenen Jahr, als umgefallene Bäume massenweise Gleise blockiert hatten, zurück. Aber sie hat jetzt ein neues Pflegeprogramm aufgenommen, bei dem intensiver als zuvor nach sturzgefährdeten Bäumen geschaut wird.

Experten untersuchen die Ursache des Feuers

Gras wächst aber weiter; das war auch bei den Brandschutzstreifen so. Deshalb sei es auch früher – vor allem nach einer lang anhaltenden Trockenperiode, immer wieder zu Böschungsbränden gekommen, sagte ein Bahnsprecher.

Nun versuchen Experten, die Ursache des Brandes bei Siegburg zu ermitteln. Die Stadt relativierte ihre erste Angabe zum angeblichen Funkenflug und betonte, es seien auch andere Ursachen möglich. Fachleute halten einen Funkenflug für unwahrscheinlich. Auch die Bahn warnte vor voreiligen Schlüssen. Das Feuer kann unter anderem auch durch Glasscherben ausgelöst worden sein, die bei der Hitze wie ein Brennglas wirken können. Oder durch eine weggeworfene noch glimmende Zigaretten kippe. Auch eine vorsätzliche Brandstiftung ist bei Böschungsbränden nie auszuschließen.

Zusätzliche Einschränkungen auf der Strecke

Unabhängig vom Brand kommt es auf der Strecke weiter zu Einschränkungen. Weil ungewöhnlich viele ICE-Einheiten, die für unterschiedliche Stromsysteme in Belgien und Holland ausgestattet sind, bei der Hitze schlapp machen, muss die Bahn auch in den nächsten Tagen Fahrten Richtung Brüssel und Amsterdam zwischen Frankfurt (Main) und Köln streichen. Insgesamt habe die Zahl der hitzebedingten Ausfälle – auch von Klimaanlagen – leicht zugenommen, es gebe aber keine auffälligen Häufungen, sagte eine Sprecherin. (mit dpa)

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